Würzig und sehr bekömmlich

Lokales
Schwandorf
22.05.2015
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Von den Blättern der alten Kastanien platschte das Regenwasser auf die Biertische. Keine Chance für ein Prosit im Freien. Deshalb fand der Probeschluck für den "Schwandorfer Pfingstsud 2015" heuer unter dem schützenden Dach des Wiefelsdorfer Brauereiwirtshauses statt.

Weiß das eigentlich noch jemand? Die Namensgebung "Pfingstsud", seinerzeit heftig umstritten, fand zu Zeiten des damaligen Oberbürgermeisters Hans Kraus und seines Stellvertreters Hans Graf statt. Lange her. Unterdessen ist der eher seltsame Begriff zur üblichen Gepflogenheit geworden.

Und so rann der "Pfingstsud 2015" am Mittwoch aus einem Banzen, den Oberbürgermeister Andreas Feller im Wiefelsdorfer Brauereigasthof anzapfte. Mit zwei wuchtigen Schlägen und in der Tat sehr gekonnt, wie ihm die zu dieser Traditionsveranstaltung erschienenen Stadträte samt Landrat Thomas Ebeling bestätigten.

11,8 Prozent Stammwürze

Vor dem Volksfest am Krondorfer Anger wird das eigens dafür eingebraute Bier probiert. Es kommt aus der Schlossbrauerei Naabeck und damit aus einem Haus, welches von sich behaupten kann, dass zum Brauvorgang nur reines Felsquellwasser verwendet wird. Das erwähnte Brauereibesitzer Wolfgang Rasel vor den im Wirtshaus versammelten Gästen und überließ dann seinem Braumeister Eric Kulzer das Wort.

Kulzer nannte Einzelheiten: 11,8 Prozent Stammwürze, 5,3 Volumenprozent Alkohol. "Zeit macht aus einem Gerstenkorn eine Kanne Bier", zitierte der Braumeister aus alten Unterlagen und legte Wert auf den Begriff "Zeit". Denn die müsse man sich schon nehmen, um ein Getränk zu schaffen, das ab Samstag im Festzelt am Anger ausgeschenkt wird.

Wird es dann regnen so wie bei der traditionellen Bierprobe? Der Oberbürgermeister zeigte sich optimistisch. "Vorher tröpfelt es gemächlich, beim Auftakt ist Schluss damit", ließ Andreas Feller als Prognose vernehmen. Alles andere wäre ja auch wirklich schade. Bei all der Vorarbeit, die sich Festwirt Gerhard Böckl und Schausteller- und Fierantenchef Edmund Diebold gemacht haben.

So wurde dann das Naabecker Volksfestbier probiert und allseits für tauglich befunden. Eine bernsteinfarbene Halbe war erlaubt für die Autofahrer. Doch etliche hatten einen Chauffeur geordert. Denn bei einem Bier wie diesem wurde gerne nachbestellt und der Philosophie des Braumeisters Kulzer entsprochen. Er reimte: "Aus einem guten Hopfen macht man einen bekömmlichen Tropfen." Wohl wahr in diesem Fall.

"Lilli Marleen"

Bei kühlem Trunk wurde in Erinnerungen geschwelgt. An Bierproben, bei denen noch der vor vielen Jahren verstorbene Krondorfer Bürgermeister Albert Lotter samt dem damaligen Festwirt Karl Meyers zum Schifferklavier griff und nach gehabter Brotzeit als "Rausschmeisser" das Lied von "Lili Marleen" erklang. Auch das ist, wenn man so will, ein Stück Schwandorfer Volksfestgeschichte.

Brauereibesitzer Rasel erinnerte launig an einen ehemaligen Stadtrat, der nach solchen Bierproben am nächsten Tag seinen fachlichen Kommentar abzugeben pflegte. Nicht immer fiel er lobend aus.

In der Tischrunde, die sich darüber erheiterte, war im Gedächtnis geblieben, dass er einmal in seiner barocken Art die Empfehlung aussprach, man möge den gesamten Sud "in die Naab schütten." Das aber traf seinerzeit, es ist Jahrzehnte her, nicht auf die wackeren Biermacher aus Naabeck zu.

Start am Samstag

Eines ist immer gleich geblieben: Am Samstagnachmittag wird das Schwandorfer Volksfest eröffnet. Mit einem Zug hinunter zum Krondorfer Anger, mit dem Anstich durch den OB und mit einer dann folgenden Woche, die zum festen Jahresprogramm der Großen Kreisstadt gehört.
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