Zum Mond für einen "Zwickl"

Auf der großen Leinwand startet eine Apollo-Rakete, Peter Pichler spielt dazu das Mixturtrautonium. Auf kleinen Leinwänden (rechts im Bild) konnten die Zuschauer dem Musiker dank Live-Übertragung über die Schulter schauen. "A Voyage to the Moon" wurde so zu einem der Höhepunkte der "Zwickl"-Dokumentarfilmtage. Bilder: Hösamer (2)
Lokales
Schwandorf
29.09.2015
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Ob mit Peter Pichler auf Mondreise oder mit Ulrich Seidl in die Unterwelten "Im Keller": Die "Zwickl"- Dokumentarfilmtage loteten neun Tage lang Höhen und Tiefen menschlichen Daseins aus. Mit großem Erfolg.

Das "Zwickl"-Festival erfindet sich jedes Jahr neu, Veränderung ist Programm. Genau wie hoch qualitative Dokumentarfilme, die es im Mainstream des Kino- und Fernsehgeschäfts schwer haben. Mit "Formen des Widerstands" haben sich Initiatorin Anne Madlene Schleicher und ihr Team diesmal ein Schwerpunkt-Thema gesetzt.

Ein Konzept, das aufging: Über 2500 Zuschauer im Metropol in Schwandorf, im Kinocenter Nittenau (Christine Mauerer: "Wir waren voll zufrieden") und im Ring-Theater Amberg belegen, dass gute Dokumentarfilme ein Publikum finden. Zumal, wenn das Vergnügen wie beim "Zwickl" nur 2 Euro Eintritt kostet. Dieser "Zwickl" wird eine Konstante bleiben, verspricht Kulturamtsleiterin Susanne Lehnfeld.

Fantastische Klänge

Neben der Podiumsdiskussion am Samstag (wir berichteten) war das zweite Zwickl-Wochenende mit weiteren Höhepunkten gespickt. Peter Pichler am Mixturtrautonium und Stephan Hofer an Volks-Trautonium und Percussion boten am Samstag Abend im annähernd vollen Metropol ein musikalisch-cineastisches Highlight. Das Trautonium ist ein früher Vorläufer des Synthesizers, erfunden in der 1930er-Jahren von Friedrich Trautwein. Statt eines Klaviermanuals wird das Instrument über einen Widerstandsdraht gespielt, der stufenlose Glissandi ermöglicht. Tonfarben und Obertöne sind mit einer Unzahl an Schaltern und Reglern veränderbar. Die Klangmöglichkeiten sind fantastisch - und wurden schon von Großmeister Alfred Hitchcock für "Die Vögel" genutzt.

Pichler und Hofer vertonten "A Voyage to the Moon" (Eine Reise zum Mond), einen Stummfilm aus original Nasa-Material zur Landung der ersten Menschen auf dem Mond im Jahr 1969. Michael Geyer und sein Snapshot-Team ermöglichten mit mehreren Kameras, Pichler während des Spielens live über die Schulter zu blicken. Ein optisch-akustischer Genuss, den sich auch Sänger Hans Söllner nicht entgehen lassen wollte, in dessen Band Pichler und Hofer für Groove sorgen. Der Film über Söllners Konzert in seiner Heimat Reichenhall lief am Sonntag zum Abschluss in Schwandorf, Söllner stand anschließend Rede und Antwort.

Viele ehrenamtliche Helfer

"Wir hatten Gäste aus Regensburg, dem Allgäu, Hannover und München", sagte Susanne Lehnfeld in einem kurzen Resumee am Montag der NT-Redaktion. Für sie ein Zeichen, dass das "Zwickl" inzwischen weit über die Stadt hinaus ausstrahlt. Da war Alexander Heinz schon wieder dabei, das Metropol wieder in seinen Blumenladen zu verwandeln. Er ist einer der Unterstützer, ohne die das "Zwickl" nicht möglich wäre. Die Stadt und weitere, großzügige Sponsoren gehören dazu, vor allem aber auch das Team um Anne Schleicher. Das Metropol an der Schwaigerstraße war neun Tage "Zwickl-Zentrale", von der Versorgung der Gäste über den Kartenverkauf bis zum Vorführen der Filme waren freiwillige Helfer eingespannt.

Zum Abbau am Sonntag packten dann gleich 25 Leute mit an. "Ich musste fast heulen", gibt Anne Schleicher zu, so sehr ist ihr - und auch den Filmfans - das alte Metropol als Kino ans Herz gewachsen. Zu den Unterstützern zählt Lehnfeld aber nicht zuletzt die Zuschauer: "Sie zeigen sich offen für Neues, wollen die Welt kennenlernen."

Initiatorin Anne Madlene Schleicher fasste ihr Resumee kurz: "Total glücklich". Das "Zwickl" sei nun endgültig im Kulturleben der Stadt verankert, ist die Theater-, Film- und Medienwissenschaftlerin überzeugt. "Es war nochmal ganz anders, aber wieder voll super", sagte die 27-Jährige dem NT. Sie freute sich vor allem über die vielen positiven Reaktionen, die sie während der neun "Zwickl"- Tage erfuhr. Völlig zurecht.
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