Zwei als Diebe entlarvte Männer müssen in Haft - Justitias Nachsicht hat ein Ende
Endgültig Schluss mit Milde

Lokales
Schwandorf
16.01.2015
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Sie brachten 34 Vorstrafen mit. Der eine hatte 22, der andere ein Dutzend. Da musste die Amtsrichterin Petra Froschauer quasi eine halbstündige "Sonderschicht" einlegen, bis alles verlesen war, was an Straftaten im Bundeszentralregister stand. Erstaunlich dabei: Trotz dieser Vielzahl von Ahndungen waren beide Männer bisher nur wenige Monate hinter Gittern.

Manchmal, so scheint es, ist der Rechtsstaat äußerst geduldig. Denn anders ließ sich der von gerichtlicher Seite her gezeigte Langmut nicht erklären. Diebstähle und Körperverletzungen, Trunkenheitsfahrten, Leistungserschleichungen und Schwarzfahrten in Serie. Doch hinter Gitter kamen ein 33-Jähriger aus Schwandorf und ein 46-Jähriger aus Cham eher selten. Geldbußen, Bewährungsstrafen, immer wieder Nachsicht.

Als nun wegen Diebstahls gegen beide vor dem Schwandorfer Amtsgericht verhandelt wurde, stellte sich heraus: Einer von ihnen stand unter zweifacher Bewährung, als letztes Jahr im Mai ein "illegaler Einkaufszug" - wie es die Richterin Froschauer formulierte - in Schwandorf stattfand.

Rasche Festnahmen

Zunächst hatten die befreundeten Männer ein Textilgeschäft an der Friedrich-Ebert-Straße heimgesucht. Dort wurde eine Jogginghose anprobiert, geklaut und mitgenommen. Die Polizei war dann bereits informiert, als die nächste Diebstahls-Aktion ablief: Aus einem Telefonladen kamen drei Handytaschen weg. Die Hose hatte der 33-jährige Schwandorfer mitgenommen, die Handy-Futterale steckte der Mann aus Cham ein und entsorgte die Preisetiketten noch im Geschäft. Eine der Taschen bekam sein ihn begleitender Freund. Er freute sich über das "Geschenk."

Noch in der Innenstadt wurden beide festgenommen. Jetzt legten sie Geständnisse ab und hofften auf erneute Milde der Justiz. Doch diesmal gab es sie nicht. Für den Mann aus Schwandorf forderte der Staatsanwalt ein halbes Jahr Freiheitsentzug, der aus Cham angereiste Dieb sollte nach dem Willen des Anklagevertreters vier Monate hinter Gitter.

Nicht "bewährt"

Die Richterin blieb zwar unter diesen Anträgen, gab aber keine Bewährung mehr. So kommt es nun, dass der 33-Jährige vier Monate "einrücken" und sein Komplize aus Cham drei Monate absitzen muss. Dass der Schwandorfer massiv darauf drang, unbedingt eine Drogentherapie machen zu wollen, beeindruckte die Vorsitzende nicht. Darauf wird er warten müssen.

Vielleicht noch sehr viel länger als die verhängten vier Monate. Denn es könnte gut sein, dass nun zwei zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafen ebenfalls zu verbüßen sind.
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