Zwei Brüder und drei Joints

Lokales
Schwandorf
20.02.2015
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Wer Minderjährigen Rauschgift zugänglich macht, begeht ein Verbrechen. Da kennt der Gesetzgeber keine Nachsicht. In einem Fall, der das Schwandorfer Schöffengericht beschäftigte, konnte die Strafe allerdings auf das Mindestmaß reduziert werden.

Die Sache kam eher zufällig in die Akten. Im südlichen Landkreis Schwandorf stoppten Polizisten einen jungen Mofafahrer und stellten bei ihrer Kontrolle fest: Der 15-Jährige stand unter Drogeneinfluss. Daraufhin kamen Ermittlungen in Gang, die noch am gleichen Tag zu einem Bruder des Schülers führten. Der gab zu: "Ich habe ihn an Marihuana-Joints ziehen lassen." Die Kripo erschien und stellte dem 22-Jährigen weitere Fragen.

Daraufhin räumte er ein, dass auf einem Feldweg abseits des Elternhauses insgesamt drei Joints gedreht und geraucht worden waren. Dies, so erläuterte nun Staatsanwalt Tobias Kinzler vor dem Schöffengericht, sei in allen drei Fällen ein Verbrechenstatbestand gewesen. Denn wer Rauschgift an Minderjährige weitergebe, verstoße massiv gegen das Betäubungsmittelgesetz. Dabei stelle sich im Regelfall ein Strafrahmen ab einem Jahr Haft.

Quellen genannt

Der jüngere Bruder des Angeklagten machte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Doch darauf kam es in der Verhandlung nicht maßgeblich an. Denn zuvor schon hatte das Schöffengericht unter Vorsitz von AG-Direktor Ewald Ebensperger vom Beschuldigten ein umfangreiches Geständnis erhalten. Den vorliegenden Unterlagen ließ sich außerdem entnehmen: Der 22-Jährige nannte bei den Ermittlungen seinen "Lieferanten." Der stammte aus Regenstauf, war als An- und Verkäufer von Marihuana in einschlägigen Schwandorfer und Burglengenfelder Konsumentenkreisen bekannt geworden. Einmal - doch das kam eher als Randnotiz zur Sprache - hatte man ihm statt Cannabis eine größere Menge getrocknetes Basilikum "angedreht."

Was tun mit dem 22-Jährigen? Staatsanwalt Kinzler rechnete ihm das Geständnis an, er hielt im Hinblick auf die Taten einen sogenannten "minderschweren Fall" für gegeben und blickte in das Vorstrafenregister des jungen Mannes. Es enthielt keinerlei Einträge. Daraus zog der Anklagevertreter den Schluss, dass es keiner Freiheitsstrafe bedürfe. Kinzler beantragte eine Geldstrafe in Höhe von 1200 Euro.

Milde im Urteil

Das Schöffengericht blieb, obgleich es sich um einen Verbrechenstatbestand handelte, noch unter Kinzlers Antrag. Es verhängte 600 Euro Geldstrafe und berücksichtigte dabei die finanziell nicht rosige Lage des 22-Jährigen. Richter Ebensperger schrieb ihm allerdings mahnend ins Stammbuch: "Lassen Sie die Finger von dem Zeug und verschonen Sie auch ihren Bruder davor." Der 15-Jährige, so war im Prozess deutlich geworden, hatte nicht zum ersten Mal an Joints gezogen.
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