48-Jähriger klaut Unterwäsche
Scharf auf Dessous

Politik
Schwandorf
10.01.2015
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Seine Beute war ungewöhnlich: Als der Mann zu zwei Diebeszügen in einer fremden Wohnung ansetzte, nahm er fast ausschließlich Damenunterwäsche mit. Daran habe er sexuell seine Freude gehabt, gestand der 48-Jährige jetzt bei einem für ihn peinlichen Prozess vor dem Schwandorfer Amtsgericht.

Der Handwerker half vor einigen Jahren bei einem Umzug im Verwandtenkreis. Dabei nahm er in Schwarzenfeld einen Schlüssel mit. Dieser Schlüssel diente dann dazu, dass er später mühelos in das Haus gelangen konnte. Er kam zwei Mal, sah sich um, raffte Damen-Dessous zusammen und ging wieder.

Irgendwann wurde deutlich, dass es da jemanden gab, der während der Abwesenheit des im Anwesen wohnenden jungen Paares nach Unterwäsche stöberte. Also wurde eine Videokamera installiert. Und siehe da: Die Aufnahmen bestätigten, was man längst vermutet hatte: Es handelte sich um den Mann aus dem Familienkreis. Ab dann ermittelte die Polizei.

Es gab noch einen weiteren Fall, den die Richterin Petra Froschauer erörtern musste. Er trug sich in Wackersdorf zu. Dort hatte der 48-Jährige eine ebenfalls in seinem Verwandtenkreis angesiedelte junge Frau besucht. Als er wieder ging, sollen ein paar schwarze Strümpfe gefehlt haben. Außerdem ein blondes Haarteil.

Dass er in Wackersdorf als Dieb tätig wurde, bestritt der Mann. Das Gegenteil konnte nicht mit letzter Sicherheit bewiesen werden. Im späteren Prozessverlauf stellte die Richterin das Verfahren in dieser Sache ein. "Die hierfür zu erwartende Strafe fällt gegenüber den anderen Delikten nicht ins Gewicht", begründete sie ihre Entscheidung.

Frau stark verängstigt

Seine illegalen "Besuche" in dem Schwarzenfelder Wohnanwesen gab der 48-Jährige zu und er räumte ein, die Damenwäsche nebst einem Handy in seinen Besitz gebracht zu haben. Die Dessous waren später bei ihm sichergestellt worden. Ihre Besitzerin will heute nichts mehr mit ihm zu tun haben. Aus nachvollziehbarem Grund. Sie habe, erklärte die junge Frau als Zeugin, Angst gehabt und sogar einmal außerhalb des Hauses übernachtet, als ihr Ehemann dienstlich unterwegs war.

Ein Fetischist? Wohl nicht, wie sich einem im Gerichtssaal verlesenen Gutachten des Amberger Landgerichtsarztes Dr. Reiner Miedel entnehmen ließ. Der Mediziner ging nicht von Abartigkeit aus, er verneinte das Vorliegen von Schuldausschließungsgründen. Damit war klar: Ein Grund zu weiteren Maßnahmen wie etwa einer Einweisung oder Unterbringung war nach Auffassung Miedels nicht vorhanden.

Standpauke der Richterin

Staatsanwältin Daniela Spieß verlangte sieben Monate zur Bewährung für den bis dahin unvorbestraften Angeklagten. Sie wollte außerdem eine Geldauflage in Höhe von 4000 Euro verhängt sehen. "Fünf Monate reichen aus", vertrat Verteidiger Dr. Gunther Haberl seinen Standpunkt.

Die Richterin gab dem 48-Jährigen eine siebenmonatige Bewährungsstrafe, er muss außerdem 1000 Euro zahlen. In ihrer Begründung sagte Petra Froschauer: "Ihnen sollte klar werden, was Sie bei Frauen mit Ihren Diebstählen auslösen." Denn damit werde in die Intimsphäre eingedrungen und für die Opfer "eine bedrückende Lage" geschaffen.

Unterdessen hat sich der Mann in psychologische Behandlung begeben. Nicht zuletzt auf Drängen seiner Ehefrau. "Es tut mir wirklich leid", sagte er im Schlusswort. Doch seine Verwandten mochten eine Entschuldigung nicht akzeptieren.
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