Aktionsbündnis kämpft gegen Hähnchenmastbetrieb
„Eine Frage der Haltung“

Grünen-Politiker diskutierten über die geplante Hähnchenmastanlage (von links): Bezirksvorsitzender Stefan Schmidt, Kreisvorsitzende Elisabeth Bauer, undestags-Vizepräsidentin Claudia Roth, Kreisrat Rudolf Sommer, Kreisvorsitzende Tina Winklmann, Renate Storch und Franziska Dobler (beide vom Ortsverein Schwandorf) sowie Stadt- und Kreisrätin Marion Juniec-Möller. (Foto: Hartl)
Politik
Schwandorf
19.07.2016
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Als Claudia Roth am Montag im Landkreis Halt machte, kamen gleich Erinnerungen bei ihr hoch. Vor über 30 Jahren war sie beim "Anti-WAAhnsinns-Festival". Roth wird aber wohl nicht nur an ihr politisches Engagement gegen die Wiederaufbereitungsanlage gedacht haben.

Vor ihrer politischen Karriere war Roth einige Jahre Managerin von "Ton Steine Scherben". Die Band mit Frontmann Rio Reiser spielte damals auch beim Festival. Dazwischen liegen drei Jahrzehnte, in denen Roth zum Gesicht der Grünen avancierte. Das machte sich nun das Aktionsbündnis "Kein Hähnchenmastbetrieb am Kapflhof" um die Grünen-Stadträtin Marion Juniec-Möller zunutze, das die Bundestags-Vizepräsidentin einlud. Roth hatte laut Juniec-Möller sofort zugesagt. Schließlich sei das Thema "eine grüne Herzensangelegenheit". Das Land, auf dem zwei 200 Meter lange Hallen mit einer Kapazität von 300 000 Tieren entstehen sollen, sei "ein Stück Erde, das den Schwandorfern sehr ans Herz gewachsen ist". Denn es sei einer der wenigen unberührten Orte, ohne Stromleitungen und Eingriffe der Menschen.

Weiter mobilisieren


Der Stadträtin ist es wichtig, am Thema dranzubleiben. Denn bis zum Bürgerentscheid am Sonntag, 18. September, sind es noch einige Wochen. "Wir müssen mobilisieren und dürfen nicht denken, dass die Sache ein Selbstläufer wird - dann haben wir große Erfolgsaussichten." Wie schon im Stadtrat sagte Juniec-Möller über ihr Engagement wortspielerisch: "Für mich ist es eine Frage der Haltung." Und wann habe man schon mal die Chance, für den Tierschutz etwas zu tun?

Claudia Roth kritisierte die Politiker, die im Planungsausschuss für die Ausweisung eines Sondergebietes stimmten: "Mir fällt nichts ein, was dafür sprechen würde." Die Bundestags-Vizepräsidentin riet dem Aktionsbündnis, den niedersächsischen Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) einzuladen. "Das ist das Bundesland, das wirkliche riesige Massentierhaltung hat." Meyer trage einen sehr mutigen Kampf aus - "mit der Unterstützung von vielen, vielen Menschen in der niedersächsischen Bevölkerung".

Der Landwirtschaftsminister könne schildern, was Massengeflügelhaltung und Massenschlachtanstalten für negative Auswirkungen hätten. Für Roth sind die geplanten Anlagen der "helle Wahnsinn". Deswegen hoffe sie sehr, dass das Aktionsbündnis mit dem Bürgerentscheid erfolgreich sei.

Der Grünen-Bezirksvorsitzende Stefan Schmidt äußerte sich beim Pressetermin außerdem über die für ihn mangelnde Kennzeichnung der Lebensmittel. Die Verbraucher müssten wissen, woher das Essen kommt und wie die Tiere gehalten werden: "Die Leute wollen nicht nur, dass hier keine Anlage entsteht, sondern auch Qualität beim Fleisch."

"Möchte meine Ruhe"


Bevor sich Roth auf den Weg machte, hielt ein Auto auf dem abgelegenen Hof. Am Steuer saß ein unbekannter Mann. Ob es sich dabei um einen Sympathisanten des potenziellen Betreibers der Hähnchenmastanlage handelte, ist unklar. Der Mann forderte, dass der Medienvertreter vom Fernsehen die Kamera ausmache, und sagte: "Ich möchte meine Ruhe, und das bleibt dabei." Roth ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Dafür hatte sie in den letzten drei Jahrzehnten wohl schon zu viele Kämpfe ausgefochten. (Seite 5)

Mir fällt nichts ein, was dafür sprechen würde.Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth über die geplante Hähnchenmastanlage
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