Bürgerentscheid schafft Quorum knapp
Hähnchenmastanlage gerupft

Stadtrat Alfred Damm (ÖDP, rechts) und BN-Kreisvorsitzender Klaus Pöhler reichen sich nach dem Erfolg für das Aktionsbündnis gegen die Mastanlage die Hände: Mit 19 Stimmen wurde das Quorum geschafft, mit einem Ergebnis von 73,3 Prozent ist das Vorhaben auf dem Kapflhof deutlich abgelehnt. Bilder: Hösamer (2)
Politik
Schwandorf
18.09.2016
1214
0

Die Spannung in der Spitalkirche war am Sonntagabend kaum auszuhalten. Ein Briefwahlergebnis fehlte noch, dann konnten die Initiatoren des Bürgerentscheids gegen die Hähnchenmastanlage auf dem Kapflhof jubeln: Das Quorum war hauchdünn geschafft.

Das Ergebnis des Bürgerentscheids war schnell klar: Schon die ersten Schnellmeldungen kurz nach 18 Uhr aus den Wahllokalen zeigten eine klare Mehrheit für das "Ja", also gegen die Mastanlage. Beinahe ständig pendelten die Werte um die 75-Prozent-Marke.

"Ins Bewusstsein gerückt"


Allerdings: Das Quorum von 4611 Stimmen, das dem Entscheid erst zum Erfolg verhelfen konnte, wurde erst ganz zum Schluss erreicht. 4630 Schwandorfer stimmten schließlich mit "Ja" (Artikel oben). "Das war ein Wimpernschlagfinale", sagte ÖDP-Stadtrat Alfred Damm, der zu den Initiatoren des Entscheids gehörte. Mit ihm jubelten rund 15 Gegner der Anlage, unter ihnen auch Vertreter des Tierschutzvereins Städtedreieck, der das Aktionsbündnis ebenso unterstützte wie der Bund Naturschutz und die Grünen. "Ich danke allen, die sich an der Entscheidung beteiligt haben", sagte Damm. Er habe kaum noch mit dem Erfolg gerechnet. "Selbst wenn wir verloren hätten: Ich finde es positiv, dass das Thema Massentierhaltung intensiv diskutiert wurde und ins Bewusstsein gerückt ist." Es sei Zeit für ein Umdenken, dazu habe der Bürgerentscheid einen Beitrag leisten können.

"Klare Anweisung"


Ins gleiche Horn stieß in der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz, Klaus Pöhler. "Denkbar knapp", wertete er das Ergebnis. Auch wenn die Wahlbeteiligung relativ gering ausgefallen sei, zeige die Abstimmung, dass sich die Bürger für ihre lokalen Belange interessieren. Das Thema habe einen Nerv getroffen, 73 Prozent gegen eine Mastanlage belege die Stimmung in der Stadt. Das Ergebnis sei ein Fingerzeig an Stadtrat und Verwaltung. Auch Stadtrat Paul Groß (Grüne) freute sich über den Erfolg. Als "klare Handlungsanweisung nach einem demokratischen Prozess" wertete Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) das Ergebnis, "es gibt hier weder Sieger noch Verlierer". Die Wahlbeteiligung sei "schmal", allerdings sei es "den Initiatoren gelungen, ihre Unterstützer an die Urne zu holen". Seiner persönlichen Meinung nach lasse sich das Ergebnis schwer damit in Einklang bringen, dass im Markt Fastfood und billige Nahrungsmittel boomen. "Das Thema Tierwohl hört ja bei den Hähnchen nicht auf, bei Schweinen und Puten sind wir genauso weit", sagte Feller. Erleichtert über den Ausgang zeigte sich Marion Juniec-Möller (Grüne). "Die Schwandorfer lassen sich nicht einlullen", sagte die Stadträtin aus dem Urlaub auf NT-Nachfrage. Sie gehörte zu den 2189 Schwandorfern, die ihre Stimme per Briefwahl abgaben. Die Briefwähler brachten mit 1573 "Ja"-Voten erst die notwendigen Stimmen für das Quorum. 4611 Stimmen waren nötig, 4630 waren es nach vorläufigem Ergebnis.

- Lesen Sie auch den Kommentar von Clemens Hösamer -
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.