Erinnerungen an die Schwandorf-Besuche des großen Sozialdemokraten Herbert Wehner
Mit "Onkel Herbert" auf Pilzsuche

Franz Sichler sen. (rechts) und sein Freund Herbert Wehner, der wiederholt nach Schwandorf kam, um mit ihm Gespräche zu führen. Sichler starb vor drei Jahrzehnten, der Todestag Wehners jährte sich am 19. Januar zum 25. Mal. Bild: hfz/Hottner
Politik
Schwandorf
20.01.2015
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Sein Sterbetag jährte sich am Montag dieser Woche zum 25. Mal. In der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands erinnerte man sich ihn und gedachte dabei eines Politikers, der auch in Schwandorf bis heute unvergessen ist: Herbert Wehner.

Was hatte Herbert Wehner mit Schwandorf zu tun? Der Mann, der oft bissig wurde und Parlamentarier im Bundestag gelegentlich mit heftigen Worten abzufertigen pflegte, kam relativ häufig in die Stadt an der Naab. Dies geschah meist so, dass es niemand mitbekam. Denn da gab es einen Freund, der Franz Sichler sen. hieß und über viele Jahre hinweg Landtagsabgeordneter der SPD war.

Oft zu Gast

Die beiden Männer kannten sich, wobei Herbert Wehner oft Rat suchte und deswegen, wenn er in Bayern unterwegs war, Besuche bei Sichler machte. Herbert Wehner mochte keinen Medienrummel, er verfuhr mit Journalisten mitunter recht harsch. So erfuhren denn Presseleute immer erst viel später, dass der ehemalige Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen und spätere langjährige Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion in Schwandorf war.

Einmal allerdings durften NT-Redakteure in das Haus zwischen Kruckenthal und Kronstetten kommen, wo Franz Sichler sen. damals wohnte. Wehner hatte Greta Burmester, seine Stieftochter, mitgebracht. Später, im Jahr 1983, heiratete er sie. Der Mann, dessen Pfeife scheinbar nie ausging, war wenig geneigt zu einem Interview. Doch das wollten die Journalisten auch gar nicht führen. Denn einer von ihnen hatte zuvor schon in der Nachbarstadt Amberg erfahren, dass "Onkel Herbert", wie ihn seine jüngeren Parteigenossen nannten, gerne hämisch und abfertigend wurde, wenn ihm Fragen dämlich vorkamen.

Was in Schwandorf daraus wurde, ist bis heute ein Unikat geblieben: Die Leute vom Medienhaus "Der neue Tag" begleiteten Herbert Wehner hinaus in den Wald am Weinberg zu einer Schwammerlpirsch. Das sich dabei bietende Bild ist nie aus dem Gedächtnis verschwunden: Wehner, zunächst in sportlicher Jacke, trug Gummistiefel und einen Klepper-Mantel, auch sein Freund Franz Sichler hatte sich entsprechend ausgerüstet. Etliche Speisepilze wanderten in die Spankörbe. Sie wurden danach zubereitet. Das allerdings geschah dann schon wieder hinter verschlossenen Türen.

In der Naabhalle

Der am 11. Juli 1906 in Dresden geborene Herbert Wehner war auch einmal ganz offiziell in Schwandorf zu Besuch. Franz Sichler sen., dessen Sohn Franz Sichler jun. die Berufsschule leitete und mit vielen Auszeichnungen bedacht als der "große alte Mann der Schwandorfer SPD" gilt, hatte es geschafft, seinen Freund zu einem Wahlkampfauftritt zu bewegen. Er fand in der vor vielen Jahren bereits abgerissenen Naabhalle an der Ettmannsdorfer Straße statt. Dabei signierte Wehner Parteibücher, die noch immer in Ehren gehalten werden. Die Freundschaft Sichlers zu Wehner war auch wertvoll, als Ende 1978 die Schließung der "VAW" drohte und die Schwandorfer SPD Unterstützung in Bonn suchte. Wehner schrieb an den Bundesfinanzminister - und konnte den Schwandorfer Genossen bald mitteilen, dass eine Lösung ins Sicht ist.

Herbert Wehner starb am 19. Januar 1990 in Bonn. Seine Frau Greta ging später nach Dresden, die Geburtsstadt ihres Mannes. Sie wurde im Vorjahr 90 Jahre alt. Franz Sichler sen. war bereits im November 1985 gestorben. Nach dem Tod des großen SPD-Politikers kondolierte Franz Sichler jun. und schrieb, in Schwandorf sei man stolz auf die Besuche Wehners gewesen.
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