Gedenken an Opfer des Brandanschlags von 1988
Zeichen gegen Extremismus

Oberbürgermeister Andreas Feller, der türkische Generalkonsul Yavuz Kül und Religions-Attaché Mumin Sener (von links) appellierten, gemeinsam gegen Extremismus einzutreten.
Politik
Schwandorf
19.12.2015
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Die Theatergruppe "Spieltriebe" des Beruflichen Schulzentrums zeigte in der Spitalkirche ihre Performance "Tatort Schwandorf", die sich mit dem Anschlag beschäftigt.

Gedenken allein wäre zu wenig am 17. Dezember, dem Jahrestag des Brandanschlags eines Rechtsradikalen, bei dem vier Menschen ihr Leben verloren. Es geht darum, Zeichen zu setzen gegen Fremdenfeindlichkeit, wie am Donnerstag in der Spitalkirche und am Schlesierplatz geschehen.

Schwandorf. (ch) Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte, die Morde des NSU, Hass-Parolen auf "Pegida"-Demonstrationen: Fremdenfeindlichkeit und Rassismus fressen sich in die Gesellschaft. Dagegen anzukämpfen, dazu forderten die Redner bei der Gedenkstunde in der Spitalkirche und am ehemaligen Habermeier-Haus auf. Es gelte, jeglichem Angriff auf die Menschenwürde entschieden entgegen zu treten, sagte Oberbürgermeister Andreas Feller. Sein persönlicher Dank galt Leila Kellecioglu, die wie die Familie Hübener trotz aller Trauer in geblieben ist.

Mitmenschen schützen


In Schwandorf werde jedermann geachtet, sagte OB Feller, unabhängig von seiner Herkunft oder Religion, ob Gast oder Verfolgter. Er fügte hinzu: "Lassen Sie uns ein deutliches Zeichen gegen Gewalt, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit setzen. Zeigen wir Zivilcourage und schützen wir unsere Mitmenschen vor Anfeindung und Bedrohung, sei es zu Hause, in der Schule, in der Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz".

"Wir dürfen nicht übersehen, wie schnell Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit entstehen können", sagte Feller. "Je weniger wir voneinander wissen, desto fremder erscheint der andere. Wir können Trennendes nur überbrücken und Verständnis füreinander aufbauen, wenn wir aufeinander zugehen und etwas übereinander erfahren wollen", erklärte Feller. Nur so funktioniere Integration.

Familienangehörige, Vertreter der Stadtratsfraktionen, stellvertretener Landrat Jakob Scharf, Alt-OB Helmut Hey, Vertreter der christlichen Konfessionen und der türkisch-islamischen Gemeinde nahmen an der Gedenkfeier teil, die an die Opfer Osman, Fatma und Mehmet Can sowie Jürgen Hübener erinnerte, die am 17. Dezember 1988 bei dem Anschlag ihr Leben verloren hatten.

Zur Heimat geworden


Der türkische Religions-Attaché Mumin Sener sah in der Gedenkfeier auch ein Zeichen der Hoffnung, das Friede und Brüderlichkeit stifte. "Vor 60 Jahren war Deutschland für uns ein Arbeitsplatz, aber schon längst ist es für uns eine Heimat", sagte Sener. Dekan Hans Amann und Pfarrer Arne Langbein beteten gemeinsam mit Imam Ibrahim Deniz zum Abschluss in der Spitalkirche ein Friedensgebet.

"Das ist das wahre Gesicht von Schwandorf, nicht der Anschlag", sagte der türkische Generalkonsul Yavuz Kül vor den rund 100 Menschen, die anschließend vor das ehemalige Habermeier-Haus gekommen waren. Günter Kohl und Frank Möller vom Schwandorfer Bündnis gegen Rechtsextremismus riefen dazu auf, aktiv zu bleiben. Zumal der Anschlag auf das Habermeier-Haus nur einer in einer ganzen Reihe rechtsextremistischer Mordanschlägen sei - begonnen beim Oktoberfest-Attentat in München 1980 bis hin zur Mordserie des NSU, der zehn Menschen zum Opfer fielen.

"Das verlangt Mut"


Landtagsabgeordneter Franz Schindler sieht die Gefahr, dass sich Rassismus den Weg "in die Mitte der Gesellschaft" bahne. Dagegen gelte es aufzustehen. "Das verlangt Mut", sagte Schindler. Stadtrat Ferdi Eraslan appellierte an die Schwandorfer, "für eine Gesellschaft einzustehen, die schon lange multikulturell ist". Viele der Anwesenden hatten Blumen mitgebracht und schmückten damit die Gedenktafel, die an die Opfer erinnert.
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