Gedenkstein am Schlesierplatz wird aufgestellt
Geduldig wie Granit

Der Gedenkstein, den das "Bündnis gegen Rechts" 1998 fertigen ließ, liegt momentan beim Steinmetzbetrieb Pröll. Nun soll er am Schlesierplatz aufgestellt werden Bld: Hösamer
Politik
Schwandorf
22.09.2016
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So emotional die Debatten in den zurückliegenden Jahren waren, so weitgehend sachlich ging die Entscheidung am Mittwoch im Hauptausschuss des Stadtrates über die Bühne: Ein Gedenkstein für die Opfer des Brandanschlags auf das ehemalige Habermeier-Haus wird aufgestellt. Den Stein gab's schon lange.

Antrag von 1998


Irene Maria Sturm, damals Stadträtin, hatte 1998 zum Jahrestag des Anschlags die Aufstellung des Steins namens des Bündnisses beantragt. Mit 6:5 Stimmen wurde ihr Ansinnen im Hauptausschuss abgelehnt, ein Jahr später im Stadtrat waren es 16 zu 13 Stimmen. Der dritte Versuch, den Stein an seinen Platz zu bringen, scheiterte im Februar 2001, mit 8:3 im Hauptausschuss. 2007 wurde auf Antrag der SPD zumindest eine Gedenktafel am ehemaligen Habermeier-Haus angebracht. Seit 2009 findet eine kommunale Gedenkstunde statt, auf die sich der Stadtrat einstimmig einigte.

Würdiger Ort


Irene Maria Sturm ist nun niemand, der leicht aufgibt. Im Frühjahr 2016 sprach sie Oberbürgermeister Andreas Feller darauf an, dass der Stein noch da sei und zum 30. Jahrestag im Jahr 2018 aufgestellt werden könnte. Der OB schlug eben dies dem Hauptausschuss am Mittwoch vor. Der Stein könne ein würdiger Ort des Gedenkens an die Opfer sein. Er stieß weitgehend auf offene Ohren.

"Die Gedenktafel war ein Kompromiss", erinnerte sich Dieter Jäger (FW) und sprach sich dafür aus, dass die Stadt "endlich Gesicht zeigt". Alfred Damm (ÖDP) schloss sich dem an. Bürgermeisterin Ulrike Roidl (SPD) erinnerte daran, dass 2001 "leider auch Mitglieder der SPD-Faktion" gegen den Stein gestimmt hätten. Nun habe die Stadt mit der Gedenkstunde aber eine Form gefunden, an die Opfer zu erinnern. "Der Stadtrat hat sich lange schwer getan", sagte Roidl, "es freut mich, dass Frau Sturm nicht nachgegeben hat."

Heinz Engelhardt (CSU) unterstützte den Antrag des OB ebenfalls, brachte die Erinnerung an die Schwandorfer Taxifahrerin aufs Tablett, die 1995 bei Bruck bei getötet wurde. Diese Debatte wollte Feller gleich gar nicht aufmachen. Dafür öffnete Kurt Mieschala (UW) die Büchse mit Argumenten, die vom Tisch schienen: Ob der Stein nicht doch zum "Wallfahrtsort" für Neonazis werden könne. Außerdem sei der Standort nicht optimal. Er plädierte für eine neue, größere Tafel am Haus. "Mit dieser unseligen Diskussion sollten wir aufhören", sagte Ulrike Roidl, und Dr. Wolfgang Schuster (CSU) pflichtete ihr bei. "Damit hat man uns jahrelang Angst gemacht", sagte Schuster, "es wird endlich Zeit für einen Gedenkstein". Darauf einigte sich der Ausschuss dann auch, mit acht Stimmen gegen die eine von Kurt Mieschala. Das Fundament für den Stein auf der kleinen Grünfläche am Schlesierplatz ist vom Bauhof bereits eingebracht worden. Mit dem Aufstellen will die Stadt nicht bis 2018 warten, es soll möglichst bald über die Bühne gehen.

Gedanken zum Gedenken - Angemerkt von Clemens HösamerDer Stadtrat hat sich lange Jahre schwer damit getan, eine angemessene Form des Gedenkens an die Opfer des Brandanschlags am 17. Dezember 1988 auf das ehemalige Habermeier-Haus zu finden. Bis 2007 auf SPD-Antrag die kleine Tafel am Haus angebracht wurde, erinnerte äußerlich nichts an die vier Menschen, die durch die Tat eines Neonazis ums Leben kamen.

Warum?1998 wollte Irene Maria Sturm einen Gedenkstein aufgestellt sehen. Die streitbare, damals parteilose Stadträtin kämpfte namens des „Bündnis gegen Rechts“ dafür, lief aber beim damaligen CSU-Fraktionschef Uwe Kass und OB Hans Kraus gegen eine Wand. Argument: Das Mahnmal könne zum Wallfahrtsort für Neonazis werden. Dass Stadtrat Kurt Mieschala (UW) am Mittwoch dieses verquere Argument wiederholte, macht es nicht richtiger.

2001 stimmten auch Teile der SPD gegen einen Gedenkstein, zu viel Parteipolitik schien im Spiel. So wie 1998, als Irene Maria Sturm durchaus als „Lieblings-Gegnerin“ von OB Kraus und der CSU gelten durfte. Der Stein stünde möglicherweise schon längst, wäre der Antrag aus einer anderen Richtung gekommen.

Diese Ressentiments scheinen begraben. Auf dem „kurzen Dienstweg“ hat Sturm bei OB Andreas Feller wegen des Steins nachgefragt, der Hauptausschuss der Aufstellung zugestimmt. Die eher beschämende Historie kann getrost zu den Akten gelegt werden, Das ist auch gut so.
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