Gewerkschaftsjugend trifft sich mit WAA-Zeitzeugen
Drei Buchstaben als Konfliktstoff

Die DGB-Jugendlichen Marina Schwarzfischer (rechts) und Tobias Gruber (links) sprachen mit Altlandrat Hans Schuierer (Mitte) über die Ereignisse am WAA-Bauzaun vor 30 Jahren. Bilder: Hirsch (2)
Politik
Schwandorf
24.11.2016
193
0

Der Streit um die WAA zog sich quer durch die Familien, Parteien und Gewerkschaften. 1986 war der Höhepunkt der Auseinandersetzungen am Bauzaun erreicht. 30 Jahre später spricht die Gewerkschaftsjugend mit Zeitzeugen von damals und erinnert an den vielfältigen Protest.

"Die WAA ist nicht gefährlicher als eine Fahrradspeichenfabrik": Dieses Zitat von Franz- Josef Strauß nahm die DGB-Jugend des Landkreises am Dienstagabend zum Anlass für ein "Kamingespräch" in der Spitalkirche. Auf dem Podium saßen Altlandrat Hans Schuierer und der Polizeibeamte Paul Groß. Sie beantworteten Fragen der DGB-Jugendvertreter Katrin Feigl, Marina Schwarzfischer und Tobias Gruber, die sich inhaltlich mit dem bürgerlichen Protest gegen die atomare Anlage auseinandersetzen und schließlich die Gründe dafür herausfinden wollten, "warum er Erfolg hatte".

Erinnerung an unruhige Zeit


Hans Schuierer galt bundesweit als Symbol des Widerstandes. Der Altlandrat war anfangs durchaus "aufgeschlossen für die neue Technologie", die nach dem "Aus" von Kohle und Stahl neue Arbeitsplätze in die Region bringen sollte. Doch bald durchschaute er "das falsche Spiel" der bayerischen Staatsregierung. In bundesweiten Auftritten warnte der heute 85-jährige SPD-Politiker vor den Gefahren der Atomfabrik und stellte sich auch im Amt "quer". Weil sich der damalige Landrat weigerte, trotz einer Weisung der Staatsregierung bau- und wasserrechtliche Bescheide zur Genehmigung der atomaren Wiederaufarbeitungsanlage zu unterzeichnen, änderte der Bayerische Landtag mit der CSU-Mehrheit das Verwaltungsverfahrensgesetz und verankerte das Selbsteintrittsrecht der Aufsichtsbehörde. Gleichzeitig wurde gegen Hans Schuierer ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Die Folge: Der Widerstand in der Bevölkerung wuchs.

Paul Groß, heute Beamter der Polizeiinspektion Schwandorf, war damals junger BGS-Soldat in Nabburg und in einem Fernmeldezug dem Führungsstab zugeordnet. Privat war er Mitglied der Bürgerinitiative gegen die WAA, beruflich aber an die Befehle seines Vorgesetzten gebunden. Diese Ambivalenz erlebte Paul Groß auch in seiner Familie und im Freundeskreis. Mutter kirchen-, Vater technikgläubig und WAA-Befürworter, die Freunde WAA-Gegner. Diesen Konflikt trugen auch die Gewerkschaften aus . Die IG Bau erhoffte sich zusätzliche Arbeitsplätze und war für die WAA, die ÖTV und die Postgewerkschaften fürchteten dagegen um die demokratischen Grundrechte.

Die Veranstaltung begann mit dem Film "Wackersdorf - ein Mythos?" Die Szenen erinnern an die "Gefechte" zwischen WAA-Gegnern und Polizeieinheiten, Reizgas-Einsätze, Massenverhaftungen, Großdemonstrationen und Tausende von Gerichtsverfahren.

Meine Eltern waren WAA-Befürworter, ich Gegner und Bundesgrenzschützer.Polizeibeamter Paul Groß
Weitere Beiträge zu den Themen: Zeitzeugen (14)Hans Schuierer (12)WAA (19)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.