„Harmonisch in schweren Wahlkampf ziehen“

MdB Karl Holmeier (CSU) wird heute 60 Jahre alt. Bild: Götz
Politik
Schwandorf
10.09.2016
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Der Bundestagsabgeordnete Karl Holmeier feiert heute seinen 60. Geburtstag. Aus diesem Anlass führte die NT-Redaktion ein Interview mit ihm. Der Vertreter des Wahlkreises Schwandorf-Cham in Berlin beantwortete die Fragen, die Ressortleiter Wilhelm Amann stellte.

Ein Jahr vor der Bundestagswahl - und die Union wird gerade erstmals rechts überholt: Machen Sie sich Sorgen um die Zusammensetzung der nächsten Bundesregierung?

Holmeier: "Die CSU leistet sehr gute Arbeit und ist der stabile Faktor in der großen Koalition. Von der CSU sind viele wichtige Maßnahmen zur Bewältigung der Flüchtlingssituation auf den Weg gebracht worden: die Asylpakete I und II sowie das Integrationsgesetz. Die Bundestagswahl 2017 wird sicherlich schwierig. Wir müssen die Themen und Probleme besser ansprechen, das bereits auf den Weg gebrachte besser hervorheben und alles tun, das Vertrauen der Menschen wieder zurückzugewinnen. Die Regierungsbildung wird nicht einfach, aber ich bin zuversichtlich, dass wir wieder ein gutes Ergebnis schaffen werden. Wir müssen alles dafür tun, eine Rot-Rot-Grüne Bundesregierung zu verhindern. Das hat unser Land nicht verdient!"

Seit Sie im Bundestag sind, gehört die CSU der Regierungskoalition an: Fürchten Sie, einmal in die Opposition zu geraten?

"Es ist ein ganz besonderes Glück, dass ich seit meinem Einzug in den Bundestag im Jahr 2009 der Regierungskoalition angehöre. Das bietet viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten als in der Opposition. Wir als Union haben in dieser Zeit eine sehr erfolgreiche Arbeit geleistet. Deutschland steht hervorragend da. Wir sind die schwarze Lokomotive in Europa. Mit der Union in der Opposition wäre das sicherlich anders gewesen. Ich bin zuversichtlich, dass wir unsere Erfolge im kommenden Jahr besser verkaufen können. Das gilt vor allem für die Erfolge und Weichenstellungen, die die Handschrift der CSU tragen, besonders im Flüchtlingsbereich. Letztendlich entscheiden die Wähler. Schicken sie uns in die Opposition, dann müssen wir das akzeptieren."

Was kann die CSU dafür tun, dass die Union im Bund die stärkste politische Kraft bleibt?

"Die Union bleibt nur dann stärkste politische Kraft im Bund, wenn sie den Menschen Antworten auf die Fragen gibt, die diese bewegen. Aktuell hat die CDU es sehr schwer, den richtigen Kurs im Umgang mit den Flüchtlingen zu finden. Die Frage ist, ob die Mehrheit der Deutschen von den Worten der Bundeskanzlerin 'Wir schaffen das!' überzeugt ist. Fakt ist: Wir müssen die Massenzuwanderung stoppen und zu Unrecht in unserem Land befindliche Personen schnell und vor allem für die Bürger spürbar rückführen. Hilfe für Hilfebedürftige, Ja! Ausruhen in Deutschland auf Kosten der Steuerzahler, Nein! Die Union hat schon sehr viel erreicht. Wir müssen nun wieder das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen!"

Soll die CSU 2017 den Kanzlerkandidaten der Union oder gar einen eigenen Bewerber stellen?

"Zunächst gilt es, gemeinsam die aktuellen Herausforderungen zu meistern. Personaldebatten sind da nicht zuträglich. Ich bin mir sehr sicher, dass sich CDU und CSU mit einer ausgezeichneten Kanzlerkandidatin bzw. einem ausgezeichneten Kanzlerkandidaten und einem guten Wahlprogramm zur Sicherung der Zukunft Deutschlands 2017 zur Wahl stellen werden."

In Kürze nominiert die CSU ihren Wahlkreiskandidaten. Sie haben frühzeitig erklärt, wieder anzutreten. Rechnen Sie noch mit einem Gegenkandidaten?

"Die CSU im Wahlkreis 234 Schwandorf-Cham kann auf sehr erfolgreiche Jahre zurückblicken. Unsere Abgeordneten, Landräte, Kreisräte und Bürgermeister sowie die vielen Damen und Herren in den Räten leisten eine sehr gute Arbeit. Alle tragen ihren Anteil am wachsenden Erfolg unserer Region. Ich gehe davon aus, dass die CSU geeint und harmonisch in den schweren Wahlkampf 2017 ziehen wird. Gerne möchte ich weiter mithelfen, diesen erfolgreichen Weg unserer Region Schwandorf-Cham fortzuführen."

Der Landkreis Schwandorf hat in der Bundeswahlkreiskonferenz ja eine leichte Mehrheit. Gehen Sie trotzdem davon aus, auch die Schwandorfer Stimmen zu bekommen?

"Meine Arbeit im Deutschen Bundestag gilt den Menschen in den Landkreisen Schwandorf und Cham. Ich mache da keine Unterschiede und habe für beide Kreise schon sehr viel erreichen können. Bei meiner Arbeit erfahre ich sowohl aus Cham als auch aus Schwandorf sehr großen Zuspruch. Die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen ist auf allen Ebenen hervorragend."

Welche Erfolge in Ihrer bisherigen Abgeordnetenzeit machen Ihnen Mut, die Arbeit für den Wahlkreis Schwandorf-Cham fortzusetzen?

"Es macht mir Mut, zu sehen, wie meine gesamte Arbeit für die Menschen in Schwandorf und Cham positiv vor Ort aufgenommen wird. Dabei ist jedoch zu unterstreichen, dass wir als CSU in der Region gemeinsam an diesen Erfolgen gearbeitet haben - jeder auf seiner Ebene. Ganz besondere Aufmerksamkeit hat sicherlich der Ausbau der Infrastruktur. Mit der nun kommenden Schienenverbindung 'Metropolenbahn' von München/Nürnberg über Schwandorf, Cham, Furth im Wald und Pilsen nach Prag konnten sogar europäische Infrastrukturimpulse gesetzt werden. Der Ausbau der Bundesstraßen B 20 und B 85 und die flächendeckende Versorgung mit Breitbandanschlüssen sind wichtige Aspekte für die wirtschaftliche und demografische Fortentwicklung unserer ländlichen Region."

Was betrachten Sie als Ihren bisher größten Erfolg in Berlin?

"Größte Erfolge für unsere Region Schwandorf/Cham sind die Strukturentscheidungen, die eine langfristige wirtschaftliche Strahlkraft für unsere Heimat haben. Das ist für meine Person zum einen der Erhalt aller Bundeswehrstandorte in Cham, Pfreimd, Oberviechtach und Roding mit dem Erhalt und der Sanierung der Soldatenfreizeitheime in Oberviechtach und Roding. Eine zweite sehr wichtige Entscheidung ist der Bundesverkehrswegeplan 2030. Hier konnten die angemeldeten Bundesstraßen-Projekte sehr gut platziert werden. Zudem wurde ein weiterer wichtiger Grundstein für die Realisierung der Metropolenbahn gelegt."

Welche fünf Schwerpunkte möchten Sie sich persönlich für die nächste Wahlperiode setzen?

"Erster und wichtigster Schwerpunkt ist, dass ich weiterhin nah bei den Menschen in meinem Wahlkreis bin, Ihnen zuhöre, Probleme löse und für Anregungen offen bin. An zweiter Stelle steht der fortschreitende Ausbau der Infrastruktur in der Region. Schienenwege, Bundesstraßen und Breitband, hier gibt es noch einiges Begonnene zu vollenden. Platz drei nimmt der Erhalt der Strukturförderung für unsere Region ab dem Jahr 2020 ein. Als vierten Schwerpunkt sehe ich die Fortführung der gemeinsamen, zielorientierten und vor allem vertrauensvollen Zusammenarbeit in der CSU - in Schwandorf und Cham. Schließlich möchte ich den Menschen in meinem Wahlkreis Lösungen für die Probleme anbieten, die sie bewegen: zum Beispiel beim Lärmschutz an Straßen und Schienen."

Was braucht die Region um Schwandorf und Cham in den nächsten fünf Jahren?

"Die Region Schwandorf und Cham benötigt engagierte Menschen in Vereinen, Verbänden und den politischen Gremien. Ehrenamtlich Tätige in Feuerwehren und Rettungsdiensten. Bürgerschaftliches Engagement gegen jede Form von Extremismus. Männer und Frauen, die anpacken, innovative Ideen haben und Unternehmermut beweisen. Und das Gute ist: Das alles haben wir schon, brauchen es aber auch natürlich in der Zukunft."

Zur PersonKarl Holmeier wurde am 10. September 1956 in Weiding (Landkreis Cham) geboren und gehört seit dem 27. September 2009 als CSU-Politiker dem Deutschen Bundestag an. Von 1990 bis 2014 war er Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Weiding. Von Mai bis Oktober 2008 war er Abgeordneter im Bayerischen Landtag. Holmeier ist ausgebildeter Bankkaufmann. Er ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern. Seine politische Laufbahn begann 1974 mit dem Beitritt zur Jungen Union, 1979 trat er in die CSU ein. Ein erstes politisches Mandat übernahm er nach der Kommunalwahl 1984 im Kreistag des Landkreises Cham. Karl Holmeier erreichte bei der Bundestagswahl am 27. September 2009 mit 51,34 Prozent der Erststimmen das Direktmandat im Wahlkreis Schwandorf-Cham. Bei der Wahl am 22. September 2013 wurde er mit 57,7 Prozent der Erststimmen erneut in den Bundestag gewählt, wo er Mitglied im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur ist. Außerdem ist er Mitglied in den Unterausschüssen Kommunales sowie Regionale Wirtschaftspolitik und ERP-Wirtschaftspläne. (am)


Aus halb wird ganzHeimat bedeutet für mich... "Verwurzelung und sicherer Halt für die täglichen Herausforderungen."

Die CSU braucht mehr... "vernünftige Zuhörer in der CDU."

Die AfD kann gut... "Ängste bei den Menschen schüren."

Kanzlerin Angela Merkel sollte bis zur nächsten Wahl... "mehr auf Horst Seehofer und die CSU hören."

An Horst Seehofer beeindruckt mich, dass... "er nicht müde wird, Missstände offen und direkt anzusprechen."

An der Spitze der nächsten Bundesregierung steht... "eine Bundeskanzlerin oder ein Bundeskanzler."

Schwandorf kann auf mich zählen, weil ich... "Wahlkreisabgeordneter für den Wahlkreis Schwandorf/Cham bin."

An meinem bevorstehenden Geburtstag freue ich mich besonders auf... "die vielen Freunde und gute Gespräche."

Für das kommende Lebensjahr habe ich mir vorgenommen, dass... "ich ein paar Kilos abnehme."

Hätte ich zum 60. Geburtstag einen Wunsch frei, so würde ich... "mir Gesundheit für meine Familie wünschen." (am)
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