Keilerei vor Großdiskothek erneut vor Gericht - Erinnerungslücken nach langem Zeitraum - ...
Ein Fußtritt mit fatalen Folgen

Politik
Schwandorf
06.05.2015
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Strafgerichte wollen, weil die Wahrheitsfindung wichtig ist, alles sehr genau wissen. Doch wie soll das gehen angesichts einer körperlichen Auseinandersetzung, die nahezu zwei Jahre zurück liegt? Es erwies sich als Ding der Unmöglichkeit.

Die Justiz hat das öfter: Da müssen Sachverhalte geklärt werden, die endlos lang davor geschahen. Die Beteiligten und ganz besonders Zeugen sollen sich dann an Einzelheiten und kleine Details erinnern. Doch das ist nach menschlichem Vorstellungsvermögen schlichtweg nicht machbar. Zumal dann, wenn - wie im vorliegenden Fall - sechs Männer in eine Schlägerei verwickelt waren und die große Frage lautete: Wer ging in welcher Form gegen wen vor? Einen ersten Versuch, die am 3. August 2013 vor einer Wackersdorfer Großdiskothek stattgefundene Keilerei zu klären, hatte die Schwandorfer Amtsrichterin Petra Froschauer bereits im Februar unternommen.

Auch mal ganz nackt

Auf der Anklagebank saß damals und auch jetzt wieder ein 33-Jähriger, von dem man annahm, er sei in die Schlägerei verwickelt gewesen. Seinerzeit kamen die unmittelbar Beteiligten und sagten als Zeugen aus. Doch so recht ließ sich dabei kein klares Bild zusammenstellen. Zumal der Beschuldigte wissen ließ, er könne sich auch nicht mehr so genau erinnern, wie alles vonstatten ging. Als gesichert konnte gelten: Zwei jeweils dreiköpfige Männergruppen waren vor dem Lokal aufeinander los gegangen. Einer bekam einen Schlag, fiel zu Boden. Dann wurde ihm ein Tritt verpasst, der fatale Folgen haben sollte: Das Opfer war kurz zuvor an einem Leistenbruch operiert worden. Die vernähte Wunde platzte auf, sie blutete stark - Eile war geboten.

Zum zweiten Verhandlungstermin waren nun drei am fraglichen Abend in der Discothek beschäftigte Sicherheitsleute geladen. Sie reisten eigens aus Franken an, doch nur einer von ihnen konnte sich an die Schlägerei erinnern. Die beiden anderen winkten ab. "Solche Vorfälle haben wir bei unseren Security-Einsätzen eigentlich regelmäßig", hörte die Richterin. Sie bohrte nach: "Aber zwei standen damals mit nackten Oberkörpern da". Die Antwort verblüffte: "Wir haben es nicht selten auch mit ganz nackten Menschen bei unserer Arbeit zu tun."

Es blieb nebulös

Was mithin bei der eineinhalbstündigen Befragung der Türsteher herauskam, war dürftig und ließ sich so beschreiben: Es gab wohl Schläge. Doch wer sie nun wem verabreichte, blieb nebulös.

Für den Staatsanwalt folglich ein Grund, Freispruch für den Angeklagten zu fordern. "Ihm ist weder ein Schlag noch ein Fußtritt nachzuweisen", hörte die Richterin und schloss sich in ihrer Entscheidung dem Anklagevertreter an. Gegen die weiteren Beteiligten an dem Faustgefecht waren die Ermittlungen bereits im Vorfeld eingestellt worden.
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