Piusheim wird beim "Café International" zum Treffpunkt für Menschen, die Zuwanderern zuhören ...
Flucht aus einem Dasein in Armut und Krieg

Gemeindereferent Ulrich Frey (Arzberg; von links), Khalaf Sado Hussein aus dem Irak, Artur Simonian von der Krim, Moderator Andreas Beer und Willi Herdt aus Kasachstan stießen eine Diskussion im Piusheim an. Bild: tie
Politik
Schwandorf
08.10.2014
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Berichte in den Medien sind das eine, das persönliche Gespräch etwas anderes: Die Caritas und die Tafel boten deshalb ein "Café International", eine Veranstaltung, die abseits der wirtschaftlichen Globalisierung eine Solidarität vor Ort anstrebt, zwischen Einheimischen und Migranten. Gero Utz von der Caritas hatte das Konzept entwickelt und das Treffen im Piusheim organisiert.

Am Sonntag saßen an den Tischen im Piusheim etliche Schwandorfer, die mehr wissen wollten über die Menschen, die nach Europa flüchten. Und zwar nicht allgemeine Darstellungen, sondern von Betroffenen deren individuelle Schicksale. Ursula Glatzl, stellvertretende Vorsitzende des Caritasverbands, gab zu bedenken: "Weit weg ist näher, als du denkst". Nicht nur die Wirtschaft wachse weltweit zusammen, auch die Probleme der Welt gingen alle Erdbewohner etwas an. So war die Einladung zu Kaffee und Kuchen die Chance zum gegenseitigen Kennenlernen, um den Kontrast zu begreifen zwischen einem Leben in "normalen Verhältnissen" und einem Dasein in Armut und Krieg.

Der Gemeindereferent von Arzberg, Ulrich Frey, der Jeside Khalaf Sado Hussein aus dem Irak, Willi Herdt aus Kasachstan und Artur Simonian von der Krim (Ukraine) schilderten ihre Erlebnisse. Andreas Beer moderierte die Gesprächsrunde. Zunächst erzählte Khalaf Sado Hussein von den sehr schwierigen Lebensverhältnissen im Irak und den Bedrohungen, die er wegen seines Glaubens erfahren hat. Willi Herdt aus Kasachstan berichtete von den katastrophalen Lebensumständen, die ihn dazu brachten, in die Heimat seiner Vorfahren zu übersiedeln.

Der Ukrainer Artur Simonian gehörte zu den Demonstranten auf dem Maidan. Er floh mit seiner Familie nach Deutschland, weil seine Heimat, die Krim, von Russland okkupiert worden war und alle, die als "pro-westlich" galten, verfolgt wurden. Ulrich Frey wies darauf hin, dass "wir alle uns damit auseinandersetzen müssen, solche Schicksale als Aufruf zu verstehen".

Es seien Ideen gefragt, die demokratische und ökonomische Fortschritte in den geschilderten Ländern ermöglichten. Von der Regierung seien mehr Maßnahmen zur Verbesserung der Lebenssituation von Flüchtlingen hier und Unterdrückten dort einzufordern. Hier in Deutschland sei eine Willkommenskultur gefragt. Probleme, die nur aus den Medien bekannt sind, bekommen eine wesentlich größere Durchschlagskraft, wenn sie in der eigenen Umgebung angekommen sind. Die Idee eines gemeinsamen Nachmittags soll weitergeführt werden, wenigstens einmal im Monat. Größeres gegenseitiges Verstehen ist das Ziel. Bürgermeisterin Martina Englhardt-Kopf bedankte sich bei den Initiatoren für das Engagement.
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