Sanierung der Wasserräder wird teuer
Kostenflut am Tivoli

Die Wasserräder am Hubmannwöhrl erinnern an die Tivoli- oder Stettnermühle. Sie stand hier bis 1978. Nach einem Schaden stehen die Räder. Die Sanierung könnte eine Kostenflut für die Stadt auslösen. Bild: Hösamer
Politik
Schwandorf
10.06.2016
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Das Wehr am Stadtpark staut das Wasser für die beiden Räder. Wer für den Unterhalt der Naab ab hier flussaufwärts zuständig ist, ist derzeit unklar. Stadt und SFWS dürften, wie die Erben der Schuierer-Mühle, infrage kommen. Das kann teuer werden. Bild: Hösamer

Als Wahrzeichen taugen die Wasserräder am Stadtpark derzeit kaum, seit einem Schaden stehen sie still. Der Preis für eine Reparatur ist das eine. Die Sanierung könnte aber eine wahre Kostenflut für die Stadt auslösen.

Tivoli- oder Stettner-Mühle hieß das Unternehmen, dass hier einst die Wasserkraft nutzte. 1978 wurde die Mühle abgerissen. Seitdem drehten die Räder eher symbolisch, produzierten aber Strom. Ob es für das dazu notwendige Wehr unterhalb der Brücke zum Stadtpark jemals eine Genehmigung gab, ist zumindest unklar. Vieles deutet darauf hin, dass es eher geduldet als genehmigt ist. Das ist der Einstieg in eine Gemengelage, die die Behörden derzeit entwirren wollen, sich aber bedeckt halten. Es geht um viel Geld.

Fest steht: Der Stadtrat wird sich am 20. Juni mit dem Thema beschäftigen. Das Landratsamt als untere Wasserrechts- und Genehmigungsbehörde weiß von dem Ansinnen der Kreisstadt, die Tivoli wieder zu nutzen. Und das Wasserwirtschaftsamt (WWA) als Fachbehörde hat sich auch schon mit dem Thema befasst, wie die jeweiligen Sprecher bestätigen. Ein förmlicher Antrag der Stadt liege aber noch nicht vor, also gibt's noch kein Verfahren.

Abfolge von Stauseen


Das dürfte, sollte es der Stadtrat anstoßen, kompliziert werden. Die Naab auf dem Stadtgebiet ist eine Abfolge von Stauseen. Die vom Verfahren betroffene Strecke beginnt mit der Anlage am Fronberger Eisenwerk, zieht sich über das Krondorfer Wehr unterhalb der Waldlust und reicht bis zu Schuierer- und dem Tivoli-Wehr. Grundsätzlich ist der Nutzer einer Wasserkraftanlage für den Unterhalt des Stausees "seines" Wehrs bis zur Stauwurzel zuständig. Nur: Wo ist die, wenn im Fall von Schuierer-Wehr und Tivoli zwei Mühlen einen See nutzen? Das zu berechnen, wird Aufgabe des WWA sein. Daraus ergibt sich das Damokles-Schwert,das über der Stadt respektive der Städtischen Wasser- und Fernwärmeversorgung (SWFS) schwebt. Es spricht nämlich einiges dafür, dass die Innere Naab am unteren Weg entlang mindestens bis zum Krondorfer Wehr - vielleicht sogar Teile des Hammergrabens - in die Unterhaltspflicht der Stadt und der Schuierer-Erben fallen könnte. Die Schuierer-Mühle wurde 2013 für 250 000 Euro zum Kauf angeboten. Getan hat sich seither nichts. Ob die Erben fähig und willens sind, sich am Unterhalt zu beteiligen, ist offen.

Im Millionen-Bereich


Dazu kommt: Ein Investor will am Krondorfer Wehr eine Wasserkraftanlage bauen. Deshalb ist festzulegen, wer wie viel Wasser bekommt. An den Stauhöhen der Wehre wird nicht zu rütteln sein. Sie sind Grundlage der Berechnungen für die Hochwasserlinien im Stadtgebiet. Eine Änderung könnte auch die Grundwasserverhältnisse beeinflussen.

Mit dem Unterhalt der Inneren- und der Storchennaab an den Rädern würden auf die Stadt erhebliche Kosten zukommen. Nach gesicherten Informationen unserer Zeitung ist von Ausgaben bis jenseits der Millionengrenze die Rede. Grund dafür dürfte sein, dass die Innere Naab über kurz oder lang von Schlick und Schlamm befreit werden muss. Baggern und Abtransport sind da schon schwierig genug. Dazu kommt, dass der Schlick möglicherweise belastet ist und deshalb teuer entsorgt werden müsste.

Auch für das notwendige Genehmigungsverfahren für die Tivoli-Räder werden ansehnliche Kosten anfallen: Gutachten sind nötig, etwa zu Auswirkungen auf die Fischwirtschaft oder die Natur allgemein. Der zuständige Abteilungsleiter am Wasserwirtschaftsamt Weiden Günther Michler bestätigte, dass es erste Gespräche unter den Beteiligten gegeben habe. Nun gelte es, die Wassermengen zuzuteilen und den Unterhalt zu regeln. Dazu hat es nach Informationen der Redaktion schon ein Gespräch auf höchster Ebene gegeben, mit Landrat Thomas Ebeling, OB Andreas Feller und hochrangigen Vertretern des WWA.

Kein "weiter so"


Der Stadtrat solle jetzt eine Grundsatzentscheidung fällen, sagte SWFS-Werkleiter Walter Zurek gegenüber der Redaktion. Mehr wolle er zu diesem Zeitpunkt zu der verzwickten Lage nicht sagen. Fest steht aber nach Informationen des NT, dass es ein "weiter so" nicht geben wird. Dem Vernehmen nach soll eine Genehmigung für die Tivoli-Räder nur möglich sein, wenn der Unterhalt für die Innere Naab geregelt ist. Die Frage ist nur, wer dafür wie tief in die Kasse greifen muss.
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