Schwandorf: 48 Flüchtlinge kommen ins ehemalige Gemeinschaftshaus in Dachelhofen
Appelle gegen die Skepsis

Das Thema polarisiert: Bei der Bürgerversammlung im voll besetzten Pfarrheim machte sich auch Unbehagen breit. Bild: rid
Politik
Schwandorf
01.07.2015
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Die Reaktionen reichten von betretenem Schweigen bis zu aufmunternden Beiträgen. In Dachelhofen werden demnächst bis zu 48 Flüchtlinge ins ehemalige Gemeinschaftshaus einziehen. Die Bürger hörten nun Details.

Am 15. Juli werden die ersten Asylbewerber in das ehemalige Gemeinschaftshaus Dachelhofen einziehen, kündigte Carmen Boßle bei einer Bürgerversammlung am Montag im Pfarrheim Dachelhofen an. Die Oberregierungsrätin bei der Regierung der Oberpfalz ermunterte die 100 Zuhörer, den Fremden vorurteilsfrei zu begegnen und ihnen Hilfestellung zu leisten. Ein Unbehagen aber blieb. Die Wackersdorfer Firma "Sunnyhome GmbH" hat das Gemeinschaftshaus angemietet und umgebaut. Im Parterre und im ersten Stock entstanden Zimmer zwischen 15 und 34 Quadratmetern, dazu sanitäre Anlagen, Sozialräume und ein Hausmeister-Büro. Im Keller befinden sich ein Aufenthaltsraum, die Haustechnik sowie ein Waschhaus mit Trockenraum. Die Unterkunft kann maximal 48 Flüchtlinge aufnehmen.

"Vertrauen Sie uns"

Die Regierung hat mit "Sunnyhome" mittlerweile einen Mietvertrag geschlossen und wird die Unterkunft Dachelhofen von Teublitz-Koppenlohe aus betreuen. Die Anzahl der Bewohner reiche nicht für einen eigenen Betreuer, betonte Ludwig Scheuerer. Der Sachbearbeiter bei der Regierung der Oberpfalz ist ständig auf der Suche nach Gemeinschaftsunterkünften und froh, im Stadtteil Dachelhofen ein geeignetes Objekt gefunden zu haben. Er weiß aber auch: "Wenn die Bevölkerung dagegen ist, wird es Probleme geben". Deshalb sein Appell an die Bewohner: "Vertrauen Sie uns und helfen Sie bei der Integration der Flüchtlinge mit." Das Grummeln im Saal war nicht zu überhören. Erst als Renate Raab-Postler, eine ehrenamtliche Betreuerin von Asylbewerbern an einem anderen Standort, das Wort ergriff und an die Mitmenschlichkeit der Bewohner appellierte, erklang erstmals Beifall im Saal. "Hier kommen keine Monster und Verbrecher, sondern arme Kriegsflüchtlinge", betonte auch der Abteilungsleiter des TuS Dachelhofen, Jürgen Meier. Er will die Kinder und Jugendlichen im Verein zumindest mittrainieren lassen. Einer Spielerlaubnis schiebt der Bayerische Fußballverband derzeit noch einen Riegel vor.

Auf die Frage des Oberbürgermeisters, ob sich denn die Bevölkerung ehrenamtlich einbringen wolle, herrschte zunächst betretenes Schweigen. Doch dann meldeten sich Mitglieder der Immanuel-Gemeinde, die im Gemeinschaftshaus ebenfalls Räume angemietet haben, zu Wort. Sie wollen sich überlegen, wie sie den Flüchtlingen helfen können.
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