SPD-Empfang stellt Thema Inklusion in den Mittelpunkt
"Behinderte wollen wie normale Bürger wahrgenommen werden"

Fabian Meissner (vorne) kam beim SPD-Empfang in der Spitalkirche mit den Gästen ins Gespräch, im Hintergrund (Zweiter von rechts) Landtagsabgeordneter Franz Schindler. Bild: rid
Politik
Schwandorf
01.02.2016
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Er machte Mut und sagte: "Behinderte wollen wie ganz normale Bürger wahrgenommen werden." Fabian Meissner, Nürnberger Stadtrat, sitzt seiner Geburt im Rollstuhl und beschrieb bei einem SPD-Empfang am Sonntag in Schwandorf, wie er seine Situation meistert.

In der Spitalkirche war das Büfett angerichtet. Doch bevor sich Gäste und Gastgeber bedienen durften, wurde geredet. Wohltuend kurz und knapp. Bürgermeisterin Ulrike Roidl begrüßte und sie skizzierte das Thema des Jahresempfangs: Es lautete "Inklusion". Heuer waren Leute um ihre Teilnahme gebeten worden, die in der Behindertenarbeit tätig sind. Und ganz selbstverständlich auch Behinderte.

Danach erklang Musik. Sie kam von der Band "Die lustigen Quertreiber" und damit zu einem Großteil von jungen Männern und Frauen, die trotz körperlicher Gebrechen exzellente Klänge ablieferten. "Rock around the Clock" beispielsweise und "When the Saints go marchin' in". Ohne falsche Töne und schlichtweg gut.

"Wer, wenn nicht wir?"


Es gab Grußworte, die sich mit dem von den Veranstaltern gesetzten Thema "Inklusion" befassten. Die Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder sprach von einem in Arbeit befindlichen Gesetz, das mithelfen soll, die Lebenssituation behinderter Mitbürger zu verbessern. Der Landtagsabgeordnete Franz Schindler bezog in die Inklusion auch das Thema "Flüchtlingsströme" mit ein und unterstrich, er könne "das Gerede von einer Krise nicht mehr hören". Natürlich, so zeigte sich Schindler überzeugt, sei "das alles zu schaffen". Und er fügte hinzu: "Wer soll es sonst schaffen, wenn nicht wir?"

Der 32-jährige Fabian Meissner sitzt im Rollstuhl, er ist schon immer auf dieses Fortbewegungsmittel angewiesen, gehört als Sozialdemokrat dem Nürnberger Stadtrat an und spielt im Vorstand der "Lebenshilfe" Nürnberg eine wichtige Rolle. In seiner Rede warb er dafür, behinderte Menschen schlichtweg als Bürger wahrzunehmen. "Wir sind keine Patienten", ließ Meissner erkennen und berichtete, dass man in Nürnberg daran denke, von Wohnheimen für Behinderte wegzukommen.

Assistenz statt Heim


Stattdessen gingen dort die Gedanken der "Lebenshilfe" hin zu sogenannten Assistenz-Diensten. Will heißen: Eigene Wohnungen für Behinderte, unterstützt durch Kräfte, die im Bedarfsfall rund um die Uhr anwesend sind. Meissner selbst hat so einen Unterstützer, der ihm behilflich ist und damit entscheidend dazu beiträgt, die Lage zu meistern.

Im Berliner Parlament wird - die Abgeordnete Schieder hatte es angedeutet - am sogenannten Bundesteilhabegesetz gearbeitet. Es soll die Lage der Behinderten entscheidend verbessern. Fabian Meissner ist, wie er wissen ließ, "gespannt, ob es wirklich auch so funktionieren wird". Später berichtete MdL Franz Schindler beim Gespräch am kalten Büfett von einem Behinderten, der im Fernsehquiz 10 000 Euro gewann. Davon, so fuhr er fort, habe der Mann 9000 Euro an Sozialbehörden abgeben müssen. Weil Menschen, die vom Staat Unterstützung erhalten, nur ein relativ kleines Sparguthaben zustehe.
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