Tennet stellt Trassenpläne für SüdLink vor
Leitungen wie ein Spinnennetz

Symbolbild: dpa
Politik
Schwandorf
27.09.2016
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Netzbetreiber Tennet informierte am Montagabend Abgeordnete über mögliche Verläufe der geplanten Gleichstromtrasse von Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt bis Landshut. Davon wird wohl auch der Landkreis betroffen sein. Die Reaktionen der örtlichen Mandatsträger fallen gemischt aus - beinhalten aber eine konkrete Forderung: Die Bürger ins Boot zu holen.

SPD-Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder äußerte sich in einem Telefonat mit dem NT etwas enttäuscht über die Informationsveranstaltung in Berlin: "Man weiß hinterher so viel wie vorher". Die möglichen Trassenverläufe zögen sich wie ein Spinnennetz durch den Landkreis. Welcher Verlauf zum Zuge kommt, müsse jetzt diskutiert werden. "Es kann alles sein - und alles auch nicht", betonte die Parlamentarierin. Den weiteren Zeitplan (siehe grüner Kasten) bezeichnete sie als "ambitioniert". Wenn er eingehalten werde, würde es ihrer Ansicht nach noch etwa bis 2025 dauern, bis die Trasse fertiggestellt ist. Bezüglich der Erdverkabelung sagte sie, dass eine 15 bis 20 Meter breite Schneise in der Landschaft verbleibe. Der Boden könne dann zwar landwirtschaftlich genutzt, aber nicht mehr bewaldet werden.

"Miteinander Weg finden"


Das Bild vom "Spinnennetz" - vor allem im Landkreis Schwandorf - verwendete auch Bundestagsabgeordneter Karl Holmeier (CSU). Wichtig sei es nun, viele Gespräche vor Ort zu führen und zu sehen, ob und wo sich Verbesserungen ergeben. "Die Trasse wird kommen und ist notwendig, aber dies sind nur Vorschläge. Da wird es sicherlich noch Veränderungen geben", unterstrich Holmeier. Es gehe nun darum, eine intelligente Trasse zu erarbeiten. "Wir müssen miteinander einen Weg finden, dass wir das schaffen", machte der Abgeordnete klar, dass die Menschen vor Ort frühzeitig in diesen Prozess eingebunden werden sollen. Darüberhinaus sei am 13. Oktober in Schwandorf ein Gespräch mit dem Vizepräsident der Bundesnetzagentur und Kommunalpolitikern angesetzt.

Alle Varianten auf den Tisch


Gleichzeitig zu den Mandatsträgern in der Bundeshauptstadt wurden auch die Landtagsabgeordneten in München von Tennet informiert. Der Stimmkreisabgeordnete Alexander Flierl (CSU) aus Oberviechtach berichtete, dass die Abgeordneten dabei klar gefordert hätten, dass das Unternehmen größte Transparenz und Offenheit an den Tag legt. Diese Informationen könnten dann vor Ort weitergegeben werden, damit die Anliegen der Bevölkerung in die Planung eingebracht werden könnten. "Wir müssen die verträglichste Lösung für Mensch und Natur in dieser Reihenfolge anstreben und das weitere Verfahren kritisch begleiten", betonte Flierl. Dazu würden alle denkbaren sowie machbaren Varianten geprüft und kämen auf den Tisch.

Es kann alles sein - und alles auch nicht.SPD-Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder

Auch der Schwandorfer Landtagsabgeordnete Franz Schindler (SPD) wies auf das noch frühe Stadium des Prozesses hin. Nach wie vor gebe es viele mögliche Varianten. Schindler könnte sich eine Bündelung der Gleichstromleitung mit dem bestehenden "Ostbayernring" gut vorstellen - vorausgesetzt, beides verläuft künftig unterirdisch. "Das wäre meine Idealvorstellung", unterstrich der Parlamentarier. Eine Erdverkabelung des "Ostbayernrings" sei technisch machbar, allerdings habe die CSU es nicht fertig gebracht, bei Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) die Erlaubnis dafür zu bekommen, dass auch diese Trasse unterirdisch verlegt wird. Das sei, so Schindler weiter, auch am Unwillen der CDU gescheitert. Dennoch bleibe die politische Forderung bestehen, beide Trassen unterirdisch zu verlegen. "Das schadet weder Mensch noch Natur", betonte er. (Hintergrund)

Der weitere ZeitplanBis Anfang kommenden Jahres läuft die frühe Öffentlichkeitsbeteiligung. Dabei sollen auch die Bürger in von der Stromtrasse betroffenen Kommunen bei Ortsterminen sowie im Internet die Möglichkeit haben, Vorschläge zu machen oder Einwände zu äußern.

Im Frühjahr 2017 will Tennet dann den Genehmigungsantrag auf Bundesfachplanung bei der Bundesnetzagentur einreichen. Wie aus der Homepage des Bayerischen Wirtschaftsministeriums hervorgeht, ist mit dem Abschluss dieses Verfahrensschrittes voraussichtlich Ende nächsten Jahres zu rechnen. Dann soll ein Trassenkorridor erarbeitet sein. Dieser konkrete Vorschlag zum Verlauf der Gleichstromleitung geht wohl Ende 2018 schließlich in das Planfeststellungsverfahren.

Dann folgen die öffentliche Auslegung sowie die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und Umweltvereinigungen. Die fristgerecht eingegangenen Einwendungen und Stellungnahmen werden im Anschluss gemeinsam mit der Bundesnetzagentur sowie den Übertragungsnetzbetreibern bei einem Erörterungstermin diskutiert und abgewogen.

Mit dem Abschluss des Verfahrens und dem daraus folgenden Planfeststellungbeschluss mit einem verbindlichen Trassenverlauf ist frühestens im Jahr 2020 zu rechnen. (tib)
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