Verkehrsentlastung in Schwandorf
Experiment in der Ebert-Straße

Hier wäre Schluss: Zur Verkehrsberuhigung der Friedrich-Ebert-Straße wäre eine Sperrung ab den Einmündungen der Schwaigerstraße (links) und der Weinbergstraße (rechts) bis zur Bahnhofstraße möglich. Ab September könnte die Sperrung probeweise erfolgen. Bild: Götz
Politik
Schwandorf
28.04.2015
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Die Verkehrsentlastung der Friedrich-Ebert-Straße ist ohne zweite Naabbrücke machbar. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten, das Prof. Dr. Harald Kurzak am Montag dem Planungsausschuss vorlegte. Das Gremium möchte den Versuch wagen - allerdings mit Bauchgrimmen.

Die Zahlen, die Kurzak in seiner Verkehrsuntersuchung vorstellte, kippten ein lange geltendes Credo, dass da hieß: Ohne zweite Brücke keine Beruhigung. Die zugrunde liegenden Zahlen, die seit 2002 auf dem Tisch lagen, sind aber Makulatur. Die Verkehrsbelastung in der Innenstadt liegt heute deutlich unter den Werten, die noch 2002 gezählt wurden. Zwei Beispiele: Naabuferstraße 14 700 statt 17 700 Fahrzeuge pro Tag, Pesserlstraße 10 500 statt 15 700.

Der Professor hält es deshalb für möglich, die Ebert-Straße zwischen der Schwaiger- und der Bahnhofstraße komplett - außer für Linienbusse - zu sperren. "Ich würde vorschlagen, dass Sie das einfach ausprobieren", sagte Kurzak. Damit wäre der Durchgangsverkehr in Ost-West-Richtung weg. Wer zum Marktplatz will, müsste sich über Postgartenstraße und Schlesierplatz oder über Pesserl- und Bahnhofstraße den Weg bahnen. An der Beer-Kreuzung wäre die Umgestaltung der Abbiegespuren aus Richtung Fronberg notwendig. Eine zweite Naabbrücke, so Kurzak, würde zwar die Nürnberger Straße und die Naabuferstraße entlasten. "Aber in der Altstadt ändert sich praktisch nichts", sagte der Professor.

"Wieder kassieren"

Für so "marginal", wie der Professor Auswirkungen auf die Postgarten- und Klosterstraße im Falle einer Sperrung darstellte, hält sie CSU-Fraktionsvorsitzender Andreas Wopperer nicht. Er geht davon aus, dass viele Verkehrsteilnehmer diese Route nehmen werden. Dennoch sprach er sich für einen Versuch aus. "Nach einem halben Jahr können wir das ja wieder kassieren," sagte Wopperer. SPD-Sprecher Manfred Schüller richtete das Augenmerk vor allem auf die Rampe westlich der Adenauerbrücke. Alle, die bislang durch die Ebert-Straße stadteinwärts fuhren, müssen dann am Wendelinplatz links abbiegen und - wenn sie sich nicht durch die Postgartenstraße zwängen wollen - rechts an der Brücke vorbei zur Pesserlstraße. Auch befürchtet er, dass der Weinberg und die Goethestraße als "Schleichwege" höher belastet würden. Aber auch er plädierte für den Versuch. Wenn er erfolgreich sei, müsse der nächste Schritt folgen, nämlich eine bauliche Umgestaltung der Ebert-Straße. Ferdi Eraslan (FW) äußerte seine Zweifel an dem Vorhaben, nur Marion Juniec-Möller zeigte sich uneingeschränkt begeistert. "Wenn wir den Durchgangsverkehr abdrängen, kann uns das egal sein", sagte die Stadträtin.

"Eine Katastrophe"

Der Versuch könnte in den Sommerferien im September starten. Das empfahl auch Prof. Kurzak. Denn auch ihm ist klar: "Die ersten Tage werden eine Katastrophe, bis sich das eingespielt hat". Die Entscheidung obliegt dem Verkehrsausschuss. Der tagt am 3. Juni.
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