Verkehrsversuch in der Innenstadt wird fortgesetzt
Postgartenstraße entlasten

Die neu geregelten Abbiegespuren auf der Fronberger Straße zur Beer-Kreuzung sind ein voller Erfolg. Unfälle gab es während der bisherigen Versuchsphase keine, der Verkehr fließt schneller ab. Deshalb beschloss der Verkehrsausschuss am Dienstag, diese Regelung dauerhaft zu belassen. Bild: Hösamer
Politik
Schwandorf
11.05.2016
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Der Verkehrsversuch war ein Erfolg, das befürchtete Chaos blieb aus. Darüber war sich der Verkehrsausschuss am Dienstag einig. Statt angekündigtem Schluss geht's jetzt weiter: Die Umfahrung zum Marktplatz gilt noch bis zum 24. Juni. Denn eine Schwachstelle macht noch Sorgen.

"Wir haben nie von Sperrung gesprochen, auch auf den Schildern ist nirgends von ,Sperre' die Rede", sagte Stadtplaner Stephan Küster am Dienstag im Verkehrsausschuss und fügte an: "Wer lesen kann, ist im Vorteil." Das Wirtschaftsforum hatte beklagt, dass dieser Eindruck entstanden sei, und macht den Verkehrsversuch generell für Umsatzeinbußen verantwortlich. Dass es die gibt, stellte auch Wirtschaftsförderin Maria Schuierer nach einer Umfrage nicht in Abrede, legte aber bundesweite Zahlen vor, nach denen im April im Einzelhandel allgemein Flaute herrschte. Wohl auch wegen des zunächst kalten Wetters.

Auch ohne weitere Brücke


Eindeutige Schuldzuweisungen sind da also schwierig - und für den Verkehrsversuch auch vordergründig nicht relevant. Denn getestet werden sollte, ob eine Beruhigung der Ebert-Straße möglich ist, ohne dass auf der Umfahrung der Verkehrs zusammen bricht. Ergebnis: Es klappt, auch ohne zusätzliche Naabbrücke.

Rund 240 Bürger hatten sich an einer Umfrage der Stadt zum Thema beteiligt. Pro und Contra hielten sich laut Küster die Waage. Allerdings: Unter den ablehnenden Stimmen waren auch solche, die nur die aktuelle Lösung kritisieren und stattdessen eine Fußgängerzone fordern. Küsters Resümee: Etwa 63 Prozent der Bürger fordern eine Beruhigung - zu lösen ist aber das Problem in der Postgartenstraße. Denn: Während alle Prognosen des Gutachters Prof. Harald Kurzak zum Versuch beinahe punktgenau eintrafen, lag er bei der Postgartenstraße daneben. Mit 5600 Fahrzeugen am Tag (vorher 2100) ist die Straße nun überlastet.

Deshalb empfahl Kurzak, der an der Sitzung nicht teilnehmen konnte, eine Fortführung des Versuchs mit einer neuen Regel: Die Zufahrt zur Postgartenstraße aus Richtung Adenauerbrücke soll verboten, der Verkehr soll über das Tonwarenfabrikgelände abgeleitet werden. Teilweise staute sich der Verkehr auch rund um den Schlesierplatz. Neben der Belastung waren dafür auch die Falschparker vor einem Tabakgeschäft und auf der gegenüberliegenden Straßenseite ursächlich.

Verkehrssachbearbeiter Jürgen Wagner von der Schwandorfer Polizei nannte den Versuch einen "Erfolg". Die neue Regelung an der Beer-Kreuzung habe sich bewährt. Die Präsenz der Beamten an der Ebert-Straße zeigte Wirkung. Rund 97 Prozent der Verkehrsteilnehmer hielten sich an die neuen Regeln. Stadtbaumeister Roland Stehr erwartet sogar weitere Verbesserungen: Es dauere bis zu einem halben Jahr, bis die Fahrer neue Strecken verinnerlicht haben.

"Absteigender Ast"


CSU-Sprecher Hans Sieß (CSU) sieht bei einer weiteren Belastung durch die Umleitung über das TWF die Naabuferstraße an ihre Grenzen kommen. Die Einwände der Geschäftsleute dürfe man nicht außer Acht lassen. Die Ergebnisse der Umfrage seien mit Vorsicht zu genießen. Nur 240 Rückläufer bedeuten seiner Meinung nach auch: "Dem großen Teil der Bevölkerung ist das einfach wurscht." Manfred Schüller (SPD) nannte den Versuch einen Erfolg und hob zunächst die Beer-Kreuzung und die Parkplätze an der Ebert-Straße heraus. Beides solle bleiben. Gelingen könne die Beruhigung und Aufwertung der Ebert-Straße aber endgültig nur, wenn schleunigst bauliche Maßnahmen wie höhengleiche, breite Gehsteige kommen. "Wenn wir das eine ohne das andere machen, werden wir scheitern", sagte Schüller.

Die Innenstadt sei seit 20, 30 Jahren auf dem absteigenden Ast, sagte Alfred Damm (ÖDP). Das liege freilich auch an Märkten an der Peripherie und der Internetkonkurrenz. "Wir können jetzt alles lassen, wie es ist, und weiter zuschauen. Oder wir können handeln." Er sprach sich für eine Fortführung des Versuchs aus, dazu sollte man über eine erste kostenlose Stunde in den städtischen Parkhäusern nachdenken. Auch Peter von der Sitt (UW) schloss sich dem an.

Wie von Kurzak vorgeschlagen, wird der Versuch bis zum 24. Juni verlängert. Dagegen stimmte nur Ferdi Eraslan (FW). Seiner Meinung nach liegen schon genügend Ergebnisse auf dem Tisch. Einstimmig beschloss das Gremium, die Änderungen an der Beer-Kreuzung dauerhaft zu übernehmen und die Kurzzeit-Parkplätze in der Ebert-Straße, wenn auch kostenpflichtig, zu erhalten.
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