Verkehrsversuch wird verkürzt
Freie Fahrt ab Freitag

Ende März begann der Verkehrsversuch. An der Einfahrt zur Friedrich-Ebert-Straße stand Polizei, erläuterte den Autofahrern und Fußgängern die neue Verkehrsführung Richtung Marktplatz. Im Laufe des Freitags dieser Woche werden die Umfahrungen aufgehoben. Bild: Hösamer
Politik
Schwandorf
07.06.2016
355
0

Die Zahlen sind ermittelt, eine Fortführung ist nicht mehr erforderlich. Der Verkehrsversuch zur Beruhigung der Innenstadt endet am Freitag. Die Bewertungen im Verkehrsausschuss am Montag waren durchaus konträr.

Oberbürgermeister Andreas Feller erinnerte im Ausschuss daran, dass die Verlängerung beschlossen wurde, "um an ein paar Stellschrauben zu drehen". Die Zufahrt zur Postgartenstraße wurde geändert, die Auswirkungen kontrolliert und in der Bahnhofstraße beim Tabakgeschäft ein absolutes Halteverbot eingerichtet. Rückfragen beim Gutachter Prof. Dr. Harald Kurzak hätten ergeben, dass die erneuten Zählungen früher erledigt werden konnten. Der Verkürzung stand also nichts im Wege.

Hans Sieß (CSU) hatte dem nichts hinzuzufügen, signalisierte wie die weiteren Sprecher Zustimmung. Andreas Weinmann (SPD) sagte, der Verkehrsversuch habe "besser geklappt als befürchtet". Leider habe er zu keiner Belebung der Innenstadt geführt. Die neue Regelung an der Beer-Kreuzung habe sich bewährt. Peter von der Sitt stieß für die UW ins gleiche Horn. Jetzt komme "eine Menge Arbeit" auf den Stadtrat zu, die richtigen Schlüsse aus den Ergebnissen zu ziehen. Die werden, war aus der Verwaltung zu hören, wohl im Herbst vorliegen. In Bausch und Bogen verurteilte Lothar Walz (FW) den Versuch, er könne sich "nichts schlimmeres vorstellen als einen toten Marktplatz". Der Versuch habe "null Komma null" gebracht.

Dem widersprach Alfred Damm (ÖDP/Ausschussgemeinschaft). "Wenn man nicht will, dass sich etwas verbessert, kann man Ihrer Meinung sein", sagte er in Richtung Lothar Walz. Nun gehe es darum, über den künftigen Ausbau der Ebert-Straße zu sprechen. Vom Oberbürgermeister wollte er wissen, ob ein wie auch immer gearteter Ausbau Auswirkungen auf die Anliegerbeiträge habe. Vereinfacht gesagt, werde immer der einfachste Ausbau abgerechnet, sagte der OB. "Wenn Sie einen Luxus-Ausbau beschließen würden, ist das nicht Sache der Anlieger, sondern aller Steuerzahler."

Der Versuch endet nun am 10. Juni. Im Laufe des Freitags wird der Bauhof die Absperrungen abbauen. Dann ist die Zufahrt zu Marktplatz direkt vom Wendelinplatz her wieder möglich. Die neuen Abbiegespuren an der Beer-Kreuzung und die Kurzzeit-Parkplätze vor dem Modehaus Meier bleiben.

Nägel mit Köpfen - Angemerkt von Clemens HösamerDer Verkehrsversuch endet am Freitag. Selten hat eine städtische Maßnahme so viele Diskussionen ausgelöst. Festzuhalten bleibt, bei allem Für und Wider: Eine Verkehrsberuhigung in der Innenstadt ist möglich, ohne dass rundherum das Chaos ausbricht.

Schon seit dem Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) ist die Aufwertung der Friedrich-Ebert-Straße ein Ziel, dass es umzusetzen gilt. Die beim Versuch getestete Sperrung der Einfahrt vom Wendelinplatz her war vielleicht nicht der Weisheit letzter Schluss, aber zu Simulations-Zwecken wohl der einzig mögliche Weg. Auf den Punkt genau so wie beim Versuch wird eine künftige Verkehrslenkung ohnehin nicht umgesetzt werden, darauf darf gewettet werden.

Ein Problem am Versuch war, dass sich niemand genau vorstellen konnte, wie die Friedrich-Ebert-Straße nach einer Umgestaltung aussehen könnte. Es ist auch schwer abzuschätzen, ob breitere, abgesenkte Gehsteige und vielleicht kleine Freiflächen für die Gastronomie die Frequenz in die Straße bringen, die sich nicht nur der Handel, sondern auch der Stadtrat wünscht.

Sicher aber ist, dass das Projekt jetzt nicht einschlafen darf. Es wird ohnehin Herbst werden, bis die Auswertung der Zahlen vorliegt. Dann müssen sich Oberbürgermeister, Stadtrat und Stadtverwaltung aufschwingen, Nägel mit Köpfen zu machen und Entwürfe für die Ebert-Straße auszuarbeiten. Das wird Debatten auslösen, auch Ärger. Jedoch auch die Chance, die Innenstadt attraktiver zu machen. Wenn jetzt aber lange nichts passiert, gar gewartet würde, bis irgendwann Ende des Jahrzehnts die Naabbrücken saniert werden, dann war der Versuch für die Katz'. Das wäre dann wirklich ärgerlich.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.