ZMS investiert in Sortierung und plant "Bioleaching"
Schlacke wird Bakterien-Futter

Der Zweckverband Müllverwertung Schwandorf (ZMS) und seine Tochter OVEG investieren rund 12 Millionen Euro in eine Vorschaltanlage. Sie soll im Industriegebiet Bodenwöhr entstehen. Bild: Dotzler
Politik
Schwandorf
22.01.2016
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Verbandsdirektor Thomas Knoll (von rechts), ZMS-Vorsitzender Landrat Thomas Ebeling, Pressesprecher Franz Grabinger und technischer Leiter Konrad Rieger informierten bei einem Pressegespräch über die Vorhaben des Zweckverbands im laufenden Jahr. Bild: Hösamer

Der ZMS investiert in Bodenwöhr: Eine Sortieranlage für rund 12 Millionen Euro soll Wertstoffe aus Sperr- und Gewerbemüll trennen. Außerdem will der Verband Bakterien einspannen, um Metalle aus der Kraftwerksschlacke zu gewinnen.

Schwandorf/Bodenwöhr. "Bioleaching" heißt das Zauberwort. "Das ist eine sehr spannende Geschichte", sagte der Verbandsdirektor des Zweckverbands Müllverwertung Schwandorf (ZMS), Thomas Knoll, am Donnerstag bei einem Pressegespräch. Mit Hilfe von Bakterien können in dem Verfahren Metalle wie Kupfer oder Zink aus der Schlacke zurückgewonnen werden, erläuterte der Verbandsvorsitzende Landrat Thomas Ebeling. Das Forschungsprojekt, das der ZMS mit Frauenhofer IGB (Straubing) und einem privaten Biotechnik-Unternehmen betreibt, sei weit gediehen.

Entscheidung Ende 2016


Ende des Jahres soll klar sein, ob sich die Technik, die im Erzbergbau bereits eingesetzt wird, auch für Schlacke großtechnisch kostendeckend umsetzen lässt. Neben den Einnahmen aus dem Metallverkauf wäre die Schlacke auch einfacher zu entsorgen, wenn sie die Metalle nicht mehr enthält. In der Schlacke seien in geringsten Spuren sogar Gold oder die begehrten seltenen Erden enthalten. Sie zu gewinnen, lohne aber sicher nicht, sagte Knoll. Sollte sich das Verfahren lohnen, hätte der ZMS auch schon ein Grundstück in Schwandorf für eine Anlage im Auge.

Die Vorschaltanlage sollte zunächst auch in der Großen Kreisstadt entstehen. Auf dem Kraftwerksgelände ist allerdings kein Platz mehr, weitere Flächen kamen aus Immissionsschutzgründen nicht infrage. Auf der Suche nach einem Industriegebiet mit Gleisanschluss wurde der ZMS in Bodenwöhr fündig, erläuterte Knoll.

Das ist eine sehr spannende Geschichte.Thomas Knoll, ZMS-Verbandsdirektor zum "Bioleaching"

Keine "Fehlstoffe" mehr


Mit der Aufbereitung reagiert der Verband auf die steigende Gewerbemüllmenge. Auch der Sperrmüll aus dem Verbandsgebiet soll aufbereitet werden (siehe Kasten). Die Gewerbemüllmenge sei in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert, sagte Knoll. Der hohe Heizwert dieses unsortierten Abfalls sorgt für höheren Verschleiß im Kraftwerk und geringeren Durchsatz, weil die benötigte Energie mit weniger Tonnage erreicht wird. Auf einen weiteren Vorteil des Sortierens verwies technischer Leiter Konrad Rieger: "Fehlstoffe" wie Betonbrocken oder gar Gasflaschen landen nicht mehr im Kraftwerk. Anfang des kommenden Jahres, so Knoll, könnte die Anlage in Bodenwöhr in Betrieb gehen. Der ZMS kauf das Grundstück, die Anlage wird von der ZMS-Tochter OVEG errichtet. Auch der Anschluss an die nahe gelegene Bahnstrecke muss neu gebaut werden.

VorschaltanlageDie Vorschaltanlage Im Industriegebiet Bodenwöhr wird eine Kapazität von zunächst 25000 Tonnen pro Jahr haben, im Zweischichtbetrieb wäre es das doppelte. Rund zehn Arbeitsplätze werden entstehen. In der Anlage werden vor allem aus Sperrmüll und aus Gewerbemüll wiederverwertbare Stoffe aussortiert: Holz (für Spanplatten oder Biomassekraftwerke), Glas, Pappe und Papier oder saubere Kunststoffe. Auch Material mit hohem Heizwert wie beispielsweise Reifen werden abgetrennt. Der ZMS rechnet mit bis zu 50 Prozent wiederverwertbarem Material.

Aus dessen Verkauf soll sich die Anlage finanzieren. Die Anlieferung wird größtenteils über die Schiene ablaufen; der Rücktransport der nicht verwertbaren Reste ans Kraftwerk über Lkw auf der Straße. (ch)
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