10. Todestag von Eugen Oker
So was schüins mou ma soucha

Donnerwetter! Ist tatsächlich ein Ort nach ihm benannt worden? Schlitzohrig wie er war, ist Eugen in jüngeren Jahren einmal in Oker gewesen und hat sich hinters Taferl gestellt. Oker ist ein Stadtteil von Goslar, auch einen Fluss solchen Namens gibt es. Bild: hfz
Vermischtes
Schwandorf
12.03.2016
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Viele berühmte Literaten-Autogramme stehen auf dem Weltei im Sulzbach-Rosenberger Literaturarchiv. Das hat sich Eugen Oker einmal genauer angesehen und dann auch seinen Namen auf das Oval gesetzt. Bild: lichtung-verlag
 

Die Uhr rückte langsam auf den Tageswechsel vor. An der Stirnseite eines Wirtshaustischs in Schwarzhofen bei Neunburg vorm Wald saß Eugen Oker.

Von Wolfgang Houschka

Man schrieb das Jahr 1998 und er hatte eine für seine Zuhörer höchst amüsante Lesung hinter sich. Die Gelegenheit schien günstig. Zwei aus Schwandorf angereiste Männer wollten den Autor zusammen mit dem in Schwarzhofen ansässigen Bibliothekar Alfred Wolfsteiner dazu bringen, in seiner Geburtsstadt aufzutreten. Der Mann mit dem Halstüchlein lächelte verschmitzt und stellte seine Antwort per Post in Aussicht.

Nur weiße Seiten


Wenige Tage später traf ein Brief ein. Man möge, teilte Eugen Oker in wenigen Zeilen mit, die Gründe seiner Absage einem beiliegenden Büchlein entnehmen. Es hieß "Nirwana" und enthielt ausschließlich weiße Seiten. Er wollte nie mehr nach Schwandorf kommen und tat es auch nicht. Doch der Weg, den dieser Mann wählte, war typisch für ihn: Hintergründig, schlitzohrig, mit keinem Wort alles sagend. Das konnte nur er. Warum er nicht erschien, blieb sein Geheimnis.

Ein Jahr später sprach der Schriftsteller Carl Amery die Laudatio zum 80. Geburtstag von Eugen Oker, der eigentlich Fritz Gebhardt hieß und bis heute als nicht zu kopierendes Multitalent gilt. Amery erinnerte an den Dialekt, dessen sich Oker oft in seinen Werken bediente, sprach von "hinreißenden Lebensprotokollen" und "spielerischen Exkursen durch die eigene Vergangenheit." Dann resümierte er: "Der Blick des Picaro, des komischen Schelms, ist nicht anderes als eine bewahrte Gnade der Kindheit."

Vor zehn Jahren, am 14. März 2006, starb Eugen Oker. Seine letzte Ruhestätte fand er in Kallmünz und damit an einem Ort, der ihm viel bedeutete. Unter denen, die ihm das letzte Geleit gaben, befand sich auch der Schwandorfer Franz Sichler. Ein langjähriger Freund des "Fritz", wie sie in seiner Heimatstadt nannten. Okers Bücher stehen bei ihm ganz selbstverständlich im Regal. Bände wie "... und ich, der Fahnenträger" befinden sich darunter.

Doch es gibt auch persönliche Erinnerungen, die weit zurück reichen. Wie der Gebhardt Fritz einst ein Indianerfest in Schwandorf veranstaltete, ein Gebäude zum Wigwam werden ließ und "Feuerwasser" ausschenkte.

Später schrieb Gebhardt unter seinem Pseudonym Eugen Oker den "Winnetou in Bayern". Eine der wichtigsten Stationen seines schier unermüdlichen Schaffens. Ach ja: Auch "Bayern, wo's kaum einer kennt" hat er verfasst und sich damit eines von vielen Denkmälern gesetzt.

Elternhaus in Schwandorf


Nur einen Steinwurf weit vom Schwandorfer Wendelinplatz entfernt stand sein Elternhaus. Mit einer Tankstelle davor, an der sich der Gebhardt Fritz in jungen Jahren betätigte. Wie er das im Gedächtnis behielt, las sich so: "Ich schnappe die Mischkanne; sie klirrt aufs Trottoir. Mit dem Vierkant das Ölkabinett aufsperren. Die Stahlblechjalousie hochschieben: Schrauchch!" Dann folgt: "Benzindeckel am Auto aufmachen: Ffff! Mischung in den Tank schütten: Girgulurirgulir!"

Der Poet aus Schwandorf war universal einsetzbar. Anfangs als Hafner, Geometer, Redakteur, später als bundesweit geschätzter Spiele-Kritiker und -erfinder, Zinnsoldaten-Kenner, Juxdichter, Literat. "Und als prachtvoller Freund", wie Carl Amery ihm bescheinigte. In München gründete er mit Ehefrau Maria den Verlag "Kuckuck & Straps" Dort erschienen auch seine "Lebensfäden", aus denen Eugen Oker oft las.

Alles durchdacht


"Tausendsassa" also? Eine Beschreibung, die eher nur marginal zutrifft. Sie suggeriere, wie Carl Amery ausgemacht hatte, "eine Abwesenheit von Reflexion, die für den pikaresken Blick gerade nicht typisch ist." Alles sei bei ihm durchdacht gewesen. "Einschließlich der seitenlangen Listen von Trivialitäten, welche die fast fieberhafte Weltergreifung des klugen Kindes dokumentieren." Zum Beispiel auch dieser Schüttelreim: "Der Oberpfälzer Edelknecht mag seine Reiberknödel echt. Zweng dem bringt so ein Edelknabe nie einen Pfanniknödel abe."

Schade, dass er nach dem Abschied von Schwandorf nie mehr in seine Geburtsstadt kam. Mit einer einzigen Ausnahme: Als vor vielen Jahren ein dichterischer Vortragsabend im Protest gegen die Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) stattfand, rückte auch Fritz Gebhardt mit an. "Nicht wegen Schwandorf", wie er später verlauten ließ. Dabei hätte man zu gerne die Strophen eines Liedes vernommen, das er für den 1. FC Schwandorf schrieb. Auszug daraus: "Von allen Sportvereinen lieb' ich nur den einen. Dort ist es immer zünftig, drum bleibe ich auch künftig."

Ein Limerickdichter aus Pfreimd weiß ziemlich genau, was sich reimt. Doch wie er auch dichtet, er ist ganz vernichtet, weil nie ein Gedicht ihm erkeimt. (Er sollte verzichten.)


Iwa de Baam iss schon staad koi Liffdal waad drinnad en Wold b Feechala schlouffa fo driwahal her lus nea dou woadd aaf die wea heasd waäis de rouffa?Text auf dem Sterbebild von Eugen Oker


Bücher von Eugen OkerDer im niederbayerischen Viechtach ansässige "lichtung verlag" hat in den letzten Jahren vier Bücher von Eugen Oker neu aufgelegt. Dazu bekam er die Rechte von "Kuckuck & Straps", wie ein von Oker und seiner Witwe Maria Gebhardt in München gegründeter Verlag hieß. In der Serie gibt es unterdessen das Buch "Der Kuckuck von Timbuktu - Ein Bilderbuch über Vögel und andere Viecher" (13,80 Euro). Oker verfasste es zusammen mit Thomas Hart. Neu erschienen ist ferner das Werk "... und ich der Fahnenträger" (13,80 Euro). Der Autor schrieb dabei das fiktive Tagebuch eines Hitlerjungen.

Außerdem gibt es die Bände "Bloß der König und andere Geschichten" (13,80 Euro) sowie den Oker-Klassiker "Zahlbar nach dem Endsieg" (19,80 Euro). Darin erinnert Oker autobiografisch an unheilvolle Jahre der deutschen Geschichte.

Im Amberger Verlag Büro Wilhelm ist (in zweiter Auflage) das Buch (mit CD) "so wos schüins mou ma soucha - Gedichte im Oberpfälzer Dialekt" (25 Euro) erschienen.


Eine Steinhauerstochter aus Floß Macht hervorragend Schweiners mit Soß. Kommt sie nicht ins Trödeln, sind auch Klasse die Knödeln nur ihr Sauerkraut ist nicht so famos. (Sie soll es veredeln.)


Ein Berg in der Näh von Hirschau ist für jeglichen Fan eine Schau Da fahren sie Ski im Sommer, und wie! Im Winter, da kommt keine Sau. (Vielleicht Sie?)


Zur PersonEugen Oker, der eigentlich Friedrich "Fritz" Gebhardt hieß, wurde am 24. Juni 1919 in Schwandorf geboren. Er starb am 14. März 2006 in München. Gebhardt besuchte die Oberrealschule in Amberg, wurde zunächst Vermessungstechniker, dann (im elterlichen Betrieb) Ofensetzermeister. Ab 1970 lebte er als Eugen Oker in München.

Der gebürtige Schwandorfer wurde durch eine Vielzahl künstlerischer Tätigkeiten bekannt. Er schrieb Spielerezensionen für "Die Zeit" und die "Frankfurer Rundschau", verfasste selbst auch Spieleanleitungen. Später veröffentlichte Eugen Oker zahlreiche Bücher. Unter anderem schrieb er "Winnetou in Bayern", "Babba, sagt der Maxl", "Lebensfäden", "... und ich, der Fahnenträger", "So wos Schüins mou ma soucha" (Gedichte im Oberpfälzer Dialekt) und "Bayern, wo's kaum einer kennt" in mehreren Bänden.

Zu den besonderen literarischen Kostbarkeiten zählt der Band "Lebenspullover". Er trägt den Untertitel: "Die Abenteuer des Fritz Kagerer aus Schwanheim". Zu einem raren Sammlerstück ist "Canale Grande" geworden. Fritz Gebhardt und seine Frau Maria zeichneten darin die beidseits des Kanals in der Lagunenstadt stehenden historischen Gebäude. Eine schier unglaubliche Arbeit, die aufgefaltet rund 17 Meter lang ist.

Der in Kallmünz (Kreis Regensburg) begrabene Schriftsteller bekam mehrere Auszeichnungen. Darunter den ihm 1973 verliehenen Astrid-Lindgren-Preis. Eugen Okers literarischer Nachlass befindet sich im Literaturarchiv der Stadt Sulzbach-Rosenberg.

Unterdessen gibt es ein 2015 erschienenes und 434 Seiten starkes Buch zu Okers Leben und Schaffen. Es wurde von der aus Bayern stammenden Barbara Neueder gleichsam als Doktorarbeit verfasst und trägt den Untertitel "Einer der bekannteren Unbekannten der bayerischen Literatur". Grundlagen der Nachforschungen bildeten zahlreiche Treffen der Autorin mit Maria Gebhardt, der Witwe Eugen Okers.
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