23-Jähriger soll Kind sexuell missbraucht haben - Freispruch
Anzeige erst nach sechs Jahren

(Foto: dpa)
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Schwandorf
27.10.2016
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Nach zweitägiger Verhandlung hat das Schwandorfer Jugendschöffengericht am Donnerstag einen 23-Jährigen vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs freigesprochen. Im Jahr 2010 sollte sich der damals 17-Jährige seiner elfjährigen Cousine genähert, das Kind am Körper begrapscht und unsittliche Handlungen verlangt haben, die einen Verbrechenstatbestand erfüllten.

Das unter Vorsitz von Hans-Peter Weiß tagende Jugendschöffengericht ging den Anschuldigungen, erhoben von Staatsanwältin Michaela Frauendorfer, mit Akribie auf den Grund. Allerdings offenbarte sich dabei ein zeitlicher Abstand von sechs Jahren. Die heute 17-Jährige hatte die Vorfälle am ersten Verhandlungstag geschildert. Dabei verdeutlichte sich nach ihren Angaben: Der Cousin, damals ein Heranwachsender, lebte seinerzeit für einige Tage in der Wohnung ihrer Eltern. Dort kam es dann nach Darlegungen der jungen Frau zu zwei sexuellen Übergriffen. Der Angeklagte, verteidigt von Anwalt Dr. Gunther Haberl, wies die Vorwürfe strikt von sich. Er hielt den Vater der heute 17-Jährigen für den Urheber der erst Jahre später erfolgten Anzeige, die zu umfangreichen Ermittlungen führten. Seinem Onkel, so ließ der Beschuldigte sinngemäß wissen, sei es wohl darum gegangen, ihm wegen Streitigkeiten eine Hürde in den künftigen Lebensweg zu stellen.

Das Jugendschöffengericht hörte über viele Stunden eine Reihe von Zeugen. Zu Wort kamen zwei Sachverständige, wobei es im Wesentlichen um die Glaubwürdigkeit der zur Tatzeit Elfjährigen ging. Danach hielt Staatsanwältin Frauendorfer die sexuellen Übergriffe für erwiesen. Für den 23-Jährigen beantragte sie neun Monate Haft zur Bewährung und eine Woche Dauerarrest. Das Jugendschöffengericht hingegen sprach den Angeklagten frei, da nach Auffassung der Richter eine Reihe von Fakten nicht mehr genau hätten aufgehellt werden können. Der Staatsanwältin bliebe nun der Weg zum Landgericht. Ob sie das tut, war nach Verfahrensende in Frage gestellt. Die Anzeige erfolgte in Regensburg. Das zur Debatte stehende Geschehen trug sich im Kreis Schwandorf zu.
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