25-Jähriger wegen versuchter räuberischer Erpressung vor Gericht
Geldeintreiben durch das Autofenster

Symbolbild: dpa
Vermischtes
Schwandorf
23.11.2016
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Christian T. ist sich sicher, dass er von Roland W. (beide Namen geändert) Geld bekommt - und zwar eine stattliche Summe. 1700 Euro. Sie sollen eine Entschädigung dafür sein, dass er wegen Roland W. für zehn Monate hinter Gitter musste. Die Methode, mit der der 25-Jährige den zwei Jahre älteren aufforderte, das Geld zu zahlen, brachte ihm jedoch nichts ein - außer einem abermaligen Platz auf der Anklagebank.

Am Schwandorfer Adolf-Kolping-Platz soll Christian T. - so die Anklageschrift - seinen in einem Auto sitzenden Kontrahenten am 30. Mai diesen Jahres durch das Fenster am Hals gepackt und in den Sitz gedrückt haben. Außerdem habe er dem 27-Jährigen laut Staatsanwalt Holger Vogl gedroht, ihn im Wald zu verscharren, wenn er nicht zahlt. Um die Adresse von Roland W. zu erfahren, soll Christian T. darüberhinaus den Autoschlüssel abgezogen und ihn erst wieder ausgehändigt haben, als er die Anschrift seines Widersachers bekommen hatte. Das stuft das Strafgesetzbuch als versuchte räuberische Erpressung ein, weshalb sich der 25-Jährige gestern vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Ewald Ebensperger verantworten musste. Dass er in den Wagen gegriffen und den 27-Jährigen gepackt hat, stritt der Angeklagte nicht ab. Auch nicht, dass er die Schlüssel nahm, um die Adresse zu bekommen. Drohungen habe er aber keine ausgesprochen und den 27-Jährigen auch nicht in den Sitz gedrückt, versicherte er.

Handfester Streit


Die Ursache der Auseinandersetzung zwischen Christian T. und Roland W. liegt über zwei Jahre zurück. Damals kam es in der WG des 27-Jährigen zu einem handfesten Streit, in dessen Verlauf nicht nur die Fäuste flogen, sondern Christian T. seinem Kontrahenten wohl auch mit einer Bierflasche zugesetzt hat. Die strafrechtliche Quittung dafür bekam der 25-Jährige in Form von zehn Monaten Haft ohne Bewährung.

Ominöser Schuldschein


Von da an wird es etwas kurios: Fest steht, dass es im Verlauf der nächsten Monate zu einem abermaligen Treffen der beiden kam. Dabei setzte Roland W. einen von ihm am Ende unterzeichneten Schuldschein auf. Der Inhalt: Christian T. bekommt die Gerichtskosten erstattet und außerdem pro Monat Gefängnisaufenthalt 100 Euro. Summa summarum 1700 Euro.

Christian T. schilderte, dass er mit Roland W. gesprochen habe, ob er die Anzeige wegen der Körperverletzung nicht zurückziehen wolle. Dies habe der 27-Jährige zwar zugesagt, aber nicht eingehalten. "Dann haben wir abermals geredet, wie wir das wieder gut machen können", legte der Angeklagte dar. Die beiden hätten sich darauf geeinigt, dass ihm Roland W. für die Haftzeit jeden Monat einen gewissen Betrag zahlt. Das tat der 27-Jährige aber bis dato nicht.

"Wieso sollte ich ihm Geld geben für etwas, das er selber verbockt hat?", fragte der 27-Jährige bei seiner Aussage. Er sei vielmehr mit leichteren Schlägen ins Gesicht und Bedrohungen dazu genötigt worden, besagten Schuldschein aufzusetzen und zu unterschreiben. Er sagte weiter, dass er nie die Absicht gehabt habe, Geld an den Angeklagten zu zahlen. Interessant in diesem Zusammenhang: In erster Instanz wurde Christian T. wegen des Schuldschein-Vorfalls freigesprochen. Nachdem die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt hatte, wurde dieser Sachverhalt bei der nächsten Verhandlung eingestellt, da die Strafe dafür angesichts weiterer hinzugekommener Anklagepunkte nicht ins Gewicht gefallen wäre.

Das Schöffengericht will noch weitere Zeugen hören, bevor es ein Urteil sprechen wird. Die Fortsetzung des Prozesses ist am Freitag, 2. Dezember, um 9.45 Uhr.
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