30-Jähriger Drogenhändler vor der Ersten Strafkammer am Landgericht
„Krimineller Gemischtwarenladen“

Vermischtes
Schwandorf
16.05.2017
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Amberg/Schwandorf. Kunden hatten die Auswahl. Es gab Kokain und Crystal Speed, auch Marihuana und Ecstasy-Tabletten waren zu haben. Als Polizisten kamen, lag die heiße Ware im Tresor. Gleich daneben eine geladene Faustfeuerwaffe. "Eine Art krimineller Gemischtwarenladen", sagte der Staatsanwalt.

Als Uniformierte an dem Haus in Wackersdorf vorfuhren, wollten sie eigentlich wegen einer Kleinigkeit ermitteln. Doch dann stießen die Beamten auf eine Runde feiernder Männer und sie sahen auch, dass Rauschgift auf dem Wohnzimmertisch lag. Daraufhin wurde die Routineüberprüfung zum Einsatz. Die Drogen stammten von einem 30-Jährigen, der in dem Anwesen ein Zimmer bewohnte. Daraufhin wurde nach dem Prinzip "Gefahr im Verzug" die Behausung des jungen Mannes durchsucht. Plastiktütchen zur Verpackung von Rauschgift und Feinwaagen lagen herum, an der Wand gab es einen Tresor. Der Wohnungsmieter öffnete den Safe bereitwillig.

Drogen und Waffen


Was sich in dem kleinen Stahlschrank befand, reichte zur vorläufigen Festnahme. Die Ordnungshüter aus Schwandorf stießen auf 37 Ecstasy-Tabletten, 42 Gramm Marihuana und acht Gramm Crystal Speed. Im Tresor lag außerdem eine durchgeladene Schreckschusswaffe, gefüllt mit Gas- und Pfefferpatronen. "Das hat man wirklich selten, wenn alles so beieinander gestapelt wird", ließ jetzt die Richterin Roswitha Stöber, Vorsitzende der Ersten Strafkammer beim Landgericht Amberg, vernehmen. Es gab weitere Drogenfunde. Aus seinen Hosentaschen förderte sie der 30-Jährige zutage. Darunter einen Brocken Kokain. Was er bei sich trug, soll zum Eigenverbrauch gedient haben. Grund: Der Mann war seit seinem 14. Lebensjahr süchtig. Die Pistole im Tresor sorgte dafür, dass der Fall vor das Landgericht kam. Zunächst hatte sich das Schwandorfer Amtsgericht damit beschäftigt, die Sache aber angesichts des Verdachts auf "bewaffneten Handel mit Rauschgift" an die nächsthöhere Instanz in Amberg verwiesen. Dort legte der 30-Jährige nun ein umfassendes Geständnis ab.

"Haben Sie in der Wohnung verkauft?", fragte die Richterin. Der Angeklagte verneinte. Bei Bestellungen sei er mit seiner Ware zu den Abnehmern gegangen. Einmal erwischten ihn Polizisten mit 20 Gramm Marihuana und einem Schlagring im Rucksack. Dieser Fall wurde nun von der Strafkammer eingestellt.

Zum Kundenkreis gehörte auch der Hauseigentümer. Für seine Drogenportionen wurde dem 30-Jährigen immer mal wieder ein Teil der Miete nachgelassen. Im Verlauf des Prozesses verdeutlichte sich: Der Familienvater wohnt unterdessen nicht mehr in Wackersdorf. Er ist in die nördliche Oberpfalz gezogen und hat eine Drogentherapie erfolgreich hinter sich gebracht. Außerdem bekam er einen Arbeitsplatz. "Günstige Prognose", befand Staatsanwalt Oliver Wagner in seinem Plädoyer. Allerdings hielt er dem 30-Jährigen vor, "eine Art kriminellen Gemischtwarenladen" betrieben zu haben.

Minderschwerer Fall


Der Anklagevertreter verlangte zwei Jahre Haft und sah die Möglichkeit einer Bewährung. Verteidiger Heinz Ettl stimmte zu und auch sein Mandant schöpfte Hoffnung, nicht hinter Gitter zu müssen. Die Strafkammer verhängte die beantragte Ahndung. Sie fügte als Weisungen hinzu, der Mann müsse sich in eine Nachsorge-Therapie begeben und habe in den kommenden vier Jahren regelmäßige Drogenkontrollen zu dulden. Die Verurteilung stützte sich auf den Paragrafen des "bewaffneten Drogenhandels." Das Gericht ging allerdings von einem minderschweren Fall aus.
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