30-jähriger Fahrraddieb muss in Haft
Ein Obdach mit Gitterstäben

Vermischtes
Schwandorf
09.03.2016
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Amberg/Schwandorf. Als sie ihm zum Schluss die Wohnung geräumt hatten, war der Mann obdachlos. Zumindest die Sorge um ein Quartier muss er momentan nicht weiter haben. Insgesamt muss der 30-Jährige Haftstrafen von fast vier Jahren verbüßen.

Die Frage lautete: Wie kann es sein, dass ein Fahrraddieb zwölf Monate hinter Gitter muss? Eine Antwort gab es vor dem Amberger Amtsgericht: Der Schwandorfer begeht nahezu regelmäßig Straftaten. Elf Vorahndungen stehen in seinem Register.

Serie von Schwarzfahrten


Wenige Tage vor dem in Amberg ablaufenden Prozess hatte der Schwandorfer von der Regensburger Justiz 19 Monate zum Absitzen für diverse Eigentumsdelikte erhalten. Schon dazu führte ihn die Polizei in Handschellen aus der Haft vor. Weshalb das so war, wurde jetzt rasch offenkundig: Gegenwärtig sitzt der 30-Jährige ein knappes Jahr wegen einer ellenlangen Serie von Schwarzfahrten ab, die ihn mit der Bahn quer durch die Republik führten.

Vor der Amberger Richterin Sonja Tofolini ging es nun um einen Fahrraddiebstahl in Schwandorf. Der 30-Jährige war dazu vormittags beim Gauß-Gymnasium erschienen, hatte einen Bolzenschneider dabei und zwickte das Schloss eines Mountainbikes durch. Als er sich eben in den Sattel schwang, schritt ein 42-Jähriger ein. Der Mann hatte von seinem Auto aus den dreisten Diebstahl beobachtet, stellte sich dem Täter in den Weg und hielt ihn auf, bis Polizeibeamte eintrafen. "Respekt vor so viel Zivilcourage", hörte er nun von Staatsanwalt Jan Prokoph.

Die Richterin forschte nach den Gründen für den Fahrraddiebstahl und bekam eine Art Lebensbeichte. Da saß einer, der seit vielen Jahren drogenabhängig ist und das Bike klaute, weil er sich durch dessen Verkauf ein paar Euro für Crystal Speed erhoffte. Der 30-Jährige, so erfuhr die Vorsitzende weiter, lebte seit geraumer Zeit auf der Straße. Seine Wohnung hatte man wegen ausstehender Mietzahlungen geräumt. Ab dann streunte er obdachlos durch die Stadt.

Fast vier Jahre


Staatsanwalt Jan Prokoph stellte einen für das zur Debatte stehende Delikt ungewöhnlich hohen Strafantrag. Er forderte ein Jahr und neun Monate ohne Bewährung. "Völlig überzogen", konterte Verteidiger Jörg Jendricke (Amberg). Er hielt sieben Monate für ausreichend. Die Richterin verhängte ein Jahr und fügte hinzu: "Über Bewährung müssen wir hier nicht mehr reden." Die nun zu verbüßenden Haftaufenthalte summieren sich auf nahezu vier Jahre. Im Gefängnis, so ließ der Schwandorfer anklingen, würde er durchaus auf dem dort heftig zirkulierenden Schwarzmarkt Rauschmittel aller Sorten bekommen. "Doch sie sind zu teuer."
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