33-jährigem türkischen Staatsangehörigen schwere Verletzungen zugefügt
Massive Hiebe und rechtsradikale Parolen

Symbolbild: dpa
Vermischtes
Schwandorf
10.06.2016
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Die Sache war, wenn man so will, eine Art traurige Premiere. Zum ersten Mal hatte das Schwandorfer Amtsgericht einen Fall zu verhandeln, bei dem es um die massive Körperverletzung eines Türken durch Täter mit rechtsradikalem und fremdenfeindlichem Hintergrund ging. Er spielte sich in einer Burglengenfelder Diskothek ab.

Zwei junge Männer saßen auf der Anklagebank. Einer schwieg, der andere machte Angaben. Der 24-Jährige aus Schwandorf gab den Übergriff zumindest teilweise zu. Er ging am 22. Februar 2015 weit nach Mitternacht auf der Toilette einer Disko in Burglengenfeld vonstatten und ließ einen in Augsburg wohnenden türkischen Staatsangehörigen zur Zielscheibe massiver Attacken werden.

Der 33-Jährige wusch sich gerade die Hände, als er von hinten angegriffen wurde. "Heil Hitler" ertönte, kurz darauf "Sieg Heil" und "Kanake". Dann, so berichtete der Mann vor Amtsrichterin Petra Froschauer, sei er mit Hieben ins Gesicht niedergestreckt und, dann am Boden liegen, mit Tritten malträtiert worden. Das Opfer trug schwere Gesichtsverletzungen und einen Gallenblasenriss davon.

Täterschaft eingeräumt


Identifizieren konnte der Türke nur einen der beiden Beschuldigten. Dabei handelte es sich um den 24-Jährigen Schwandorfer. Der räumte zwar seine Täterschaft ein, wollte aber keinesfalls Naziparolen gerufen haben und in die rechtsradikale Ecke gestellt werden. Später sagte ihm die Richterin: "Irgendwie muss da schon etwas dran sein mit einer rechtsradikalen Gesinnung."

Was war mit dem zweiten Angeklagten? Fest stand: Der 22-Jährige aus Burglengenfeld hielt sich im Lokal auf, wurde auch in der Nähe des WC gesehen. Außerdem galt er als Gewalttäter, der zuvor schon drei Männern bei Schlägereien das Nasenbein gebrochen hatte. Gleichwohl konnte ihm auch nach stundenlanger Beweisaufnahme eine Beteiligung an der Attacke nicht nachgewiesen werden. Zumal ihn sein Kumpel aus der Schusslinie nahm. Dabei stand fest: Es mussten zwei gewesen sein, die auf den Wehrlosen mit Schuhen eintraten.

Am Abend eines langen Prozesstages wurde der 24-jährige Schwandorfer zu zehn Monaten Haft mit Bewährung verurteilt. Er war bis dahin nur einmal mit dem Gesetz kollidiert, hatte sich beim Opfer wiederholt entschuldigt und unterstrichen, er könne sich weder rechtsradikale Parolen noch Aggressivität erklären. Er will jetzt auch 1000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Der Mann muss außerdem 150 unentgeltlich Arbeitsstunden in einem Flüchtlingsheim ableisten. Auch das ordnete die Richterin an.

Der zweite Angeklagte bekam einen Freispruch. Doch Grund zur Freude war das nicht für ihn. Denn es existierte eine zweite Anklageschrift. Am 1. November letzten Jahres hatte er im gleichen Lokal völlig grundlos einen 23-Jährigen aus Regenstauf einen Kopfstoß versetzt und ihm das Nasenbein zertrümmert. "Ich war nicht dort", sagte er. Doch die Richterin glaubte das nicht. Für diese gefährliche Körperverletzung gab es jetzt, wie es Staatsanwältin Daniela Spies beantragt hatte, ein Jahr zum Absitzen. Durch dieses Urteil werden nun zwei offene Bewährungsstrafen mit einer Gesamtdauer von nahezu drei Jahren widerrufen.

Prominente Anwältin


Dem Verfahren wohnte die bundesweit bekannte Anwältin Ricarda Lang aus München bei. Sie vertrat die Interessen des übel misshandelten Türken und sagte: "Fremdenfeindlichkeit ist strafverschärfend." Im Urteil gegen den überführten Täter kam das eher nicht zum Ausdruck.
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