38-Jähriger aus dem Landkreis Schwandorf zu acht Jahren Haft verurteilt
Vater missbraucht abermals Sohn

Der 38-Jährige, der am Donnerstag zur Anklagebank schritt, ist Vater dreier Kinder. Einen Sohn hatte er vor über einem Jahrzehnt sexuell schwer missbraucht. Im vergangenen Jahr wurde der damals zweijährige Sohn aus zweiter Ehe sein Opfer. Bild: Wolfgang Steinbacher
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Schwandorf
25.08.2016
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Ein 38-Jähriger aus dem Landkreis Schwandorf hat es wieder getan: Im vergangenen Jahr hat er seinen zweijährigen Sohn sexuell schwer missbraucht. 2003 ist der Mann bereits wegen des gleichen Verbrechens verurteilt worden. Das Urteil diesmal: Acht Jahre Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung.

Schwandorf/Amberg. Vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Amberg wurde der 38-Jährige am Donnerstag wegen schweren sexuellen Missbrauchs in zwei Fällen in Tateinheit mit sexuellem Missbrauch eines Schutzbefohlenen und dem Herstellen kinderpornografischer Schriften verurteilt. Landgerichts-Vizepräsidentin Roswitha Stöber riet dem Angeklagten bei der Urteilsbegründung eindringlich, an einer Sexual-Therapie teilzunehmen, die er während seines ersten Gefängnisaufenthalts standhaft verweigert habe.

Taten aufgenommen


Die unsägliche Tat kam überhaupt erst ans Tageslicht, weil der Angeklagte im Dezember vergangenen Jahres sein Handy im Bad liegen ließ und seine mittlerweile geschiedene Frau die Bilder durchstöberte. Auf Fotos und Videos, die Spezialisten ausgewertet haben, ist zu sehen, wie der Angeklagte seinen damals zweijährigen Sohn einmal im Schlafzimmer und einmal im Wohnzimmer des angemieteten Hauses schwer sexuell missbrauchte. Der 38-Jährige wurde damals noch am selben Tag verhaftet. Wie schwer das Vergehen die Ex-Frau, die als Nebenklägerin auftrat, belasten muss, verrieten ihre Aussagen. Zeitweise habe sie täglich drei bis vier mal geduscht und ihren jüngeren Sohn, das Missbrauchsopfer, nicht mehr wickeln können.

Bereits vor der Verhaftung im August 2015 war es zu einem Vorfall gekommen. Damals nutzte die 38-jährige Mutter den gemeinsamen Rechner. Auf einem USB-Stick fand sie kinderpornografische Bilder. Den Datenspeicher brachte sie daraufhin zu ihrem Nachbarn, der ihn verwahren sollte, und verständigte die Polizei. Zum damaligen Zeitpunkt gab es noch keinen Verdacht wegen schweren sexuellen Missbrauchs, wie Zeugenaussagen ergaben.

Zu allem kommt der Verdacht, dass sich der Angeklagte auch am mittlerweile achtjährigen Bruder des Missbrauchsopfers vergriffen habe. Dies soll allerdings schon etliche Jahre her sein. Der Junge hat einen eindeutigen Satz in diese Richtung geäußert, woraufhin die Mutter das der Polizei meldete. Diese Aussage zog sie aber wieder zurück. Die Frau berichtete vor Gericht, dass ihr jüngerer Sohn nachts schlecht schlafe und wimmere. Der Ältere habe Albträume. Erst während der Verhandlung wurde überhaupt bekannt, dass der Angeklagte Vater beider Kinder ist. In den Akten stand, dass der Erstgeborene nicht sein leiblicher Sohn sei. Das Paar räumte aber unisono ein, dass das Gegenteil der Fall sei. Es steht im Raum, dass sich die beiden dadurch finanzielle Vorteile verschaffen wollten. Der Angeklagte sprach sogar wörtlich von "Sozialbetrug". Ob es etwas damit zu tun hat, dass der 38-Jährige laut den Auflagen nach der ersten Verurteilung keinen Kontakt mehr mit Kleinkindern hätte haben dürfen, bleibt spekulativ. Eine Ergänzung des Führungsaufsichtsbeschlusses hatte dem Mann drei Jahre nach der Geburt des mittlerweile achtjährigen Sohnes den Umgang mit ihm erlaubt. Zwischenzeitlich hatte das Jugendamt eine Inobhutnahme des Kindes erwogen.

Der Angeklagte war über die zwei Verhandlungstage eher ruhig und nahm auch das Urteil recht regungslos auf. Sowohl vor Gericht als auch gegenüber zwei Gutachtern hat der Angeklagte laut Vorsitzender Richterin Roswitha Stöber bereitwillig Auskünfte gegeben. Am Dienstag, dem ersten Verhandlungstag, brach er allerdings in Tränen aus, als die Kammer-Vorsitzende ihn zu seiner Biografie befragte. Die Verhandlung wurde kurzzeitig unterbrochen.

Strategisch geplant


Als es um das Sexualleben des Angeklagten und die ihm zur Last gelegten Tat ging, war die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Ebenso bei den Schlussanträgen des Staatsanwalts Oliver Wagner, der neun Jahre Haft und eine Sicherheitsverwahrung forderte, und des Verteidigers Gunther Haberl, der auf fünfeinhalb Jahre Haft plädierte. Die Frage nach der anschließenden Sicherheitsverwahrung ließ er offen. Zur Last wurde dem Angeklagten auch gelegt, dass er bei den Taten durchaus strategisch vorging. Gegenüber einer Gutachterin hatte er zugegeben, dass er sich an den Kindern vergriffen habe, solange sie nicht älter als zweieinhalb Jahre waren und deswegen nicht von den Übergriffen berichten konnten.
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