48-Jähriger muss sich vor Strafkammer verantworten
Vor Jahren Kind missbraucht?

Vermischtes
Schwandorf
23.03.2016
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Der Mann geht offen mit seiner Homosexualität um. Doch zu Kindern, sagt der 48-Jährige, habe er sich nie hingezogen gefühlt. Genau das aber macht man ihm nun vor dem Amberger Landgericht zum Vorwurf.

Amberg/Schwandorf. Die angeblichen Verbrechen sind zwölf Jahre her. Das macht diesen Prozess vor der Ersten Strafkammer zu einem eher schwierigen Unterfangen.

"Das ist nie passiert"


Auf der Anklagebank sitzt ein Arbeiter aus dem südöstlichen Kreis Schwandorf, der sich als Opfer ungerechtfertigter Vorwürfe sieht. Mit seiner Homosexualität geht er offen um und bedauert sehr, dass sein Lebenspartner vor längerer Zeit starb. Seither lebt er wieder allein in seinem Haus. Anfeindungen habe es öfter gegeben, Anzeigen gegen ihn auch. "Doch da war nichts", lässt er wissen. Und tatsächlich: Ermittlungen der Behörden verliefen immer im Sand.

Im Jahr 2003 soll der heute 48-Jährige einen damals neun Jahre alten Jungen sexuell missbraucht haben. Sieben solcher als Verbrechen zu wertenden Handlungen wirft ihm die Staatsanwältin Michaela Frauendorfer vor. Doch der Arbeiter beteuert: "Das ist nie passiert." Ja, sagt er, den Buben habe er gekannt. Aber nur deswegen, weil dessen Eltern sich trennten und der Vater wiederholt bei ihm in der Wohnung gewesen sei. Dazu habe er mitunter auch seine Kinder mitgebracht.

Das angebliche Opfer ist heute 21 Jahre alt. Vor einiger Zeit schilderte der junge Mann seine Erlebnisse einem Arzt, und er hatte auch nichts dagegen, dass sich Emittlungsbehörden einschalteten. Daraufhin kam es zu seiner richterlichen Vernehmung. Sie wurde mit einer Videokamera aufgenommen und nun im Gerichtssaal gezeigt. Ergebnis: Die angeklagten Übergriffe wurden einzeln geschildert. Dabei ergab sich auch, dass der Mann damals, als Junge von neun Jahren, in dem Haus gewesen sein musste. Der mutmaßliche Sexualtäter hätte seinerzeit Gelegenheit gehabt, der richterlichen Befragung zumindest aus räumlicher Distanz beizuwohnen. Doch er kam nicht. "Warum?", wollte jetzt zum Prozessauftakt die Vorsitzende Richterin Roswitha Stöber wissen. Antwort sinngemäß: Ich konnte aus beruflichen Gründen nicht anwesend sein. Dabei, so der 48-Jährige, sei ihm klar gewesen, "dass ich die Vorhalte entkräften kann."

Keine Verjährung


Kann er das tatsächlich? Fest steht, dass unterdessen keine Verjährung eingetreten ist. Der Mann könnte verurteilt werden. Das weiß er auch. Zu seinen Richtern hat der Arbeiter am ersten Verhandlungstag gesagt: "Ich war immer der Prügelknabe."
Ich war immer der Prügelknabe.Der Angeklagte zur Strafkammer
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