48-Jähriger wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt
Viereinhalb Jahre hinter Gitter

Vermischtes
Schwandorf
24.03.2016
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Amberg/Schwandorf. Wenn Vorfälle zu klären sind, die sich vor zwölf Jahren ereigneten, kann das Urteil zur Gratwanderung werden. Trotzdem zeigte sich das Landgericht überzeugt davon, dass ein heute 48-Jähriger einen damals neunjährigen Jungen sexuell missbrauchte.

Es gab nur zwei Möglichkeiten: Entweder Freispruch oder mehrere Jahre hinter Gitter. Zwei Tage lang verhandelte die Erste Strafkammer des Amberger Landgerichts und hörte vom Angeklagten: "Ich habe nichts gemacht." Dabei blieb der allein in seinem Haus wohnende Mann bis zum Schluss des Prozesses.

Sieben Vorfällle


Dieser Unschuldsbeteuerung standen massive Vorwürfe des mittlerweise 21 Jahre alten Opfers gegenüber. Der Mann brauchte persönlich nicht vor Gericht erscheinen. Stattdessen wurde eine Videoaufnahme seiner Vernehmung vor einem Untersuchungsrichter vorgeführt. Dabei schilderte er ausführlich und in Einzelheiten, wie der Beschuldigte in dessen Haus im südöstlichen Landkreis Schwandorf zudringlich wurde und perverse Dinge verlangte, die als sexueller Missbrauch einzustufen waren. Insgesamt sieben solcher Vorfälle soll es seinen Angaben zufolge gegeben haben. In ihrer Urteilsfindung schien der Strafkammer wesentlich, dass der 21-Jährige die Abläufe nicht nur vor dem Ermittlungsrichter, sondern darüberhinaus auch vor einem Arzt und zwei Psychologinnen stets deckungsgleich und ohne Widersprüche geschildert hatte.

Von Mutter bestätigt


Für noch wichtiger aber hielt sie, dass der damals Neunjährige zum Zeitpunkt der Straftaten die Vorkommnisse auch seiner in der gleichen Ortschaft im südöstlichen Landkreis wohnenden Mutter erzählt hatte. Die Frau war als Zeugin vernommen worden und hatte dargelegt, dass sie nach den Offenbarungen ihrem Sohn verbot, nochmals in das fragliche Haus zu gehen. Die Polizei aber kam seinerzeit nicht ins Spiel. Sie wurde erst viele Jahre später tätig, als sich der junge Mann einem Truppenarzt der Bundeswehr anvertraut hatte.

Im Plädoyer der Staatsanwältin Michaela Frauendorfer kam es dick für den Angeklagten. Sie forderte fünfeinhalb Jahre Haft und ließ anklingen, dass der Gesetzgeber es wolle, solche sexuellen Übergriffe auch lange Zeit nach den Vorkommnissen zu verfolgen. Die Verjährungsfrist liegt mittlerweile bei 30 Jahren. Eigentlich sei nichts erwiesen, warf Verteidiger Hans-Peter Hierl in die Waagschale. Er verlangte Freispruch, stellte der Kammer aber anheim, im Falle eines Schuldspruchs nicht über dreieinhalb Jahre hinauszugehen.

Die Erste Strafkammer verhängte viereinhalb Jahre. Dabei führte die Vorsitzende Richterin Roswitha Stöber ins Feld, dass an der Glaubwürdigkeit des Opfers keine Zweifel bestünden. Der Mann sei als Neunjähriger wiederholt missbraucht worden und leide noch immer unter traumatischen Störungen.
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