52-Jähriger nimmt Elektrobauteile für 50 000 Euro mit - Geständnis sichert ihm Bewährung
Geklaut, betrogen und alles bezahlt

Vermischtes
Schwandorf
13.09.2016
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Drei Jahre lang ging er heim von seinem Arbeitsplatz und hatte Beute dabei. Die Elektrobauteile versteigerte der 52-Jährige im Internet, ließ die Gelder auf sein Konto überweisen und gab nichts davon aus. Als nun vor dem Schwandorfer Schöffengericht die Rechnung aufgemacht wurde, standen satte 50 000 Euro unter dem Strich.

Der Mann, vor zehn Jahren schon einmal wegen eines Seriendiebstahls bei einem Regensburger Paketunternehmen geahndet, hatte eine Vertrauensstellung. Er war bei einem Schwandorfer Großbetrieb im sogenannten Magazin tätig, besaß Zuständigkeit für das Ersatzteillager. Im Juni 2013 begann der heute 52-Jährige aus dem südöstlichen Landkeis damit, wertvolle Stücke aus den Beständen mitzunehmen: Prozessoren, Steuerungsmodule, Multi-Pannels.

Geld angesammelt


Diese Pannels versteigerte er auf einer Internetplattform. Manche brachten 500 Euro, andere aber auch bis zu 4000 Euro. Im Juli letzten Jahres kam man dem Dieb eher durch Zufall auf die Schliche. 29 Verkäufe mit einem Erlös von rund 37 000 Euro konnte man ihm anschließend schlüssig nachweisen. Als Schwandorfer Polizeibeamte die Wohnung des Verdächtigen durchsuchten, stießen sie auf weitere 20 Elektrobauteile im Wert von 13 000 Euro.

"Er wirkte regelrecht erleichtert, als wir kamen", sagte am Mittwoch ein Polizist beim Prozess vor dem Schöffengericht. Zuvor hatte der Angeklagte ein umfassendes Geständnis abgelegt. Dabei stellte sich auch heraus, dass er von den vereinnahmten Geldern keinen einzigen Euro ausgegeben hatte. "Warum war das so?", wollte Richter Ewald Ebensperger wissen und hörte: "Ich hatte Zukunftsängste, habe Schulden abbezahlt, kam auf keinen grünen Zweig mehr". Bereits zu dieser Zeit hatte sich der Mann in psychiatrischer Behandlung befunden. Das gehortete Barvermögen sollte scheinbar als eine Art Notgroschen dienen.

Als Polizei und Staatsanwaltschaft zu ermitteln begannen, geschah Unerwartetes: Der 52-Jährige, damals fristlos entlassen, meldete sich bei seinem Ex-Arbeitgeber und erstattete den angerichteten Schaden in Höhe von 50 000 Euro zurück. "Sehr ungewöhnlich", befanden jetzt die Richter und Staatsanwalt Tobias Kinzler.

Es ging recht einfach


"Sie haben Vertrauen schamlos missbraucht, es wurde Ihnen andererseits aber auch leicht gemacht", resümierte der Anklagevertreter in seinem Plädoyer. Während der Verhandlung hatte sich ergeben, dass in dem Unternehmen nur gelegentlich Kontrollen am Personalausgang stattfinden.

Staatsanwalt Kinzler rechnete dem 52-Jährigen das lückenlose Geständnis an und ließ nicht unerwähnt, dass nur durch konkrete und bereits im Vorfeld gemachte Angaben des Beschuldigten der gesamte Ablauf der Diebstähle und Internetbetrügereien aufgeklärt werden konnte.

Kurioser Fall


Kinzler beantragte zwei Jahre Haft mit Bewährung und war überzeugt davon, "dass er diese Chance nutzen wird". Außerdem verlangte der Staatsanwalt 3000 Euro Geldauflage. "Ein Jahr mit Bewährung ist ausreichend", beschrieb Anwältin Dagmar Ciccotti ihre gewonnenen Eindrücke. Eine Geldauflage, fuhr sie fort, sei nicht nötig: "Er hat schließlich den gesamten Schaden zurückbezahlt."

Nach relativ kurzer Beratung verurteilte das Schöffengericht den 52-Jährigen zu einem Jahr und acht Monaten Gefängnis mit Bewährung. Auf eine Geldbuße wurde verzichtet. Der Mann muss weiter psychologische Beratung in Anspruch nehmen, er bekommt einen Bewährungshelfer.

Unterdessen hat er eine neue Arbeitsstelle gefunden. "Gestohlen und betrogen, dann sofort den Schaden gutgemacht - ein fast schon kurioser Fall, den es so nur selten gibt", sagte Richter Ebensperger in der Urteilsbegründung.
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