60 Migranten im Kreis Amberg, Cham und Schwandorf in Ausbildung
Bester Weg der Integration

Der Syrer Hasan Althamer (Zweiter von links) und Jossuf Hasan aus Somalia (Zweiter von rechts) werden bei EMZ Hanauer zu Fachkräften für Metalltechnik ausgebildet. Wie die angehenden Werkzeugmechaniker Maria Erbrich und Thomas Prüfling sind sie im ersten Lehrjahr. Für Ausbilder Helmut Schönberger (Mitte) ist diese gemeinsame Ausbildung der einzig richtige Weg zur Integration. Bild: Völkl
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Schwandorf
04.11.2016
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Günter Burgespfleger (Jobcenter, von links), Michael Humbs (IHK), Agentur-Chef Joachim Ossmann und Christian Kaiser (Handwerkskammer) berichteten von ersten Erfahrungen mit der Ausbildung und beruflichen Integration von jungen Flüchtlingen. Bild: Götz

"Wir schaffen das", sagte die Bundeskanzlerin. "Wir machen das", könnten 47 Betriebe aus der Region anfügen, die seit September 60 junge Flüchtlinge ausbilden. Die Berufsschulen bereiten gleichzeitig rund 530 junge Migranten auf eine Lehre vor.


„Welcher Weg der Integration könnte besser sein als eine berufliche Ausbildung?“ Joachim Ossmann, der Chef der Agentur für Arbeit, ist voll des Lobes für die Akteure, die sich der Aufgabe gestellt haben. Dazu zählte er auch den Freistaat, der die „Infrastruktur“ bereit stelle, sagte er am Donnerstag. Zusammen mit Günter Burgespfleger (Jobcenter), Ausbildungsberater Michael Humbs (Industrie- und Handelskammer, IHK) und dem stellvertretendem Bereichsleiter Christian Kaiser (Handwerkskammer, HWK) stellte Ossmann erste Erfahrungen vor, die seit dem Start des Ausbildungsjahres in den Betrieben gemacht wurden. Die Akteure hatten sich zuvor zum Austausch getroffen.

Erst kurz im Land


Im Agenturbezirk (Kreise Amberg, Cham, Schwandorf und Stadt Amberg) haben im September 60 Flüchtlinge eine Lehre begonnen. "Eine hohe Zahl, wenn man bedenkt, wie kurz die jungen Leute in Deutschland sind"," sagte Ossmann. Den 47 Ausbildungsbetrieben zollte er besonderes Lob. Entscheidend sei aber auch die Vorbereitung an den Berufsschulen. In den zwei Jahrgängen der Berufsintegrationsklassen (BIK) werden die jungen Leute (bis 25 Jahre) aufs Berufsleben vorbereitet, an den Mittelschul-Abschluss herangeführt. Rund 160 Flüchtlinge besuchen derzeit die "BIK 11" in neun Klassen der Berufsschulen Amberg, Schwandorf, Sulzbach-Rosenberg und Cham. Sie werden 2017 den Abschluss machen. Ein Jahr länger gehen die 370 zur Schule, die jetzt die 21 Klassen der BIK 10 besuchen. Dazu kommen 20, die ein berufliches Übergangsjahr absolvieren - ein Instrument, das auch für schwächere einheimische Jugendliche eingesetzt wird.

Diese Gleichbehandlung setzt sich in der Lehre fort. Eine "vereinfachte" Gesellen- oder Abschlussprüfung werde es nicht geben, versicherten die Vertreter der Kammern. Schließlich gelte es, das hohe Ansehen des Facharbeiterbriefs zu erhalten. Dass dieser Abschluss etwas Besonderes ist, müsse auch den jungen Flüchtlingen erst klargemacht werden, sagte Ossmann. Die duale Ausbildung ist ein deutsches Markenzeichen: "Das müssen wir übrigens auch einem Engländer erklären." Die Berufe, in denen die Flüchtlinge ausgebildet werden, reichen quer durch die Branchen: Von der Fachkraft Metalltechnik über den Kfz-Mechatroniker über Bäcker oder Koch bis hin zu Maurer und Zimmerer.

Große Herausforderung


Den Chefs und Meistern sei klar gewesen, dass die Ausbildung eine besondere Herausforderung werde, sagte Kaiser. Das beginnt mit Formalitäten wie dem Aufenhaltsstatus des jungen Menschen und endet bei den Sprachproblemen noch lange nicht. Die sind die größte Herausforderung für beide Seiten. Auch mit möglichen Vorbehalten unter den Kollegen müsse umgegangen werden. Das gelinge aber sehr gut. Im Laufe der Ausbildung werden sicher noch neue Probleme auftauchen, sind sich die Akteure sicher. Diverse Ansprechpartner in der Agentur, beim Jobcenter, den Schulen und den Kammern helfen hier weiter. Dazu diene auch der laufende Erfahrungsaustausch wie am Donnerstag. Denn, so Ossmann: "Wir wollen nicht nur, dass ein junger Flüchtling eine Ausbildung beginnt, sondern dass er sie auch erfolgreich abschließt."

Wir wollen nicht nur, dass ein junger Flüchtling eine Ausbildung beginnt, sondern dass er sie auch erfolgreich abschließt.Joachim Ossmann, Chef der Agentur für Arbeit
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