Alptraum für die Einsatzkräfte

Zwei der Gäste, die von Kreisbrandrat Robert Heinfling (Mitte) begrüßt wurden: Rechts Melanie Walter aus Bischofsgrün, die von ihrer Erfahrung mit der Gründung von Kinderfeuerwehren berichtete. Links ein Mann, der momentan bundesweit auf Vortragsreisen unterwegs ist: Wolfram Höfler, bis heuer im September Kommandant der Feuerwehr Bad Aibling und im Februar Einsatzleiter bei einem Bahnunglück mit zwölf Toten. Bild: hou
Vermischtes
Schwandorf
14.11.2016
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Was ist Männern und Frauen zuzumuten, die freiwillig in den Rettungseinsatz gehen? Als Wolfram Höfler, Kommandant der Feuerwehr Bad Aibling beim Schwandorfer Feuerwehrsymposium fast zwei Stunden lang berichtet, verdeutlicht sich: Die bei einem Zugunglück geleistete Arbeit übersteigt jede Vorstellungskraft.

In die Katastrophe von einer Sekunde auf die andere. Was Wolfram Höfler und seine Mannschaften am frühen Morgen des 9. Februar dieses Jahres erlebten, war Horror pur. Bei Bad Aibling stießen auf eingleisiger Strecke durch das mutmaßliche Verschulden eines momentan in Traunstein vor Gericht stehenden Fahrdienstleiters zwei Nahverkehrszüge mit ungebremster Wucht zusammen. Triebwagen und Waggons bohrten sich ineinander. Zwölf Menschen starben, über 90 wurden verletzt.

Wolfram Höfler hat es sich angewöhnt, sachlich zu reden. Doch mitunter zeigte auch er, der langjährig erfahrene Einsatzleiter, Emotionen bei seinem Vortrag. In Sonderheit zum Schluss, als der zwischenzeitlich in den Ruhestand getretene Kommandant der Feuerwehr Bad Aibling den Respekt des Stadtrates in seiner Heimatkommune vermisste. Das führte zu der Feststellung des Symposium-Moderators Wolfgang Houschka: "Unsere Hochachtung haben Sie."

Der Mann, in dessen Laufbahn sich Aberhunderte von Einsätzen abspielten, zeigte auf, welche fast schon apokalyptische Lage sich bot, als um 6.52 Uhr an diesem Faschingsdienstag der Alarm kam. Schwieriger Anfahrtsweg entlang eines Wasserkanals, heillose und völlig unübersichtliche Situation beim Eintreffen und Querulanten, die sogleich Schadenersatz verlangten. Was danach anzugehen und zu entscheiden war, kann man nicht üben. Eingeklemmte Menschen, Schwer- und Leichtverletzte, Todesopfer unter verbogenem Blech und Stahl. Ein Chaos.

Der Feuerwehrführer blendete das Schicksal eines 17-Jährigen ein, der erst nach drei Stunden von einem aus 15 Mann bestehenden Aktionstrupp geborgen werden konnte. "Der Junge hat alles mitgekriegt und einen Polizisten darum gebeten, dass er ihn aus Gnade erschießt". In diesem Moment herrschte atemlose Stille im Sitzungssaal des Schwandorfer Müllkraftwerks. "Heute", freute sich Höfler, "ist der Bursche weitgehend wieder in der Lage, sein noch bevorstehendes Leben zu meistern".

Bad Aibling: Nicht nur ein Symbol für die grobe Fahrlässigkeit eines Einzelnen. Weit mehr noch die unglaubliche Leistung von Menschen, die sich mit einer für sie nie vorstellbaren Situation auseinandersetzen mussten. Innerhalb weniger Stunden war die Lage im Griff, hatten Wolfram Höfler und seine Leute die Verletzten und Toten geborgen. Zwei seiner Mitarbeiter haben unterdessen den Feuerwehrdienst quittiert. Sie können bis heute nicht verarbeiten, was ihnen an Schrecklichem widerfuhr.
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