Anerkannte Asylbewerber als Fehlbeleger in Flüchtlingsunterkünften
Nach der Flucht auf der Suche

Abeer Shahadeh (links) und Mousa Alkreidi (Dritter von links) suchen für sich und ihre vier Kinder Firas, Sedra, Haya und Muhammad eine Wohnung. Angi Hirmer (Zweite von rechts) und Mona Bock (rechts) helfen, wo sie können. Doch Wohnungssuche ist ein schwieriges Unterfangen. Bilder: Völkl (2)
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Schwandorf
13.08.2016
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Laut Landratsamts-Pressesprecher Hans Prechtl (links) und Sachgebietsleiter Andreas Bäuml gibt es derzeit 369 Fehlbeleger in den dezentralen Unterkünften des Landkreises.

An der österreichischen Grenze bei Passau kamen im Frühjahr pro Tag 10 000 Flüchtlinge an, heute sind es 40. Die Lage hat sich entspannt. Auch im Landkreis Schwandorf. Und etliche Asylbewerber sind inzwischen - auf Zeit - anerkannt. Jetzt gibt es ein neues Problem. Sie müssten eigentlich die Unterkünfte verlassen. Doch wohin?

Hunderte von sogenannten "Fehlbelegern" in den Unterkünften des Landkreises und der Regierung der Oberpfalz suchen eine Wohnung. "Fehlbeleger" werden diejenigen Flüchtlinge genannt, deren Anerkennungsverfahren positiv abgeschlossen worden ist. Sie fallen dann aus dem Asylbewerberleistungsgesetz und müssten eigentlich aus ihrer bisherigen Unterkunft ausziehen und sich eine eigene Wohnung suchen. Sie sind dann dem Jobcenter zugeordnet und beziehen Arbeitslosengeld II, bis sie beruflich auf eigenen Beinen stehen.

Schwieriges Unterfangen


Doch die Wohnungssuche ist ein schwieriges Unterfangen und ohne die Vermittlung und Unterstützung der ehrenamtlichen Helferkreise schier aussichtslos. Angi Hirmer, die couragiert und zupackend den Pfreimder "Arbeitskreis Asyl" koordiniert, hört sich ständig um, ruft Vermieter an, die in ihren Häusern leerstehende Etagen haben. "35 sagen, sie rufen zurück, aber ich warte immer noch", beschreibt sie die Hemmschwelle vieler Eigentümer, einen Mieter ins Haus zu nehmen. Doch hin und wieder klappt es: Über die aufgeschlossene Wohnungsbaugesellschaft "Vonovia" ergaben sich bereits vier Mietverhältnisse in den Hochhäusern.

Derzeit sucht Angi Hirmer für Mousa Alkreidi, seine Frau Abeer Shahadeh und die Kinder Firas (12), Sedra (11), Haya (10) und Muhammad (9) eine Wohnung. Seit Januar dieses Jahres lebt die Familie in der dezentralen Unterkunft im Pfreimder Lohweg in zwei Zimmern mit Küche. Die Alkreidis kommen aus der Nähe von Damaskus und haben seit Juni den subsidiären Schutzstatus, eine Aufenthaltsgenehmigung auf Zeit. Der 44-jährige Mousa Alkreidi ist gelernter Dreher, hat auch als Frisör und Elektriker gearbeitet. Seine 33-jährige Frau Abeer war als Grundschullehrerin tätig.

Das Paar würde gerne in Pfreimd bleiben. Hier haben sie die Kinder in der Schule angemeldet. Es gibt Integrationsklassen, die Kinder werden im nächsten Schuljahr die neue Migrationsgruppe im Hort besuchen und hier Hausaufgaben machen, während die Eltern den Integrationskurs besuchen, um die deutsche Sprache zu beherrschen. Abeer liebäugelt aber auch mit Schwandorf, wo Verwandte leben.

Der freie Markt


Der Landkreis hatte bei der Suche nach dezentralen Unterkünften viele private Angebote, so der Pressesprecher des Landkreises, Hans Prechtl. Es gebe leerstehende Wohnungen und auch die Zahl der Neubaugenehmigungen spreche für sich. Doch die Wohnungssuche sei dem freien Markt überlassen. Der Landkreis sei kein Wohnungsbauträger. Mit der Anerkennung eines Asylbewerbers ende die Zuständigkeit des Landkreises für Betreuung und Unterkunft. Eine wichtige Vermittlerrolle bei der Wohnungssuche komme den Ehrenamtlichen zu, die manchen Kontakt herstellen können. Wobei es aber auch viele der anerkannten Flüchtlinge in die großen Städte zieht und die Enttäuschung groß ist, "wenn man sich die Wohnung dort nicht leisten kann".

In Pfreimd betreuen Mona Bock und Josef Rauch die Unterkunft im Lohweg als Hauspaten und hören sich für die Alkreidis um. Was noch schwieriger ist: Die Helfer suchen Appartements und Wohngemeinschaften für junge Männer. "Sie wollen Kontakt zu Deutschen und ihrer Mentalität bekommen,", erzählt Angi Hirmer. "Sie wissen, dass die Sprache der Schlüssel zur Integration ist".

"Fehlbeleger" in den Unterkünften"Entspannung, aber noch keine Problemlösung". So beschreiben Hans Prechtl, Pressesprecher des Landratsamtes, und Andreas Bäuml, Leiter der Abteilung Öffentliche Sicherheit und Ordnung und für die Asylbewerberunterbringung zuständig, die Flüchtlingsituation. Die Zahl der Neuankömmlinge gehe zurück und Kosovo-Albaner werden in ihr Heimatland zurückgeführt. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge habe pensionierte Beamte reaktiviert, um den Berg an Asyl-Antragstellungen zu bearbeiten. Es gebe immer noch viele Rückstände, aber die Zahl der Entscheidungen steige. Ein großer Anteil der Asylbewerber im Landkreis kommt aus Syrien, dem Irak und der Ukraine. Im Landkreis Schwandorf leben laut Auskunft der Regierung der Oberpfalz und des Landratsamtes Schwandorf derzeit etwa 1400 Asylbewerber (inklusive unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und Personen in Übergangswohnheimen).

Zum 31. Juli waren in den 16 dezentralen Unterkünften des Landkreises 916 Asylbewerber untergebracht. In Bodenwöhr (26), Bruck (90), Burglengenfeld (79), Maxhütte-Haidhof (62), Nabburg (44), Neunburg vorm Wald (20), Nittenau (28), Oberviechtach (40), Pfreimd (43), Schönsee (15), Schwandorf (351), Schwarzenfeld (24), Steinberg am See (26), Teublitz (10), Wackersdorf (22), Wernberg-Köblitz (31).

Im Zuständigkeitsbereich der Regierung der Oberpfalz liegen die Gemeinschaftsunterkünfte in Teublitz, Neunburg vorm Wald, Pfreimd, Schwandorf-Dachelhofen und in Schwandorf-Jahnstraße. Hinzu kommt die Erstaufnahmeeinrichtung der Dependance Schwandorf (Meiller-Halle). Rund 400 Personen sind derzeit hier untergebracht.

Anerkannt und beim Jobcenter gemeldet sind 596 Flüchtlinge. Die wenigsten für immer. Der größte Teil hat während des Bürgerkriegs Flüchtlingsstatus oder gilt als subsidiär schutzberechtigt, wenn Folter droht. Die vorläufige Anerkennung gilt dann vorerst für bis zu drei Jahre.

Damit ist der Auszug aus der dezentralen oder Gemeinschaftsunterkunft verbunden. Doch wohin, wenn man keine Wohnung bekommt? Der Landkreis meldet rund 300 Fehlbeleger in seinen angemieteten Unterkünften, die Regierung der Oberpfalz etwa 100. (cv)
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