Asien schützt vor Strafe nicht
Freiheitsstrafe zu Bewährung als Denkzettel für säumigen Alimente-Zahler

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Schwandorf
25.04.2016
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Muss jemand, der nach Asien auswandert, trotzdem Alimente für seine Kinder in Deutschland zahlen? "Natürlich", wurde vor dem Schwandorfer Amtsgericht befunden und dem säumigen Zahler eine Freiheitsstrafe zu Bewährung als Denkzettel gegeben.

Er wollte nach gescheiterter Ehe einen Schlussstrich ziehen und in Asien neu beginnen. Also schrieb der heute 56-Jährige seiner Ex-Frau: "Habe Deutschland verlassen." Nahezu parallel dazu kündigte er eine gut bezahlte Stellung, löste seine Wohnung auf und flog nach Asien. Dort heiratete der Oberpfälzer eine Frau, die er zuvor beim Chatten im Internet kennengelernt hatte.

Im südöstlichen Kreis Schwandorf blieben zwei Kinder zurück, die laut vorhandenen Unterlagen monatlich über 600 Euro hätten erhalten müssen. Kaum war ihr Vater in Asien, stellte er seine Unterhaltszahlungen ein. Auch schon deshalb, weil es in seinem neuen Lebensbereich "mit einem von mir und meiner neuen Frau betriebenen Gästehaus nicht erfolgreich lief."

Zwei Jahre lang gab es keinen Cent für Sohn und Tochter. Das summierte sich, wie die Ex-Frau des 56-Jährigen der Richterin Petra Froschauer vorrechnete, auf über 13 000 Euro. Dann kehrte der säumige Zahler plötzlich nach Bayern zurück. Ohne seine neue asiatische Lebenspartnerin und auf der Suche nach Arbeit. Von seinem Unterstützungseinkommen zweigt er gegenwärtig 250 Euro für Alimente ab. Könnte sein, dass sich dies bald ändert. Denn der Mann hat eine Stelle als Taxifahrer in Aussicht.

Mehrfach hielt ihm die Richterin im Verlauf des Prozesses vor: "Sie haben von sich aus Ihre Arbeitsstelle gekündigt. Das hätte nicht sein müssen." Dann verlas sie auszugsweise ein langes Urteil, das vom Landgericht Amberg stammte und den Mann als Betrüger auswies. Drei Jahre hatten ihn die Richter dafür hinter Gitter geschickt. Eine Geldstrafe konnte deshalb nicht mehr in Betracht kommen.

Richterin Froschauer verhängte ein Jahr Haft mit Bewährung und entsprach damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. "Sie haben sich selbst leistungsunfähig gemacht", rügte die Vorsitzende und ergänzte: "Die monatlichen Zahlungen waren fällig." Eine Überweisung hätte auch von Asien aus geschehen müssen. Dabei spielte es für sie keine Rolle, was der 56-Jährige in die Waagschale geworfen hatte: "Ich hätte dort bleiben können. Aber ich bin gekommen, um mich hier zu stellen."
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