Aus Damaskus nach Wernberg-Köblitz
Neun Monate Herbergssuche

Zu Fuß, mit dem Bus und dem Schiff waren die Flüchtlinge unterwegs, ehe sie in Deutschland ankamen. Bild: hfz
Vermischtes
Schwandorf
24.12.2015
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Neun Monate ist der 55-jährige Mustafa mit seinen Verwandten unterwegs. Zu Fuß, mit dem Schiff, im Bus. Auf der Suche nach Sicherheit flüchtet das Quartett von Syrien nach Deutschland - von Damaskus nach Wernberg-Köblitz.

Am 15. September 2014 hat sich Mustafa H. (55) mit seinen beiden Söhnen (25 und 26) und einem Neffen (26) auf den Weg gemacht. Zunächst zu Fuß, dann mit dem Bus und schließlich mit dem Schiff. Am 27. Juni 2015 kamen sie in Passau an. Seit August wohnen die Männer in Wernberg-Köblitz.

Wir waren in Damaskus nicht mehr sicher.Mustafa H. (55)

Sohn entführt


"Wir sind friedliebende Menschen", gibt Mustafa zu verstehen. Er war in Syrien ein erfolgreicher Geschäftsmann. Bomben der Regierung zerstörten seine Fabrik. Die Miliz entführte seinen jüngeren Sohn (15), der nach einer Lösegeldzahlung wieder frei kam und traumatisiert zurückgeblieben ist. Zusammen mit seiner Mutter, die ebenfalls noch in Syrien lebt und auf die Hilfe der Verwandten angewiesen ist.

"Wir waren in Damaskus nicht mehr sicher", erklärt Mustafa. Deshalb ist er mit seinen Söhnen zunächst in den Libanon geflohen. Auch seinen Neffen nahm er mit. Acht Monate lebten sie in Beirut. Dann ging es weiter über die Türkei, Griechenland, Mazedonien und Serbien nach Ungarn. Dort wurden sie mit Fingerabdruck registriert. Die Männer setzten ihre Odyssee fort und reisten über Österreich nach Deutschland ein. Heute leben sie in einer dezentralen Unterkunft in Wernberg-Köblitz.

Zum Deutschkurs


Jeden Tag machen sie sich auf und fahren mit dem Zug nach Schwandorf, um an der Volkshochschule Deutsch zu lernen. Bei Gymnasiallehrerin Anja Kolbeck, die derzeit eine Zusatzausbildung für "Deutsch als Fremdsprache" macht und seit 4. November 21 "Asylbewerbern mit guter Bleibeperspektive " die deutsche Sprache beibringt.

Sie sind schon sehr gut eingebunden in ihre Gemeinde.Lehrerin Anja Kohlbeck

Das Bundesamt für Migration hat kurzfristig 200 Millionen Euro für Sprachkurse bereitgestellt. Aus diesem Topf finanziert die Agentur im Bezirk Schwandorf 17 Sprachkurse mit 700 Teilnehmern. 272 sind es im Landkreis. Einer der Träger ist die Volkshochschule, der zwei Lehrgänge ausgeschrieben hat. Unter den syrischen und irakischen Flüchtlingen sind Lehrer, Grafik-Designer, Computer-Fachleute und Mechaniker. Also Leute mit "hohem Bildungspotenzial", wie Agentur-Leiter Joachim Ossmann bei seinem Besuch feststellte. Auch Lehrerin Anja Kolbeck ist von der "hohen Motivation" ihrer Schüler beeindruckt.

Hoffnung auf Neuanfang


Die Familie von Mustafa H. wünscht sich nichts sehnlicher, als hier arbeiten und in Frieden leben zu können. "Unsere Kinder sollen einmal hier aufwachsen", wünschen sich auch seine Söhne. Sie sind dankbar für die Aufnahme und die Möglichkeit für einen Neuanfang. Die Integration macht gute Fortschritte. "Sie sind schon sehr gut eingebunden in ihre Gemeinde", hat Anja Kolbeck erfahren . Auch heute, am Heiligen Abend, sind sie eingeladen.
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