Auseinandersetzung am Bahnhof
Zechkumpan gewürgt

Vermischtes
Schwandorf
05.07.2016
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Sie waren Stammgäste am Schwandorfer Bahnhof. Allerdings nicht, um Zugverbindungen zu nutzen. Die Männer tranken Billig-Bier und sorgten öfter mal für Ärger. Eine dieser Begebenheiten endete jetzt vor dem Amtsgericht.

Der Bahnhof als Wirtshausersatz. Nicht nur in Schwandorf hat man damit Probleme. Eher selten aber kommt es vor, dass die meist friedlich vereinten Zecher aufeinander losgehen. An einem Oktoberabend vergangenen Jahres geschah das und sorgte für helle Aufregung bei einer Serviceladen-Verkäuferin, die von ihrem Geschäft aus kurz nach 22 Uhr beobachten konnte, wie die Auseinandersetzung in der Wartehalle begann.

"Der war total betrunken", beschrieb sie den Zustand eines 53-Jährigen und ergänzte, zugedröhnt sei dieser Mann eigentlich immer, wenn er den Bahnhof mit seinem zweifelhaften Besuch beehre. Die Frau beobachtete, wie der Schwandorfer plötzlich einen Mitzecher attackierte. Er schlug den weitaus älteren Rentner, würgte ihn. Doch bekam das Opfer eine Bierflasche über den Kopf geschlagen? Die vor Richterin Petra Froschauer aussagende Zeugin hatte nur gehört, dass Scherben klirrten und wollte auch bemerkt haben, dass der attackierte 72-Jährige am Kopf blutete. Als die Polizei eintraf, waren die Kontrahenten verschwunden.

Den mutmaßlichen Täter trafen Beamte auf einem der Bahnsteige an, das Opfer blieb verschollen und rührte sich auch später nicht, als Vorladungen geschrieben wurden. Es gab einfach kein Lebenszeichen von ihm. Polizisten mussten am Verhandlungstag in der Stadt nach dem Rentner suchen. Schließlich fanden sie ihn und führten den 72-Jährigen vor. Während der Angeklagte auf Anraten seines Anwalts Willi Frank schwieg, zeigte sich der nach mühsamer Suche gefundene Zeuge gesprächig. Allerdings mit Erinnerungslücken und in der erkennbaren Absicht, an einer Aburteilung seines Zechkumpans nicht interessiert zu sein.

"Was war damals?", wollte die Richterin wissen. Die Antwort zusammengefasst: "Faustschlag ins Gesicht ja, Würgen stimmt ebenfalls." Und ein Schlag mit der Bierflasche? Daran mochte sich der 72-Jährige nicht erinnern. "Freispruch, weil es keine gesicherten Erkenntnisse gibt", forderte Verteidiger Frank. Dieser Antrag befand sich allerdings nicht im Einklang mit der Meinung von Staatsanwältin Franziska Wilhelm. Sie forderte sechs Monate Haft auf Bewährung und begründete dies damit, dass Körperverletzung Handlungen erwiesen sei. Der 53-Jährige, mit neun Vorstrafen wegen Trunkenheitsdelikten vor die Richterin getreten, bekam vier Monate mit Bewährung. Er muss außerdem, weil arbeitend, 1000 Euro an die Staatskasse zahlen. Im Bahnhof hat der Mann zwischenzeitlich Hausverbot. "Tun Sie etwas gegen Ihr Alkoholproblem", empfahl ihm die Richterin.
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