Bei Ausrufen auf die Wortmelodie achten
Von „Bàsst scho“ bis „Gäi zou“

Vermischtes
Schwandorf
03.09.2016
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"Huschala!", sagt oder denkt sich der Oberpfälzer beim Anblick dieses Radfahrers. Mit einem Wort ist alles gesagt. Bild: NT-Archiv


Bei Ausrufen auf die Wortmelodie achtenVon "Bàsst scho" bis "Gäi zou"

Schwandorf. (slu) Interjektionen (von lateinisch interiectio "Einwurf"; deutsch: Empfindungswörter, Ausrufewörter) sind - zitiert nach Wikipedia - Einzelwörter oder feste Wortverbindungen, die in ihrer Form unveränderlich sind und als satzwertige Äußerungen gebraucht werden. Wortschatzmäßig haben sie zwar keine Bedeutung im engeren Sinn, jedoch drücken sie eine bestimmte Empfindung oder Bewertungs- beziehungsweise Willenshaltung des Sprechers aus wie etwa eine Aufforderung, ein Signal der Kontaktaufnahme oder Kontaktvermeidung. Die genaue Bedeutung ist oft abhängig von der Wortmelodie.

Genauso wie die Standardsprache ist auch der Dialekt reich an solchen Ausdrücken. Einer der bekanntesten, der nicht zuletzt durch die drei gleichnamigen Bücher von Prof. Dr. Ludwig Zehetner schon fast Kultstatus erreicht hat, ist "Bàsst scho!". Der Autor sieht darin (in Band 1, S. 54) eine Entsprechung für "Alles klar, alles paletti!" oder "Geht in Ordnung!". Unter dem Aspekt, dass man Dialektsprechern des Bairischen bzw. Nordbairischen nach dem Motto "Niad gschimpft is glopt gnou." (= "Nicht zu schimpfen ist Lob genug.") eine gewisse Mundfaulheit attestiert, spiegelt sich darin auf die kürzest mögliche Art und Weise ein großes Kompliment wider.

Die inhaltliche Bandbreite der dialektalen Interjektionen ist sehr vielschichtig. Sie reichen von der Artikulation der Anerkennung über jene der Verwunderung bis hin zur Aufforderung, zum Bedauern und zur Ablehnung, wie folgende Beispiele (in wahlloser Reihenfolge) zeigen: Allerlejsterl, Allerlejstshercherl, O Hercherl, Jessas, Oha, Uiala, Ja Pfiategod/Pfejtegod (schejne Baierin), Mi hosd kaud, Oläck, Mi läckst, Sàcksndi, Sàppradi, Herschafd Saitn, O mei, Mir gãngst und Gäi waider / zou.

Dabei beinhaltet eine Interjektion mitunter neben einem übertragenen auch einen konkreten Sinn. Dies ist der Fall bei dem Beleg "Gäi waider! / Gäi zou!", der einerseits eine Aufforderung zum Weitergehen bedeutet, andererseits aber auch Erstaunen bzw. Verblüffung vermittelt. Ein weiteres Bedeutungsfeld, bei dem Ausrufe eine Rolle spielen, ist Unbehagen, wie etwa bei "Huschala!", wenn jemand friert, "Hoasala!", wenn jemand mit starker Hitze in Berührung kommt, sowie "Auala!" und "O wäiala!", wenn jemand Schmerz empfindet. Eng verbunden mit dem beschriebenen Phänomen sind auch sehr kurz gefasste Fragen, bei denen sich nur der Eingeweihte der vollen Tragweite der implizierten Bedeutung gewahr wird.

Eine der geläufigsten derartigen formelhaften Wendungen ist "Hosd me?" (= "Hast du verstanden?"), einem breiten Publikum bekannt durch die gleichnamige Sendung des Bayerischen Rundfunks (wenn auch anders geschrieben), bei der fast jeden Nachmittag der Sinn eines Dialektworts erraten werden muss, zu dem dann der Dialektexperte Prof. Dr. Anthony Rowley die Lösung liefert. Auf die Spitze getrieben ist die Prägnanz bei "Hã?", das auf eine in der Regel auch bei einem Dialektsprecher als sehr unhöflich empfundene Art und Weise für "Wie bitte?" steht.

Die Aufzählung der Beispiele auf dem in diesem Beitrag behandelten Gebiet ließe sich noch ziemlich lange fortsetzen, und so mancher Leser wird wohl eigene, spezifische Ausdrücke beisteuern können. Beendet sei die Liste - nicht zuletzt auch im Sinne eines Ratespiels - trotzdem mit einer der expressivsten Interjektionen, nämlich "Graimbompmölement!".

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Weitere Informationen im Internet:

www.onetz.de/themen/dialekt
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