Beleiddigungen kommen per Handy
Drei sind einer zuviel

Symbolbild: dpa
Vermischtes
Schwandorf
14.10.2016
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Manchmal wird der Gerichtssaal zu einer Art Waschsalon umfunktioniert und dort viel schmutzige Wäsche in die Trommel gesteckt. Richter müssen sich da mit Geduld wappnen und geduldig alles zur Kenntnis nehmen, was an Unflat zutage tritt.

Zwei Männer, eine Frau und ein Dreickecksverhältnis. Die Schwandorfer Amtsrichterin Petra Froschauer hatte sich mit den unliebsamen Folgen dieser im Grunde genommen eher rein privaten Angelegenheit zu befassen. Allerdings nur, weil es zu heftigen Beleidigungen kam. Nicht mündlich. Man schrieb sich unfreundliche SMS-Botschaften. Hintergrund: Eine 42-Jährige aus dem Landkreis hatte heuer im Frühjahr ihren Mann verlassen. Sie tat es nach eigenem Bekunden nach leidvollen Erfahrungen, die sie angeblich mitmachen musste. Deutlich wurde vor der Richterin aber auch sehr rasch, dass es einen anderen gab. Mit dem wohnt sie seither zusammen.

Beleidigungen per SMS


Der verlassene Ehemann soll nach dem relativ abrupt erfolgten Auszug seiner Gattin sehr häufig zum Handy gegriffen und beleidigende Nachrichten verschickt haben. Sein Nebenbuhler, jetzt auf der Anklagebank, behauptete das und informierte die Vorsitzende ferner davon, dass auch eine Drohung ausgestoßen wurde. Er werde "über Leichen gehen", soll der 46-Jährige ins Telefon getippt haben. Doch wegen seiner SMS-Botschaften wurde vom Angeklagten nie Anzeige gegen ihn erstattet. "Ich war mal bei der Polizei. Dort hat man mir davon abgeraten", hörte die Richterin. Also ließ er es bleiben. Was folgte, wurde allerdings sehr wohl aktenkundig. Der 48 Jahre alte Beschuldigte gab sofort zu, dass er nach einigem Unflat, der an ihn andressiert war, die Beherrschung verloren und ebenfalls Nachrichten abgesetzt habe, die aus der untersten Schublade stammten. Zum Beispiel "Pickelfresse", "Stück Mist" und einiges andere, das nicht zitierfähig ist. "Ich habe mich dazu hinreißen lassen", erfuhr Richterin Froschauer.

"In der ersten Erregung"


Der Empfänger dieser SMS-Schmährufe erstattete Anzeige und sagte nun als Zeuge, dass er selbst keineswegs den Anlass zu solch harschen Reaktionen gegeben habe. Die Vorsitzende bohrte daraufhin mehrfach nach. Und siehe da: Auch er hatte, als ihn seine Frau fast schon Knall auf Fall verließ, Nachrichten verschickt. "Aber nur, was man halt in der ersten Erregung so von sich gibt." Genaueres konnte nicht mehr festgestellt werden. Denn seine verbalen Attacken wurden gelöscht. Dies trat im Verfahren ebenso zutage wie der Umstand: Selbst wenn es jetzt noch zu einer Anzeige käme, wäre die vom Gesetzgeber vorgegebene Frist bereits verstrichen.

"Es sollte von Strafe abgesehen werden", regte Verteidiger Norbert Rötzer für seinen Mandanten an und ergänzte, dass sich die gegenseitig erfolgten Verbalentgleisungen wohl die Waage hielten. Doch dieser Auffassung schloss sich die Richterin nicht an Sie sprach von "erwiesenen Beleidigungen durch den Angeklagten" und verhängte 1200 Euro Geldstrafe. Zuvor hatte sich Staatsanwältin Jennifer Jäger für eine Ahndung in Höhe von 1600 Euro ausgesprochen. Mit dem gleichen Argument: "Das hätte er nicht schreiben dürfen."
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