Beschäftigung für Polizei und Justiz, und am Ende viel Wirbel um nichts
Streit unter Geschwistern führt zum Prozess

Vermischtes
Schwandorf
13.01.2016
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Ungewöhnlich, diese Geschichte. Wiederholt hat eine im südöstlichen Kreis Schwandorf lebende Frau ihren Bruder angezeigt und dabei bewirkt, dass der Mann von der Justiz bestraft wurde. Jetzt allerdings endete eine neuerliche Meldung bei der Polizei wie das berühmte Hornberger Schießen.

Er wollte mit seiner getrennt von ihm lebenden Ehefrau reden. Deshalb, so gab der 32-Jährige vor der Amtsrichterin Petra Froschauer zu Protokoll, sei er mit dem Fahrrad an einem Sommerabend des vorvergangenen Jahres von Kallmünz bis herauf in den südöstlichen Kreis Schwandorf gekommen. "Mit dem Rad?", hakte die Vorsitzende nach und erfuhr: "Jawohl."

Im gleichen Ort wohnt auch die Schwester des Arbeitslosen. Sie will bemerkt haben, wie ihr Bruder zunächst zu Fuß des Weges kam. Und zwar ziemlich betrunken. Dann habe er sich mit seiner Noch-Ehefrau in einem Park unterhalten und sei dann, so die 38-Jährige, mit einem Auto an ihr vorbeigefahren. Ein nicht zu duldender Zustand, der sie dazu bewogen habe, ihrem zu dieser Zeit gerade an seiner Arbeitsstelle befindlichen Mann eine SMS zu schreiben. Inhalt sinngemäß: "Mein Bruder fährt betrunken. Was soll ich tun?"

Minuten später geriet die Amtsmaschinerie ins Rollen. Der Mann meldete die angeblich von seiner Gattin gemachte Beobachtung bei der Polizei. So kam es dann, dass Regenstaufer Polizisten ausrückten und den zwischenzeitlich nach Kallmünz zurückgekehrten 32-Jährigen in seiner Wohnung festnahmen. Ihre Überprüfung ergab: 1,3 Promille und kein Führerschein. Ein Auto aber konnten sie nicht finden.

Nicht verwertbar


Fuhr er nun betrunken mit dem Auto oder nicht? "Natürlich nicht", ließ der 32-Jährige zunächst vor den Polizisten und jetzt auch sehr entrüstet vor der Amtsrichterin Froschauer vernehmen. Gegenfrage: "Und wie sind Sie dann heimgekommen?" Die Antwort war abenteuerlich: "Mich hat einer heimgefahren." Wer? "Ich habe ihn rein zufällig dort getroffen und ihm 20 Euro Benzingeld gegeben." Sein Name? "Kenne ich nicht." Das Gegenteil war nicht zu beweisen.

Nach Abschluss der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen hatte die 38-Jährige einen Bußgeldbescheid über 1200 Euro wegen falscher Verdächtigung bekommen. Sie legte Einspruch ein und ging nun mit einer Einstellung des Verfahrens heim. Das geschah weniger wegen der doch sehr zweifelhaften Angaben ihres Bruders.

Viel mehr war für Richterin Froschauer und Staatsanwalt Jan Prokoph von Bedeutung, was der von ihr per SMS verständigte Ehemann als Zeuge wissen ließ. Er sagte: "Sie hat mich gefragt, was sie tun soll. Und ich habe dann die Polizei angerufen." Also ging, so wurde befunden, die Anzeige in diesem Fall nicht unmittelbar von ihr aus.

Damit war die merkwürdige Angelegenheit vom Tisch. Mit einem faden Beigeschmack. Denn nicht lange nach ihrer Beobachtung hatte die 38-Jährige ihrer im gleichen Ort lebenden Mutter offenbar mitgeteilt, sie habe ihrem Bruder "eins auswischen" wollen. Das stand zwar so in einem polizeilichen Vernehmungsprotokoll, doch vor Gericht mochte die 66-Jährige jetzt keine Angaben mehr machen. Dabei galt: Nur das, was vor der Justiz gesagt wird, kann verwertet werden. In diesem Fall also nichts.
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