Betreuer selber bestimmen

Waltraud Brettner, Rita Sebald, Christine Lehmer und Wolfgang Meischner (von links) raten jedem Menschen ab dem 18. Lebensjahr zu einer Vorsorgevollmacht. Bilder: Hirsch (2)
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Schwandorf
26.11.2016
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"Für sie bin ich Mutterersatz." Zitat: Brigitte Koch-Singer betreut eine 21-jährige Frau

2355 Betreuungsfälle sind im Landkreis registriert. Drei Viertel der Betreuer stammen aus dem familiären Umfeld der Betroffenen, den Rest der Fälle übernehmen vom Gericht bestellte Vereins- oder Berufsbetreuer. Jemanden als Betreuer einzusetzen, ist Vertrauenssache.

Wer das Risiko vermeiden möchte, in eine "Betreuungsfalle" zu tappen, sollte eine Vorsorgevollmacht erteilen. "Dafür ist es nie zu früh, aber häufig zu spät", sagt Wolfgang Meischner. Der Leiter der Betreuungsstelle des Landratsamtes rät jedem Bürger ab dem 18. Lebensjahr, einen entsprechenden Vordruck auszufüllen und dort kundzutun, wem er im Falle von Krankheit oder Unfall die Fürsorge übertrage. Liege nämlich keine schriftliche Vollmacht vor, setze das Gericht einen Betreuer ein. Das koste Geld und berge Risiken in sich, so Meischner. Dass sich darunter immer wieder auch "ein paar schwarze Schafe" befänden, sei in den Augen von Wolfgang Meischner zwar bedauerlich, sollte "den Ruf der seriös und verantwortlich handelnden übrigen Betreuer aber nicht schädigen".

Zwei, die von Berufs wegen "betreuen", sind Rita Sebald und Waltraud Brettner vom Betreuungsverein der Lebenshilfe. Sie haben aktuell 69 Personen unter ihrer Obhut und kümmern sich um das Wohnumfeld, die wirtschaftlichen Angelegenheiten und die Gesundheitsvorsorge und vertreten die Betroffenen vor den Behörden. Rita Sebald empfiehlt zusätzlich eine Vollmacht für die finanziellen Dinge, "denn die Banken erkennen die Vorsorgevollmacht oft nicht an". Zu den Querschnittsaufgaben des Betreuungsvereins zählt sie auch die Gewinnung, Beratung und Fortbildung von ehrenamtlichen Betreuern.

Seit 1996 arbeitet Christine Lehmer an der Betreuungsstelle des Landratsamtes und weiß um die Probleme, die sich ergeben können, "wenn keine Betreuungsvollmacht vorliegt". Wenn Vermögen, Grundstücke oder Immobilien vorhanden seien, rät Lehmer zu einer notariellen Hinterlegung der Vollmacht. Der Gesetzgeber setze dem Betreuer klare Grenzen und erlaube zum Beispiel nicht, eine Immobilie eigenständig zu verkaufen, Bankgeschäfte ohne gerichtliche Vollmacht zu tätigen oder für die zu betreuende Person ein Testament zu verfassen.

Im Landkreis kümmern sich insgesamt 25 hauptamtliche und eine Vielzahl ehrenamtlicher Betreuer um Menschen, die Hilfe benötigen. Eine von ihnen ist Brigitte Koch-Singer, die dieses Ehrenamt mit einer jährlichen Aufwandsentschädigung von 399 Euro seit sieben Jahren ausübt und aktuell fünf Personen betreut. Darunter auch eine 21-jährige Frau, die in schwierigen Familienverhältnissen aufgewachsen ist und mittlerweile mit einem Lebenspartner ein Kind hat. "Für sie bin ich ein Mutterersatz", sagt Brigitte Koch-Singer.

Waltraud Brettner sieht schon auch die Gefahr des Missbrauchs. Die Vollmacht könne nur bei klarem Verstand widerrufen werden, später nicht mehr. "Missbrauchsfälle werden oft Jahre später erst bekannt, wenn überhaupt", weiß Christine Lehmer. Deshalb sollte sich jeder gut überlegen, wem er die Vollmacht überträgt. Ein Bedarf an ehrenamtlichen Betreuern bestehe immer, unterstreicht Wolfgang Meischner. Vor allem im östlichen Landkreis gebe es noch eine Versorgungslücke.

Für sie bin ich Mutterersatz.Brigitte Koch-Singer betreut eine 21-jährige Frau
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