Betrug mit zwei schwangeren Frauen klappt nicht - Nach Geständnissen: Landgericht verhängt drei ...
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Schwandorf
20.09.2016
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Schwandorf/Amberg. (hou) Umfassende Geständnisse können vor Gericht Pluspunkte einbringen. Das wird am Beispiel von drei Männern deutlich, die sich auf dreiste Weise ein finanzielles Zubrot in siebenstelliger Höhe verdienen wollten. Dafür müssen sie nun nicht hinter Gitter und erhielten Bewährungsstrafen.

Drei Verhandlungstage hatte die Erste Strafkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Vizepräsidentin Roswitha Stöber gegen die aus dem Kreis Schwandorf und aus Herborn (Hessen) stammenden Männer angesetzt (wir berichteten). Doch schon am zweiten Prozesstag konnten Urteile gesprochen werden. Der Grund: Bei einem sich hinter verschlossenen Türen anberaumten Rechtsgespräch hatten die Anwälte in Anwesenheit des Staatsanwalts mit den Richtern Bewährungsstrafen für den Fall ausgehandelt, dass ihre Mandanten die Betrügereien gestehen würden. Das geschah dann auch.

Die Beschuldigten im Alter von 34, 42 und 51 Jahren gehörten zum Vorstand bzw. zum Aufsichtsratsgremium einer Unternehmens- und Managementberatung im östlichen Kreis Schwandorf. Zwei von ihnen spannten dann ihre jüngeren Ehefrauen für einen Plan ein, der einen warmen Geldregen von zwei Krankenkassen bringen sollte. Zu dem Vorhaben gehörte: Die Damen musten schwanger werden - und das wurden sie dann auch.

Zum Schein waren mit den beiden Frauen Arbeitsverträge geschlossen worden, die sie als hoch dotierte weil mit speziellen Voraussetzungen ausgestattete Bedienstete der Unternehmensberatung auswiesen. Wenige Tage nach den angeblichen Dienstantritt wurden alle zwei dann bei den für sie zuständigen Krankenkassen per ärztlichem Attest als während der Schwangerschaft arbeitsunfähig gemeldet. Bei einer schlugen satte 20 000 Euro monatliches Salär zu Buche, bei der anderen waren es sogar 100 000 Euro Monatsgehalt. Die Kassen hätten unter Zugrundelegung des sogenannten Aufwendungs-Ausgleichsgesetzes (etwas völlig anderes als Leistungen bei Mutterschutz) zahlen sollen. Eine von ihnen machte es tatsächlich. Man wunderte sich zwar über 20 000 Euro, die alle vier Wochen an eine damals 22-Jährige überwiesen werden sollten. Doch letztlich griff die Assekuranz in ihre Schatulle und legte für neun Monate 180 000 Euro auf den Tisch. Anders lief es bei der zweiten Krankenkasse. Dort hielt eine argwöhnisch gewordene Sachbearbeiterin die 100 000 Euro pro Monat für ein Hirngespinst und übergab den Fall ihren Hausjuristen. Aus den angestrebten 900 000 Euro wurde also nichts. Es gab keinen Cent. Stattdessen kümmerten sich ab da die Ermittlungsbehörden.

Im Urteil sah sich die Strafkammer an ihre Zusicherung gebunden. Gegen zwei der Angeklagten verhängte sie Freiheitsstrafen in Höhe von 24 bzw. 21 Monaten. Der dritte Beschuldigte, nur am Versuch des versuchten Betrugs beteiligt, erhielt 11 Monate mit Bewährung. Außerdem müssen die Männer Geldbußen zwischen 1000 und 4000 Euro an gemeinnützige Einrichtungen zahlen.
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