Betrugsprozess platzt immer wieder - Justiz will sich nicht mehr auf der Nase herumtanzen lassen
Attest-Wortwahl macht Richterin stutzig

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Schwandorf
10.09.2016
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Der Mann wohnt in Stuttgart. Er hatte sich von einer im östlichen Kreis Schwandorf angesiedelten Metzgerei Schinken- und Wurstwaren schicken lassen, blieb aber die Bezahlung schuldig. Daraufhin gab es eine Betrugsanzeige, es ermittelte Staatsanwaltschaft. Kein größerer Kriminalfall sicherlich, aber mit erheblichem Verwaltungsaufwand bei der Justiz behaftet. Seit Januar versucht das Schwandorfer Amtsgericht nun erfolglos, den Stuttgarter zum Prozess zu laden. Immer dann, wenn sie das tut, kommt der Brief eines Arztes, der dem Beschuldigten bescheinigt, dass er wegen eines Rückenleidens (so wörtlich) "nicht in den Oberfranken reisen kann."

"Schreibt so etwas jemand, der studiert hat?", fragte sich nun die Amtsrichterin Petra Froschauer, als ihr der zwischenzeitlich vierte Verhandlungstermin geplatzt war. Irgendwie ahnt sie in dem Vorgehen eine Art Verzögerungstaktik. Deshalb möchte die Juristin nun zunächst klären, ob der in den Briefköpfen genannte Mediziner die Atteste wirklich ausstellte, und parallel dazu selber einen Amtsarzt zur Begutachtung einschalten. "Kann sein, dass man uns auf der Nase herumtanzen will", unterstrich sie ihre Vermutung. Doch die Justiz verfüge da schon über gewisse Instrumente, um die Reisefähigkeit wegen eines angeblichen Rückenleidens überprüfen zu lassen, ließ sie wissen.
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