Bewährungs-Chance für 46-Jährigen
Alkohol als Triebfeder

Symbolbild: dpa
Vermischtes
Schwandorf
11.08.2016
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Im Gerichtssaal warteten alle auf ihn. Doch der 46-Jährige stand daheim unter der Dusche und sagte später, vorgeführt von einem Polizisten, er habe "die Ladung nicht bekommen." Seltsam: Seine Lebensgefährtin, mit ihm unter einem Dach wohnend, war erschienen.

Bei der Verhandlung machte der nur gelegentlich arbeitende Mann das Vorstrafenregister von zwei Dutzend voll. Als diese Ahndungen verlesen wurden, offenbarte sich: Seit den 1980er-Jahren hatte der in Schwandorf wohnende 46-Jährige eine Vielzahl gravierender Delikte begangen: Körperverletzungen in Serie, Übergriffe im Vollrausch, Diebstähle, Trunkenheitsfahrten und eine Vergewaltigung. Dass er nun, nach etlichen Gefängnisaufenthalten, Bewährung bekam, löste bei Beobachtern Erstaunen aus.

Erneuter Übergriff


Der Gelegenheitsarbeiter hatte seine 20 Jahre jüngere Partnerin schon einmal übel traktiert. Dabei erlitt die Frau Blutungen am Jochbein. Das war im Juni letzten Jahres. Eher glimpflich davongekommen, rastete er heuer im Februar erneut aus. Der 46-Jährige griff sich in der gemeinsamen Wohnung seine Freundin, warf sie auf ein Sofa, drückte ihr beide Daumen in die Augen. Dabei sagte er: "Wenn ich die Kleine nicht sehen darf, brauchst du sie auch nicht zu sehen."

Streit ums Kind


Die Kleine ist eineinhalb Jahre alt und das gemeinsame Kind von Täter und Opfer. Unterdessen ist die junge Frau erneut schwanger. Sie bestätigte vor der Amtsrichterin Petra Froschauer nun zwar den abermaligen Übergriff, stellte sich aber an die Seite ihres Partners und ließ hoffnungsvoll anklingen, er trinke jetzt "höchstens noch eine Halbe Bier."

Weg also vom Alkohol, der die Triebfeder bei vielen der Vorstrafen war? Schwer zu glauben zwar, aber als Argument in Justitias Waagschale geworfen.

Bilder von blau unterlaufenen Augenpartien wurden im Gerichtssaal gezeigt. Erkenntnisse über brutale Vorgehensweisen des Angeklagten kamen zur Sprache. Das veranlasste Staatsanwältin Jennifer Jäger dazu, für eine Inhaftierung des 46-Jährigen zu plädieren. Sie beantragte acht Monate Gefängnis. Die Prognose seit trotz allem gut, argumentierte Anwalt Heinz Ettl und trat dafür ein, dem Mann eine Chance zu geben. So geschah es dann auch: Der Angeklagte erhielt acht Monate zur Bewährung.

Er muss 200 gemeinnützige Arbeitsstunden bei der Stadt Schwandorf ableisten und bekam von der Richterin mit auf den Weg: "Wenn Sie wieder tätlich werden, wandern Sie hinter Gitter."
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