Bewährungsstrafe für reisenden Einbrecher

Vermischtes
Schwandorf
28.01.2016
74
0

Dem reisenden Dieb boten sich fast schon paradiesische Zustände. Er stand vor offenen Türen, musste nur noch zugreifen und war schwer bepackt, als er zu seinem Auto ging. Erbeuten konnte er über 13 000 Euro Bargeld, eine Münzkollektion und eine Briefmarkensammlung, die ihn letztlich dann verraten sollte.

Vor Einbrechern warnt die Polizei besonders im grenznahen Gebiet. Also müsste alles fest verriegelt sein. Häuser, Autos und eben alles, was lichtscheue Leute vom Beutezug abhalten kann. Und dann ereignet sich etwas, das fassungslos macht. Es geschah in einer Mai-Nacht vorvergangenen Jahres im östlichen Landkreis.

Der damals 30-Jährige, aus Cottbus stammend, war offenbar bundesweit mit seinem Auto unterwegs und lebte aus dem Erlös von Straftaten. In Memmingen und Garmisch machte er Beute, in Tittmoning und Worms war er zugange. Zwischendrin saß er im Gefängnis. Danach führte ihn seine Reise in die Oberpfalz. Der Mann hatte keinen blassen Schimmer, wo er sich gerade aufhielt. Er sah nur weit nach Mitternacht ein Dorf und kurvte durch dessen Neubaugebiet.

Vor dem Amberger Schöffengericht schilderte der heute 32-Jährige jetzt, wie er sein Glück einfach probierte - und es auch fand. Für ihn fast schon wie ein Sechser im Lotto: Er gelangte in unversperrte Autos, drang über nicht zugeschlossene Türen ins Tiefgeschoss eines Hauses vor. Die dort lebenden Leute schliefen, merkten nichts vom Eindringling.

Beute im Auto verstaut


Zwei der nun debattierten Tatorte lagen unmittelbar nebeneinander. Im Keller des ersten Hauses fand der Dieb knapp 9000 Euro Bargeld. In einem Fahrzeug, das draußen auf der Straße stand und seinen Angaben zufolge nicht verriegelt war, lag eine Geldtasche mit 3500 Euro Inhalt. Dieser Betrag sollte angeblich aus dem benachbarten Haus geklaut worden sein. Doch das bestritt der Täter: "Da war ich nicht drin." Aus zwei weiteren Autos holte sich der Mann kleinere Geldbeträge. Ferner stand in der Anklage: In dem von ihm heimgesuchten Kellergeschoss nahm der zunächst völlig unerkannt gebliebene Täter eine Briefmarkensammlung und eine Münzkollektion mit. Auch das gab er unumwunden zu.

Es gab noch einen dritten Tatort im gleichen Wohnviertel. Dort kamen in besagter Nacht aus zwei Personenwagen zwei kleinere Geldsummen weg. "Das", sagte der 32-Jährige jetzt zu Richter Markus Sand, "bin ich nicht gewesen." Der Vorsitzende wunderte sich: "Wenn Sie schon alles andere zugeben, können Sie auch das gestehen", ermunterte er den Angeklagten. Doch der blieb standhaft: "Ich hatte schwer zu tragen, bis alles im Auto war. Warum hätte ich da noch hinfahren sollen?" Der Fall wurde später als ungeklärt abgehakt.

Der Beutezug in dem kleinen Dorf blieb über längere Zeit hinweg in den Fahndungsakten der Polizei. Keine Spur vom Täter. Irgendwann aber kontrollierten uniformierte Beamte in Baden-Württemberg das Auto des reisenden Täters und stellten eine Briefmarkensammlung sicher. Sie stammte aus der Diebstahlsserie im Kreis Schwandorf.

Prognose bringt Chance


Der Angeklagte schilderte vor Gericht seinen Ausflug in die Oberpfalz detailliert und in hochintelligent formulierten Sätzen, er entschuldigte sich und hörte von den damals Geschädigten, dass Versicherungen in einem Fall gar nichts und im anderen nur 1500 Euro erstatteten. Der Mann ist heute in einer betreuenden Einrichtung für entlassene Strafgefangene in Görlitz untergebracht und bekam von einem Sozialpädagogen beste Prognosen für seinen künftigen Weg. Das machte die Urteilsfindung nicht einfach.

Eine gewisse Läuterung könne ja sein, befand Staatsanwältin Dr. Isabel Rupprecht. Nur dürfe es nicht angehen, dass angesichts der Vorstrafenliste nochmals Bewährung zur Diskussion stehe. Deshalb beantragte sie zweieinhalb Jahre zum Absitzen. Anwalt René Thalwitzer (Bayreuth) sah seinen Mandanten auf einem guten Weg und bat, man möge ihm diesen nicht versperren. Das Schöffengericht stellte sich an die Seite des Verteidigers und verhängte zwei Jahre Haft zur Bewährung.

Zumindest in kleinen Teilen kann der angerichtete Schaden beglichen werden. Bei dem überführten Dieb waren 4000 Euro sichergestellt und der Staatsanwaltschaft übergeben worden. "Das Finanzielle spielt zwar auch eine Rolle. Doch viel schwerer wiegt der bei uns angerichtete psychische Schaden", hatte während der Verhandlung ein Mann gesagt, aus dessen Keller Wertvolles abhanden gekommen war. Er und seine Frau schliefen zu dieser Zeit tief und fest. Doch da gab es eben Türen, die man nicht aufbrechen musste, um an Beute zu gelangen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Gericht (563)Staatsanwalt (20)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.