Bier für den Katastrophenfall

Der Begriff "Hamsterkäufe" hatte in den vergangenen Tagen Konjunktur. Von manchem wird die Vorsicht bespöttelt, aber für Zivilschützer ist klar, dass es immer gut ist, ein paar Konserven zu Hause zu haben. Bilder: Dobler (2)
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Schwandorf
25.08.2016
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Bei Thomas Holzwarth laufen im Landratsamt die Fäden zusammen, wenn es um Zivil-, Brand- und Katastrophenschutz geht.

Er hat 68 Seiten, dieser neue Ratgeber. Selten wurde über eine Publikation aus dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe so viel berichtet. "Wir haben auch erst aus der Presse davon erfahren", versichert Thomas Holzwarth. Dabei hätte er die Broschüre als einer der ersten kennen müssen.

Mit einem überarbeiteten Konzept für den Katastrophenfall will die Bundesregierung derzeit Deutschland gegen Bedrohungen durch Terror, Cyberangriffe und militärische Attacken wappnen. In dem fast 70-seitigen Papier werden die Bürger auch aufgerufen, Lebensmittelvorräte anzulegen - wie das Behörden schon seit langem empfehlen. Die Bundesregierung wollte das neue Konzept gestern im Kabinett beraten. "Ich habe es mir schon durchgesehen," informierte Thomas Holzwarth auf Nachfrage unserer Zeitung.

Holzwarth ist Sachbearbeiter im Schwandorfer Landratsamt und dort zuständig für Zivil-, Brand- und Katastrophenschutz. Sein erster Eindruck vom Ratgeber: "Da steht im Grunde nichts Neues drin." Schon bislang habe es Ratschläge gegeben, wie man sich im Krisenfall zu verhalten habe. "Aber das stand in Flyern, die keinen interessiert haben", bedauert der Beamte.

In dem neuen Papier werden ausführlich jene Vorkehrungen beschrieben, die aus Sicht der Regierung nötig sind, um die Staats- und Regierungsfunktionen, die Verteidigungsfähigkeit und die Versorgung und den Schutz der Bevölkerung sicherzustellen. Einen besonderen Schwerpunkt hat dabei die Versorgung der Bevölkerung, unter anderem mit Trinkwasser, Nahrungsmitteln und Medikamenten. Die Bürger sollen demnach auch in Eigenregie Vorräte anlegen, um die Zeit zu überbrücken, bis staatlich organisierte Hilfe eintrifft. Sie seien angehalten, für einen Zeitraum von fünf Tagen "je zwei Liter Wasser pro Person und Tag" vorzuhalten und Lebensmittel für zehn Tage, heißt es in dem Papier. Aber das kommt aus Berlin und Holzwarth weiß, dass sich zumal der Bayer Flüssigkeit auch anders als in Wasserform einverleibt. "Das geht mit Bier genauso gut", sagt er und schmunzelt. Aber ganz auf Wasser würde er trotzdem nicht verzichten. "Das kann man ja auch zum Waschen nehmen, wenn die Pumpen im Katastrophenfall versagen."

Schnee im Überfluss


Man merkt im Gespräch, dass Holzwarth ein bisschen Dramatik aus dem Thema nehmen möchte. Keinesfalls denkt er dabei an Terrorismus, aber andere Krisen haben den Landkreis schon getroffen, erinnert er, wenn auch eher den Osten - dort gab es zum Beispiel 2006 im Winter eine Schneekatastrophe. "Und da ist es gut, wenn sich die Bevölkerung selbst helfen kann, weil Vorräte da sind, Taschenlampen, Kerzen, die richtigen Tabletten und ähnliches mehr." Es sei auch gut, "wenn man seine Papiere griffbereit hat", rät er und denkt dabei an Überschwemmungen und ähnliches. Und ganz aus dem Auge lassen die Katastrophenschützer auch die Atomkraftwerke nicht - Temelin sei nur 150 Kilometer entfernt, auch Ohu und Gundremmingen sind vergleichsweise nahe.

Grundsätzlich aber ist laut Holzwarth eine ländliche Region wie die hiesige im Notfall besser dran als die Metropolen. "Die Leute auf dem Land haben doch immer mehr Vorräte zu Hause als nötig." Seine Bilanz: "Es ist nicht verkehrt, wenn man vorsorgt - aber nicht übertreiben."

Es ist gut, wenn sich die Bevölkerung selbst helfen kann, weil Vorräte da sind, Taschenlampen, Kerzen, die richtigen Tabletten und ähnliches.Thomas Holzwarth


Im Fall einer KatastropheFalls es zu einer Katastrophe kommen sollte, die den Landkreis Schwandorf betrifft, ist man im Landratsamt darauf personell und kommunikativ vorbereitet. Im Falle einer Krise laufen die Fäden bei der Kreiseinsatzzentrale zusammen, die die Leitstelle in Amberg unterstützt. 15 Personen umfasst die "Führungsgruppe "Katastrophenschutz", die dann zum Einsatz kommt. Der Katastrophenschutz baut vor allem auf den Einsatzkräften der Feuerwehren, der freiwilligen Hilfsorganisationen und des Technischen Hilfswerks (THW) auf. Darüber hinaus sind Behörden und Dienststellen sowie die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege zur Katastrophenhilfe verpflichtet. (td)
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