Bundesgerichtshof verwirft Revision
Urteil bestätigt: Sechs Jahre ins Gefängnis

Symbolbild: dpa
Vermischtes
Schwandorf
04.10.2016
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Amberg/Schwandorf. Er wollte seine letzte Chance nutzen. Doch die obersten Bundesrichter bestätigten ein Urteil, das den Mann aus Tschechien für sechs Jahre hinter Gitter schickt. Er hatte in mehreren grenznahen Gegenden der Oberpfalz Maschinen und Fahrzeuge im Wert von über 200 000 Euro gestohlen.

Der Prozess vor dem Landgericht Amberg dauerte sechs Tage. Von der Ersten Strafkammer mussten mehrere Dutzend Zeugen vernommen werden, weil sich der Angeklagte in Schweigen hüllte. Lediglich in seinem Schlusswort sagte der 41-jährige Tscheche lapidar: "Ich weiß nicht, wem die Sachen aus dem Grundstück meines Vaters gehörten. Mir nicht." Wem aber dann? "Nur Sie waren das", sagten die Richter in ihrer Urteilsbegründung und schickten den Mann sechs Jahre in Haft.

Die 100-Einwohner-Dorf Lisov, unweit der böhmischen Kleinstadt Stod in Tschechien, spielte in dem Verfahren eine wesentliche Rolle. Zu einem dort stehenden Sägewerk, das dem Vater des Beschuldigten gehört, waren Fahrzeuge und Maschinen gebracht worden, die bei nächtlichen Beutezügen in den Landkreisen Schwandorf, Neustadt/WN, Cham und im niederbayerischen Kreis Regen abhanden kamen. In seiner Anklageschrift sprach der Amberger Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier von 17 nachgewiesenen Tatorten. Rein zufällig wurde der 41-Jährige nach einer Vielzahl von Beutezügen festgenommen, als er bei Stadlern (Kreis Schwandorf) mit einem in Regen geklauten Unimog über die Grenze kam. Als sich der Mann bereits in U-Haft befand, erhielt die Amberger Kripo den Hinweis: "Schaut euch mal in Lisov um." Die Aktion mit tschechischen Fahndern führte zu einem überraschenden Ergebnis: Auf dem Sägewerksgelände standen etliche gestohlene Fahrzeuge und Gerätschaften. Sie waren teilweise umlackiert worden und bildeten eine Art Verkaufsausstellung.

Der Oberstaatsanwalt hatte in dem spektakulären Prozess neun Jahre Haft für den schweigsamen Täter verlangt. Im krassen Gegensatz dazu befand sich der Antrag von Verteidiger Tim Fischer aus Regensburg. Er wollte Freispruch für seinen Mandanten und begründete seinen Antrag damit, dass man dem 41-Jährigen letztlich nichts nachweisen könne. Die Erste Strafkammer verhängte sechs Jahre Gefängnis. Daraufhin ging Anwalt Tim Fischer vor den Bundesgerichtshof in Karlsruhe und ließ das Urteil überprüfen. Vor einigen Tagen wurde es nun rechtskräftig, nachdem der BGH die Revision als unbegründet verworfen hatte.
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