Cannabis-Plantage mitten im Wald

In einem Wald bei Niedermurach hatte ein Landwirt diese Cannabis-Plantage entdeckt. Die Anbauer saßen nun vor Gericht. Bild: hfz
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Schwandorf
26.10.2016
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Das Wachstum war wundersam. Zwischen wilden Brombeerbüschen in einem Wald bei Niedermurach gediehen Cannabispflanzen überaus prächtig und lieferten ihren gärtnerisch tätig gewordenen Besitzern reiche Marihuana-Ernte. "So viel", erzählten die beiden Männer nun vor dem Schöffengericht, "hätten wir nie erwartet."

Amberg/Oberviechtach. Der Amberger Schöffengerichtsvorsitzende Markus Sand hat bei vielerlei Prozessen, die sich mit dem Hanfanbau beschäftigten, größere Erfahrungen dazu gewonnen, wie sehr oft Marihuana-Konsumenten darum bemüht sind, in ihren Wohn- und Schlafzimmern Cannabispflanzen zum Wachstum zu bringen. Nicht selten werden die grünen Sprosse mit Infrarotlampen dazu bewogen, in meist eher bescheidener Höhe auszutreiben.

Und dann das! In einem Wald bei Niedermurach erblickte ein Landwirt elf Cannabistriebe, die zu einer stattlichen Höhe von nahezu zwei Metern gereift waren. Sie standen inmitten wilder Brombeerbüsche, spreizten ihre Äste weit aus und waren, wenn man so will, fast schon eine gärtnerische Sensation - immer eingedenk der Tatsache, dass die Witterung nahe der Grenze zu Böhmen nicht im Mindesten der in Florida oder Kalifornien gleicht.

Vor laufender Kamera


Der Bauer wandte sich an die Polizei. Sie rückte aus, besah sich die kleine Plantage und stellte eine Überwachungskamera auf. Das geschah relativ zeitnah. Doch als der Apparat Alarm auf der Wache auslöste, war gerade kein Streifenfahrzeug verfügbar. Dennoch gab es Bilder von jemandem, der sich den Pflanzen prüfend näherte. "Allerdings nicht so gute Fotos", wie das Schöffengericht jetzt von einem Beamten hörte. Also geduldete man sich, bekam abermals Aufnahmen und vermutete: "Es könnte sich um Leute handeln, die hier in der Gegend eine gemeinsame Wohnung haben."

Die Oberviechtacher Polizei bekam einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss. Sie filzte das zu diesem Zeitpunkt menschenleere Haus und stieß auf größere Mengen Marihuana. Auch Haschisch fanden die Uniformierten. Doch das stammte nicht aus der Eigenproduktion beider Männer, die in dem nahe Niedermurach stehenden Gebäude unter einem Dach lebten.

Die Kripo Amberg übernahm den Fall. Sie resümierte schließlich: 52 Hanfpflanzen waren insgesamt angebaut worden. Daraus resultierten knapp drei Pfund Marihuana eher minderer Qualität. Ein Großteil der grünen Cannabis-Zöglinge war bereits abgeerntet worden, als die Polizei erstmals von der an einem Hang liegenden Plantage (Zitat eines Beamten: "Dort kommt normalerweise auch kein Schwammerlsucher hin") Nachricht erhielt.

Weg von der Droge


Die Männer haben unterdessen ihren Wohnort gewechselt. Sie gaben ihre gärtnerischen Bemühungen vor dem Schöffengericht sofort zu und ließen glaubhaft verlauten, die Ergebnisse ihrer Ernte nur zum Eigenverbrauch verwendet zu haben. Mehr noch: "Wir sind unterdessen weg vom Marihuana-Konsum." Das wurde durch Therapieunterlagen bekräftigt.

Einer war vorbestraft. Für ihn forderte Staatsanwalt Oliver Wagner zwei Jahre Haft zur Bewährung. Für den zweiten Angeklagten verlangte Wagner ein Jahr und acht Monate, ebenfalls mit Bewährung. Gegen diese Strafhöhen stemmten sich die Verteidiger Michael Haizmann und Helmut von Kitzell (beide Regensburg). "Andere wurden nicht geschädigt. Es war nur für den Eigenverbrauch", hieß es in den Plädoyers.

Haft mit Bewährung


Das Schöffengericht blieb unter den Anträgen des Staatsanwalts. Es verhängte gegen einen der Cannabis-Anbauer 18 Monate und gegen den zweiten 15 Monate. "Mit Bewährung", wie Richter Sand verkündete. Die beiden Männer müssen Geldauflagen von 1500 bzw. 1000 Euro bezahlen. "Schon erstaunlich, wie das alles dort so gedieh", sagte der Vorsitzende am Ende in seiner Urteilsbegründung.

Schon erstaunlich, wie das alles dort so gedieh.Vorsitzender Richter Markus Sand
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