Das Brot im Oberpfälzer Sprichwort
„Gnadnbraoud" schmeckt "sauer“

Der Spruch "Wess Brot ich ess, dess Lied ich sing" heißt auf Oberpfälzisch: "Wen sei Braoud das mã isst, den sei Lied mou mã singa". Bild: NT-Archiv
Vermischtes
Schwandorf
16.07.2016
32
0
 

Das Brot im Oberpfälzer Sprichwort"A Stickl Braoud" nicht gönnen

Schwandorf. (hw) Auf der Erde leben über sieben Milliarden Menschen, 795 Millionen haben nicht genug zu Essen. Einer von neun Menschen geht abends hungrig ins Bett, lauten die Meldungen der WHO. Die Getreideernte läuft an. Über 48 Millionen Tonnen Getreide (einschließlich Körnermais) wurden 2015 bei uns geerntet. Sollten die Ergebnisse wegen extremer Wetterbedingungen schlecht ausfallen, droht noch lange keine Hungersnot wie früher. Doch bis heute gilt der Spruch "Koi Bauer, koi Braoud".

"Unser tägliches Brot gib uns heute" heißt es im "Vater unser". Deutsche Bäcker sind laut Wikipedia "Brotsortenweltmeister". Das Brot steht in diesem Gebet allerdings allgemein für "Nahrung", genauso wie in den rund 50 oberpfälzischen Sprichwörtern, die Franz Xaver Schönwerth zum Thema "Brot" gesammelt hat.

Den in der Hochsprache bekannten Spruch "Wess Brot ich ess, dess Lied ich sing" gibt es auch auf Oberpfälzisch: "Wen sei Braoud das mã isst, den sei Lied mou mã singa". Allerdings schmeckt "Gnadnbraoud sauer" und es kann vorkommen, dass der Geizige dem Nachbarn nicht einmal "a Stickl Braoud" vergönnt oder gar mit "am Stickl Braoud im Màl" verhungert. Doch in der Regel isst jeder Brot, sogar der größte Narr: "As gidd allerhandt Noarrn aaf dar Wölt, und do koin, der koin Broud ißt", heißt es bei Schönwerth.

In einer Zeit der Unterernährung beherrscht der Wunsch, täglich satt zu werden, ständig die Gedanken. In großen Häuslerfamilien mit vielen Essern am Tisch war es in der Oberpfalz früher üblich, Kinder schon als 12-jährige in den Dienst bei den Bauern zu geben, um die Zahl der Esser am Tisch zu reduzieren. In der "Schlenkelweil", also in der Zeit des Dienstbotenwechsels um Lichtmess, wurden die Dienstboten ausbezahlt und gingen in diesen wenigen freien Tagen oft nach Hause. Um diese Zeit auch "kulinarisch" zu überbrücken, gaben ihnen in der Regel Dienstherrn einen Laib Brot mit. Obwohl dieser Brauch bereits in den Polizeiordnungen des 16. Jahrhunderts verboten worden war, wurde er an einzelnen Orten im Oberpfälzer Jura vor dem 2. Weltkrieg immer noch praktiziert. In der Zeit des Überflusses und der Überproduktion haben wir in unseren Breiten heute weitgehend vergessen, was Hunger bedeutet. Doch kannte man schon früher den Spruch "Braoud ässn, bal vergässn". Und der Reiche wusste auch früher schon nicht "wejs 's Braoud firn Hungar gäid".

Brot wegzuwerfen, galt noch in den 50er Jahren als Sünde, schließlich war das Brot ja eine Gabe Gottes, die der Herrgott hatte wachsen lassen. Brot war neben dem Bier ein Grundnahrungsmittel: "Bejer und Braoud macha Bagga raoud" hieß es und mit dem Spruch "trocken Brot macht Wangen rot" machte man Kinder auch trockenes Brot noch schmackhaft. Auch sollte "Bauernbrot Zähne weiß" machen.

Ich selbst habe heute noch Skrupel, alt gewordenes Brot wegzuschmeißen. Es wird auf der Heizung getrocknet und so kriegt es halt der Nachbar für seine Hasen, die freudig daran herum knabbern. In meiner Kinderzeit machte die Mutter davon Brotsuppe. Wenigstens war sie tüchtig "aufgeschmalzen" und es schauten doch mehr Fettaugen heraus, als Kinderaugen hinein. Brot war also hochgeschätzt:"Mid Braoud derf ma niad spüln" und nach Schönwerth sollte man lieber auf einen Gulden treten, als auf ein Stück Brot.

___



Weitere Informationen im Internet:

www.onetz.de/themen/dialekt
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.